man muss dem hund grenzen setzen, heißt es oft.
in der regel dann, wenn er über etwas unerwünschtes tut oder irgendwie über die stränge schlägt.
dabei schwingt oft ein übler beigeschmack mit:
von hart durchgreifen, dem hund nicht alles angehen lassen oder ihm zeigen, wo’s lang geht.
das ist natürlich unfug.
härte ist kein allheilmittel für unerwünschtes verhalten und schon gar nicht hundegerecht.
schon gar nicht löst „grenzen setzen“ probleme im alltag, wo der hund zu heftig reagiert.
aufregung oder mangelnde impulskontrolle lassen sich nicht „eingrenzen“, sondern höchstens kurzfristig unterdrücken,
bevor danach alles noch schlimmer wird.
was es in dem fall brauchen würde, besprechen wir demnächst beim webinar „gelassen statt impulsiv“, für das du dir gleich hier deinen platz reservieren kannst:
allerdings braucht der hund tatsächlich grenzen, im sinne von:
er muss wissen, welches verhalten erwünscht ist und welches nicht.
unser denkfehler: das könnte er nur durch verbote, korrekturen oder hartes einschreiten lernen.
also mit „nein lass das“, „pfui, aus!“ oder strafen.
so aber wollen wir mit unserem besten freund nicht umgehen.
1. spielregeln statt grenzen
ein teil des problems liegt vermutlich am begriff „grenzen setzen“ selber.
das impliziert ein „bis hierher und nicht weiter“ und ein einschreiten, wenn eine grenze überschritten wird.
wobei man es erst mal drauf ankommen lässt, dass diese grenze überschritten wird und dann wird eingeschritten.
wenn wir stattdessen von spielregeln reden, sieht die sache ganz anders aus.
bei spielregeln ist es ganz klar, dass alle beteiligten die erst mal erlernen und verstehen müssen,
um sie überhaupt einhalten zu können.
das verlagert die aufgabe zum menschen, der
a) die spielregeln gut und eindeutig definieren und festlegen muss und
b) diese dann dem hund so zu vermitteln hat, dass der sie begreift und sich daran halten kann und
c) die aufgestellten spielregeln auch selber einhalten muss.
der mensch wird zum lernbegleiter statt grenzkontrollor.
ein beispiel:
ein welpe knabbert an der hand des menschen und zwickt beim spielen sogar manchmal.
der mensch hat nun die wahl: entweder „nein“ zu rufen und dem hund einen sanften klaps zu geben – wie das häufig empfohlen wird –
oder aber kommentarlos sofort die interaktion zu beenden.
noch besser: die eigenen hände erst gar nicht als spielzeug einsetzen und den welpen nicht so aufpushen, dass er grob wird und zu zwicken beginnt.
2. ermöglichen statt korrigieren
in der hundeerziehung klappt alles am besten,
wenn man dem hund das „richtige“ verhalten auch richtig beibringt und ihn dafür bestätigt,
statt darauf zu warten, dass er was falsch macht oder falsch versteht und das dann zu „korrigieren“.
dem hund ist es im prinzip ja egal, was er lernt.
er lernt das richtige genauso leicht wie das falsche.
es kommt einfach ganz drauf an, was als erstes kommt.
(und ja, manche impulsiven verhaltensweisen liegen dem hund etwas mehr also solche, für die er zurückhaltung braucht).
wenn wir uns darauf konzentrieren,
– wie sich der hund in einer bestimmten situation verhalten soll
– dem hund genau dieses verhalten zeigen und belohnen
dann lernt er das genauso gut wie ein unerwünschtes verhalten.
unser job besteht also im wesentlichen darin, dem hund das richtige verhalten möglich zu machen.
dann brauchen wir auch gar kein falsches verhalten mehr zu „korrigieren“
ein beispiel:
der hund springt gern menschen an.
man kann ihm nun klassich „grenzen setzen“ und mit „aus“, „runter“ oder gar einem erhobenen knie reagieren, damit er – angeblich – versteht, dass man das so nicht macht.
oder man bringt dem hund bei, sich zur begrüßung vor einen menschen hinzusetzen und auf lob zu warten.
(oder ihn zu anderen menschen, die ihn fürs hochspringen mit aufmerksamkeit belohnen würden, erst gar nicht hinzulassen, weil er an der leine gesichert ist oder neben einem selber sitzt).
3. sanfte konsequenz statt hartes durchgreifen
um eines kommt man jedenfalls nicht herum: um konsequenz.
die wird oft missverstanden als hartes durchgreifen oder gar bestrafen.
dabei heißt konsequenz einfach nur beständigkeit oder beharrlichkeit.
eine spielregel gilt eben immer und jedes mal
und wir als menschen achten darauf, den hund nicht in eine lage zu bringen,
wo er sich nicht mehr angemessen verhalten könnte.
das geht auch sanft und mit einfühlungsvermögen, dazu ist keine härte nötig.
ein beispiel:
ein hund muss regelmäßig gebürstet werden, reagiert aber mit knurren, wenn es ziept.
das geht natürlich nicht und könnte als nächstes zum schnappen führen.
man kann dem hund nun harte grenzen setzen, den maulkorb draufstülpen und dann ohne großes tamtam bürsten
(spoiler: wird die sache eher nicht besser machen).
oder man kann den hund langsam ans bürsten gewöhnen und dabei so behutsam vorgehen, dass nichts wirklich unangenehm ist.
so hat der hund erst gar keinen grund fürs knurren und alles ist gut.
fazit
positive hundeerziehung heißt nicht, dass hunde keine grenzen kennen oder einhalten müssten.
sie werden ihnen ihnen aber ohne strenge, ohne dauernde verbote und ohne strafen (falls die verbote nicht eingehalten werden) beigebracht.
und das macht einen riesen unterschied!

