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by brigid

Mai 31, 2026

hund impulsiv

unbeherrschtes verhalten beim hund wird wahlweise als impulsiv, frustriert oder gestresst beschrieben.
dabei entsteht gelegentlich der eindruck, das wäre alles mehr oder weniger dasselbe.

nun gibt es zwar zusammenhänge zwischen mangelnder impulskontrolle, niedriger frustrationstoleranz und erhöhtem stresspegel.
das gleiche ist das aber beileibe nicht.
vor allem aber braucht jedes phänomen einen anderen ansatz für training oder maßnahmen, damit man ihm wirkungsvoll entgegentreten kann.

daher wollen wir uns mal genauer anschauen, was denn nun was ist und in welchen bereichen es überlappungen gibt.

1. impulsiv

impulsivität liegt dann vor, wenn der hund auf einen inneren impuls hinauf unüberlegt und ohne sich selber bremsen zu können (oder zu wollen) ein verhalten auslebt.

häufig stecken emotionale motive dahinter, aber nicht nur.
auch schnelle bedürfnisbefriedigung in form von futter klauen oder zu einem anderen hund hinrennen zum spielen gehört zu den impulsiven verhaltensweisen.

es gibt zwar einen zusammenhang mit stressbedingtem verhalten – stress lässt nämlich die impulskontrolle schwinden – es gibt impulsives verhalten aber auch ganz ohne stress.
zum beispiel das jagdverhalten (bei hunden mit jagdlicher motivation).
da reicht eine witterung oder eine beutesichtung völlig aus für einen starken impuls, dem der hund ohne entsprechendes training nicht widerstehen kann.

die fähigkeit, die eigenen impulse kontrollieren zu können, muss der hund im lauf des erwachsenwerdens und im lauf seiner erziehung erst lernen. dabei reichen einzelne übungen – wie das warten vor dem futternapf nicht aus.
impulskontrollübungen scheitern oft daran, dass sie nicht dazu führen, dass der hund eine verhaltensstrategie entwickeln und situationsunabhängig eine stärkere impulskontrolle aufbauen kann.

mehr dazu besprechen wir dann demnächst im neuen webinar „gelassen statt impulsiv“, für das du dir gleich hier deinen platz sichern kannst:

2. frustriert

frustriertes verhalten sieht impulsivem verhalten zwar recht ähnlich, unterscheidet sich aber in einem wesentlichen punkt:
der hund kann ein impuls nicht ausleben oder ein verhalten nicht ausführen, weil ihn äußere einflüsse daran hindern.

das kann die leine sein, ein verbot vom menschen, ein zaun, das wegnehmen eines gegenstands etc.
in jedem fall kann der hund nicht tun, wie er möchte.
frustration ist die folge.

unbeherrscht wird das verhalten dann, wenn der hund mit der frustration schlecht umgehen kann.
man spricht dann von geringer frustrationstoleranz.

das sind zum beispiel jene hunde, die an der leine zu pöbeln anfange, weil sie nicht zum anderen hindürfen;
die knurren, wenn man sie ihm buddeln im mäuseloch hindert oder fordernd bellen, wenn man ihnen das spielzeug wegnimmt.

auch hier besteht ein zusammenhang zum stresspegel:
je höher der stress, desto niedriger ist die frustrationstoleranz des hundes und desto unbeherrschter wird sein verhalten.

eine niedrige frustrationstoleranz entsteht vor allem bei jenen hunden, für die kaum regeln gelten.
die also selten erlebt haben, dass es mal nicht so oder nicht sofort so geht, wie sie möchten.
besonders anfällig dafür sind handaufzuchten, weil ihnen die erfahrungen im wurf und mit der mutterhündin fehlen.
aber auch hunde, mit denen man mit falsch verstandener nachsicht begegnet
oder wo die menschen sehr inkonsequent sind,
können zu geringer frustrationstoleranz neigen.

3. gestresst

stressbedingtes verhalten ist genau dadurch gekennzeichnet,
dass es unbeherrscht, impulsiv und emotional ist.
es lässt sich daher leicht mit der reinen impulsivität verwechslen,
hat aber andere hintergründe.

nämlich die stresshormone, die sich in folge von zuviel aufregung im hundekörper ansammeln,
und dann dazu führen, dass er nicht mehr überlegt vorgeht, sondern emotional und reaktiv.

es handelt sich dabei um eine körperliche reaktion auf umweltfaktoren oder lebensbedingungen,
die der hund nicht bewusst steuern kann.

er kann gelasseneres verhalten lernen, aber erst, wenn der stresspegel so weit abgesunken ist,
dass ihm das körperlich wieder möglich ist.

die anfälligkeit für stress hängt stark vom hundetypus und den aufzuchtbedingungen ab.
eine moderate menge an reizen führt dazu, dass der welpe oder junghund lernt, mit stress umzugehen.
eine zu viel an stimulation oder das völlig reizarme aufzucht hingegen lassen ihn extrem stressanfällig werden.

der tatsächlich vorhandene stresspegel wird durch die lebensumstände des hundes und den umgang mit ihm verursacht.
dort muss man auch ansetzen, wenn man stressbedingtes verhalten in den griff bekommen will.

wo ansetzen?

unbeherrschtes verhalten beim hund kann entweder impulsiv oder frustrationsbedingt oder stressverursacht sein.
oder zwei oder drei ursachen liegen gleichzeitig vor.
wo also anfangen?

der erste schritt ist immer, den stresspegel zu überprüfen und gegebenenfalls für stressabbau zu sorgen.
solange dies nicht geschieht, kommt man mit dem aufbau von impulskontrolle oder frustrationstoleranz nämlich nicht weit.

im zweiten schritt geht man die impulskontrolle an.
und zwar so, dass der hund eine allgemeine strategie von selbstbeherrschung erlernt, nicht nur einzelne übungen.
als nebenwirkung verschwinden häufige frustreaktionen fast von selber.

liegen weder eine stressbelastung noch mangelnde impulskontrolle vor (oder wurden beide behoben),
dann – und nur dann – geht man das thema frustrationstoleranz an
und übt mit dem hund behutsam, frustration schrittweise etwas besser zu verkraften und nicht mehr heftig darauf zu reagieren.

über die autorin 

brigid

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.