es sitzt tief in uns drinnen, dass fehlverhalten vom hund natürlich korrigiert werden muss.
man kann ihm das ja nicht „durchgehen lassen“, damit er nichts falsches lernt.
manche meinen sogar, dass der hund in seine schranken verwiesen werden muss.
eine korrektur kann dabei ganz unterschiedlich aussehen
und besteht nicht immer aus drastischen maßnahmen wie anschreien, hinschlagen oder mit diversen dingen nach dem hund werfen.
jedes „lass das“, „pfui“ oder nein gehört genauso dazu,
wie sich vor dem hund aufbauen, ihn finster anschauen oder zornig auf seinen platz schicken.
also alles, was wir in reaktion auf ein fehlverhalten vom hund üblicherweise tun,
damit er damit aufhört.
der haken an der sache: die nebenwirkungen.
korrekturen verunsichern den hund und zerstören sein vertrauen zum menschen.
(mehr dazu in diesem blogartikel).
es ist ohnehin schwer genug, den hund so zu erziehen, dass dabei eine freundschaftliche und partnerschaftliche beziehung entsteht,
korrekturen machen diese bemühungen wieder zunichte.
(wer mehr darüber wissen möchte, wie man die bindung und eine positive beziehung fördern kann, trotz der erziehungsbedürfnisse, die es (noch) gibt, ist herzlich eingeladen zum webinar „von der erziehung zur beziehung“, zu dem man sich gleich hier anmelden kann (kostenlos):
was aber tut man nun wirklich, wenn der hund was falsch macht?
wir wollen ja tatsächlich nicht haben, dass er quatsch lernt oder einübt.
1. unterbrechen, aber freundlich
macht der hund etwas, das er nicht soll, besteht unser erster impuls darin, das abzustoppen.
genauer gesagt: unser erster impuls ist ein impulsiver ausbruch im sinn von „nein, das will ich nicht!“ –
wie unterschiedlicher form.
in aller regel äußert sich das mit gewissem nachdruck und körperlicher anspannung,
selbst wenn man „nur“ ein abbruchsignal wie ein „he!“ oder so verwendet.
der hund unterbricht sein verhalten dann deswegen,
weil ihn die heftigkeit der reaktion irgendwie beeindruckt
(oder früher mal beeindruckt hat und nun eine andeutung reicht).
eine schöne oder gar vertrauensvolle erfahrung ist das für ihn nicht
(für den menschen übrigens auch nicht).
geht das nicht auch anders?
sicher doch.
man braucht nur den hund mit einem bereits gelernten signal auffordern, was anderes zu tun.
und das so freundlich und fröhlich wie sonst auch.
der hund kann nicht gleichzeitig im gebüsch stöbern und auf sich aufs aufmerksamkeitssignal zum menschen umdrehen,
er kann nicht gleichzeitig weiterbuddeln und sich hinsetzen
oder auf einen menschen zustürmen und auf den rückruf zum eigenen menschen angerannt kommen.
natürlich müssen dazu zwei dinge funktionieren
erstens: die signale für den hund (auch bei aufregung)
zweitens: die impulskontrolle vom menschen (freundliches signal geben statt impulsiver ausbruch).
aber das lässt sich ja machen.
unterbrechen ist trotzdem die schlechteste variante gegen unerwünschtes verhalten.
der hund ist ja schon dabei, was falsch zu machen und soll das doch erst gar nicht.
2. vermeiden, aber umsichtig
irgendwie ist es unfair, den hund erst mal machen zu lassen,
solange bis das aus unserer sicht „unerwünscht“ ist.
wir lassen ihn sozusagen ins fehlerverhalten reinrasseln und kommen dann an mit:
„he, du machst das ganz verkehrt“.
das erzeugt natürlich miese stimmung und ein schlechtes lernumfeld.
viel besser wäre es, wenn wir das vermeiden könnten.
wenn der hund also gar nicht erst anfangen würde mit seinem fehlverhalten
und wir dann auch nicht die notwendigkeit hätten, irgendwas zu „korrigieren“.
vermeiden kann aber nicht heißen: die situation vermeiden.
wenn wir zum beispiel einen hund haben, der besucher anspringt,
können oder wollen wir nicht vermeiden, dass jemals wieder besuch kommt.
wenn der hund an der leine zieht, können wir auch schlecht vermeiden,
ihn an der leine zu führen.
vermeiden muss also heißen: das fehlverhalten selber vermeiden.
nämlich dadurch, dass der hund von anfang an die chance bekommt, das erwünschte verhalten auszuführen.
dazu braucht er naturgemäß etwas anleitung vom menschen,
woher soll er schließlich wissen, was erwünscht ist und was nicht?
es ist unser job, situationen so zu managen, dass der hund erst gar nicht in eine lage gerät,
fehlverhalten an den tag zu legen oder einzuüben.
uns versetzt das übrigens in die angenehme lage,
den hund häufig zu loben und zu belohnen für all das, was er richtig macht.
und das tut der beziehung mindestens so gut wie der erziehung.
3. ignorieren, mit maßen
schließlich gibt es noch eine dritte möglichkeit, mit fehlverhalten umzugehen:
man ignoriert es und stellt sicher, dass der hund damit keinen erfolg hat.
dann lässt er früher oder später die sache auch wieder bleiben.
das setzt natürlich voraus, dass es etwas ist, was man gefahrlos ignorieren kann
und was für den hund auch nicht selbstbelohnend wirkt.
zu ignorieren, dass der hund essen vom tisch klaut, wäre genauso sinnlos,
wie zu ignorieren, wenn er mit wütendem gebell den paketboten in die flucht schlägt.
in beiden fällen hätte er ja seinen direkten erfolgserlebnisse.
in manchen situationen klappt ignorieren aber gut:
wenn der hund etwas vor allem deswegen tut, um aufmerksamkeit zu bekommen und die dann ausbleibt, sieht er bald keinen sinn darin.
vor allem, wenn man das verhalten gleich in den ansätzen erwischt und ignoriert.
allerdings ist auch beim ignorieren vorsicht geboten:
ignorieren heißt nämlich nicht, den hund stundenlang zu ignorieren oder als „auszeit“ eine stunde wegzusperren.
es ist vielmehr ein punktuelles und ganz kurzes entziehen der aufmerksamkeit,
das am besten funktioniert, wenn der hund gleich darauf für eine andere (erwünschte) verhaltensweise seine aufmerksamkeit bekommt.
wenn er zur begrüßung hochspringt, man sich kurz umdreht,
der hund daraufhin wieder auf vier pfoten steht oder sich gar hinsetzt und dann ruhig begrüßt wird,
wäre das ein gelungenes beispiel für ignorieren.
vorausgesetzt, das geht nicht den ganzen tag so.
ständiges ignoriert werden von der eigenen bezugsperson ist eine belastung für den hund
und ein sicheres zeichen dafür, dass der mensch in der hundeerziehung mist gebaut hat.
da heißt es dann: zurück an den start und dem hund vor allem mal das gewünschte verhalten beibringen.
fazit
je weniger notwendigkeit es gibt, irgendein verhalten des hundes aktiv zu korrigieren, umso besser ist das.
für den hund und für die beziehung zwischen hund und mensch.
sollte doch mal eine situation entstehen, in der man einschreiten muss,
reicht es, auf bestehende signale zurückzugreifen und den hund damit „umzulenken“.

