BLOG


by brigid

März 29, 2026

hund springt immer gleich auf

es gibt hunde, die einfach keine ruhe halten können und immer gleich aufspringen, wenn sich jemand im haus bewegt.
das ist mühsam, wenn man immer einen hund an den fersen kleben hat.
vor allem aber ist es für den hund ein echtes problem, wenn er nicht zur ruhe kommt.

wie soll man denn das mindestmaß an rund 18 stunden schlafen und dösen hinbekommen,
wenn der hund immer gleich auf der matte steht, sobald man vom sofa aufsteht oder sich einen kaffee aus der küche holt?

die frage kommt vor allem oft von jenen hundemenschen,
die sich sehr bewusst darum bemühen, mehr ruhe reinzubringen und dem hund den umgang mit aufregung zu erleichtern.
was aber kann man tun, damit der hund im haus zur ruhe kommt?

innere unruhe

die sache ähnelt ein wenig der frage nach henne und ei.
wenn der hund ohnehin schon zuwenig ruhe im leben hat der stresspegel chronisch erhöht ist,
fällt es ihm schwer, im haus zu entspannen und längere eit am stück zu schlafen oder zu dösen.

er ist von den stresshormonen im körper zu aufgewühlt und kann schlecht damit umgehen,
wenn ein geräusch oder eine bewegung in seiner unmittelaren umgebung eine alarmreaktion von seiner seite triggert.

je größer die innere unruhe des hundes ist, desto  schneller springt er auf äußere unruhe im haus an.
bei manchen sind es vor allem bewegungen (weil die sofort eine folge-bewegung beim hund auslösen),
bei anderen sind es hauptsächlich geräusche (weil stress die geräuschempfindlichkeit drastisch erhöht),
bei einigen gleich beides.

das dauernde aufspringen und „nachschauen“ gehen vom hund ist dabei nur das symptom.
es würde daher herzlich wenig bringen, wenn man mit ihm nun deckentraining oder ähnliches macht.

vielmehr muss man sich dem eigentlichen thema stellen: dem stresspegel beim hund. 
die innere unruhe muss abnehmen, dann kann der hund auch ganz von sich aus besser liegen bleiben,
ruhiger das geschehen im haus verfolgen und ist nicht dauernd gleich hinterher.

meist braucht es dazu eine übergangsphase, in der man die äußere unruhe im haus reduziert,
bis der hund innere ruhe entwickelt haben.

dazu empfiehlt es sich, den alltag so zu gestalten, dass es deklarierte ruhephasen gibt,
in denen möglichst wenig bewegung oder geräusche im haushalt zu bemerken sind,
abgelöst von einigen aktivpasen – schließlich muss man ja den haushalt versorgen, dinge erledigen oder essen kochen.

je fixer man diese zeiten einhalten kann, desto leichter fällt es dem hund,
allmählich zur ruhe zu kommen.
ist man im stressabbau beim hund ein ordentliches stück weitergekommen, kann an diese struktur allmählich auch wieder auflösen
und der hund sollte gut damit zurecht kommen.

vorausgesetzt, es kommt nicht noch ganz was anderes dazu:

belohnte unruhe

nämlich die belohnung dafür, dass der hund dauernd aufspringt.
die belohnung besteht dabei in erster linie aus der aufmerksamkeit des eigenen menschen,
manchmal auch aus einer reaktion in der umgebung.

denn was passiert denn, wenn wir eben nur mal in die küche gehen und der hund klebt uns schon an den fersen?
wir wenden uns ihm zu und sagen „geh wieder auf deine decke“ oder „nein, noch gibt es kein abendessen“ oder irgendwas anderes.

das reicht dem hund schon als belohnung.
selbst wenn er daraufhin wieder zu seinem körbchen trottet und sich hinlegt,
haben wir alleine mit dieser aufforderung schon sein aufspringen und hinterherlaufen belohnt.
bei der nächsten bewegung wird er es wieder genauso machen und bei der nächsten wieder.

erst recht trifft das auf das verbellen von geräuschen von draußen zu.
das führt praktisch immer zu einer belohnung:
das geräusch draußen (zum beispiel der paketbote) verschwindet wieder,
der eigene mensch sagt ihm, dass er still sein soll
(uns menschen fällt es dermaßen schwer, bellen nicht noch durch irgendwas sagen zu belohnen!)
und das bellen selber wirkt sowieso selbstbelohnend.

auch ganz ohne bellen fällt es uns sehr schwer, den hund nicht unabsichtlich in seinem verhalten zu bestätigen:
mit einem blick, mit einem seufzer, mit einem wort…. hunde sind da nicht wählerisch und nehmen fast alles als belohnung.

daher macht es jedenfall sinn, sich selber mal genau zu überprüfen:
was mach ich eigentlich, wenn ich mich im haus bewege und der hund gleich angelaufen kommt?
und wie ist das bei anderen menschen im haus?

findet unbeabsichtige belohnung statt, hilft nur eines:
nicht mehr belohnen.
ignorieren, nicht darauf eingehen – und wenn der hund noch so lieb ausschaut.

verlustängste

in wenigen fällen steckt hinter dem dauernd hinterherrennen noch was anderes:
die angst, den menschen (wieder) zu verlieren.

das kommt häufiger mal in der anfangsphase mit einem neuen hund vor,
wenn der davor schon mehrere stationen durchlaufen oder eine einschlägige vorgeschichte hat.
in der anfangsphase weiß der hund ja noch nicht, dass sein neuer mensch ihm nicht gleich wieder abhanden kommt,
und der stress der umstellung kommt noch dazu.

nach einigen wochen sollte sich das aber legen und der hund allmählich zur ruhe kommen.
springt er auch dann noch bei jeder kleinigkeit auf (und es liegt weder am stress noch an der falschen belohnung),
dann sollte man sich fachkundige unterstützung holen,
denn ein leben mit verlustangst ist für den hund alles andere als schön.

was es nicht ist…

was übrigens hinter dem dauernden hinterherlaufen nicht steckt, ist ein sogenannter „kontrolltick“.
der ist eine erfindung des menschen, bevorzugt von menschen, die immer noch an dominanz und rangordnung glauben und das verhalten des hundes daher als versuch missverstehen, den haushalt unter die eigene kontrolle zu bringen.
nichts ist weiter von der wahrheit entfernt.

über die autorin 

brigid

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.