es ist kein spaß, wenn man mit einem oder gar mehreren formen von problemverhalten beim hund zu kämpfen hat.
es belastet den alltag, wenn der hund sehr ängstlich ist,
oder wenn er sich unterwegs über alles und nichts aufregt
oder wenn er gar zu abwehrhandlungen wie schnappen und zwicken neigt.
(wie du darauf am besten reagierst, ist übrigens demnächst thema im neuen fachwebinar „was tun, wenn der hund geschnappt hat“).
es belastet einen früher oder später auch selber.
manchmal sogar sehr.
man möchte doch, dass der hund dazu lernt und die schwierigen situationen besser hinzukriegen sind.
gelingt das nicht so, wie erwartet oder nicht so schnell, wie man möchte,
stellen sich klarerweise mal frust, ungeduld und ärger ein.
fast immer begleitet von selbstzweifeln und unzufriedenheit.
was nicht hilft.
daher hab ich heute mal drei tipps, wie man besser damit klar kommt,
wenn es mit dem hund nicht so läuft, wie man möchte.
vorweg: die tipps sind als ergänzung zu einem vernünftigen trainingsprogramm gedacht
und können das natürlich nicht ersetzen.
(wer sein trainingsprogramm überprüfen lassen oder sich für seinen hund eines maßgeschneidert erstellen lassen mag, kann sich gerne eine beratung von holen).
1. druck rausnehmen
fangen wir gleich mit dem wichtigsten tipp an:
wenn problemverhalten vom hund ein thema ist, ist praktisch immer druck ein thema.
genauer gesagt: zwei formen von druck.
da ist erstens der erwartungsdruck.
man erwartet vom hund, dass er dazu lernt, dass er sein unerwünschtes verhalten ablegt und gelassener wird.
außerdem erwartet man natürlich, dass die maßnahmen, die man setzt, etwas bringen:
dass die übungen erfolg zeigen, dass man selber eine situation besser managt,
dass man dem hund „mehr sicherheit gibt“, wie es oft verlangt wird,
und was immer man dann noch an erwartungen an sich selber hat.
zweitens wäre da noch der leidensdruck.
denn wenn es nicht läuft wie gewünscht oder wenn das verhalten des hundes wirklich schwierig ist,
erzeugt das natürlich eine enorme belastung.
nicht nur für den hund, sondern ganz wesentlich auch für den menschen.
man redet es sich gern klein, weil man den hund ja trotzdem liebt.
aber natürlich leidet man selber auch unter der situation. oftmals gar nicht so wenig.
in summe entsteht da sehr viel druck.
der wiederum die sache verschlimmert.
wenn man immer schon damit rechnet, dass gleich wieder was passiert,
dass der hund sich daneben benimmt oder man in der klemme steckt, entsteht viel anspannung.
und die steht dem vernünftigen umgang mit dem hund oder sinnvollem training im weg.
also: druck raus, dampf ablassen, durchatmen.
ganz wichtig: hinnehmen, dass die situation im moment nun mal so ist.
akzeptieren, dass der hund sein bestes gibt und man selber sein bestes gibt,
und es trotzdem noch eine weile nicht perfekt sein darf.
oder überhaupt mal pause machen.
sich selber einen tag frei geben vom hund,
dem hund ein paar tage frei geben vom training
und dann frisch wieder an die sache herangehen.
2. spaßprogramm
was bei einem hund mit problemverhalten gern zu kurz kommt, ist der spaß.
das heißt natürlich nicht, dass dieser hund keinen spaß hätte
(manchmal sorgt ja sogar sein spaß für das problem)
oder man als mensch keine freude mehr mit dem hund hätte.
der fokus bei gemeinsamen aktivitäten liegt aber fast immer entweder auf der problemvermeidung
oder auf dem üben von besserem verhalten.
also auf dem problem, nicht auf dem spaß haben miteinander.
das verdirbt auf dauer beiden seiten die freude am miteinander was tun.
und es steigert beim menschen den frust und die unzufriedenheit über den hund,
weil ja alle aktiven schritte miteinander (nämlich das üben) nicht so ideal laufen oder sehr problemzentriert bleiben.
da ist es höchste zeit, ganz bewusst spaßprogramm anzugehen.
was wäre zum beispiel, wenn man nur drei tage die woche am problem trainiert,
zwei tage die woche den alltag möglichst problemfrei (und ohne üben) managt
und zwei tage der woche bewußt dem gemeinsamen spaß gewidmet sind?
am liebsten empfehle ich dazu suchaufgaben.
da ist der hund nämlich ganz in seinem element,
der mensch begeistert darüber, wie toll die hundenase arbeitet
und es braucht kooperation von hund und mensch dazu, dass die nasenarbeit stattfinden kann
(der hund kann sich ja nicht selber was verstecken und der mensch würde nicht mehr allzuviel finden).
3. fortschritte aufschreiben
eine sache macht den umgang mit problemverhalten so unnötig schwierig:
unsere wahrnehmung.
wir sehen nämlich vorrangig das negative, weil belastende.
wir sehen auch große veränderungen.
was wir aber nicht sehen: sind kleine verbesserungen zwischen den rückschlägen.
natürlich gibt es bei jedem training nicht nur jeden tag tolle fortschritte,
schon gar nicht bei problemverhaltens-training.
da geht es anfangs oft nur schleppend voran und gute tage wechseln mit schlechten.
was der hund trotzdem im lauf der zeit für fortschritte macht,
sehen aussenstehende viel leichter als man selber.
weil sie den hund in großen intervallen erleben und daher die veränderung besser erkennen können.
damit man selber nicht in die fall tappt, keine fortschritte sehen zu können,
hilft eines wunderbar: jeden tag drei dinge aufschreiben, die gut geklappt haben.
buch führen über die entwicklung des hundes und gelegentlich nachlesen,
wie es ganz am anfang war. das vergisst man nämlich nur zu leicht.
nur dann kann man wirklich gut erkennen,
was man mit dem hund gemeinsam schon alles erreicht hat.
(und sollte man feststellen, dass sich wochenlang gar nichts verändert hat,
kann man die trainingsmaßnahmen besser überprüfen und wo nötig verändern).
fazit
für das üben und zusammenleben mit einem herausfordernden hund gilt ähnlich wie bei einem flugzeugabsturz:
zuerst selber die sauerstoffmaske überziehen, bevor man anderen hilft.
soll heißen: man darf sich nicht nur, sondern soll sich eingestehen, dass man selber unter einer belastung leidet.
und man soll und muss daher auf das eigene wohlergehen schauen.
nur dann kann man sich gut um den hund kümmern und mit ihm gemeinsam das problemverhalten in den griff kriegen.

