mit der körpersprache dem hund gegenüber ist das so eine sache.
schlicht deswegen, weil wir menschen sind und uns nicht von natur aus „hündisch“ verhalten können.
natürlich wissen wir, dass wir uns nicht über den hund beugen oder ihm zu frontal entgegenkommen sollen,
weil das für den hund abweisend oder gar bedrohlich wirkt.
doch wissen und es anwenden sind zwei paar schuhe.
denn vieles passiert unbewusst und wir setzen unsere körpersprache selten gezielt ein.
außer wir haben uns darin schon ein wenig geschult.
(wer das mit einfachen übungen machen möchte, kann das mit dem kurs „hilf deinem hund“ in wenigen wochen verändern).
so kommt es, dass wir oft die eine absicht haben, doch der körper was anderes sagt,
dass wir dem hund die eine botschaft übermitteln wollen, bei ihm aber das gegenteil ankommt.
schauen wir uns dazu drei typische beispiele an:
1. einladen
nehmen wir nur all die situationen, wo wir den hund einladen näher zu kommen.
sei es ganz normal im alltag, wo wir ihn zu uns herholen wollen –
um aus dem garten wieder ins haus zu gehen, um ihn aus dem nebenzimmer herzuholen –
oder bei wichtigen übungen wie dem rückruf,
bei dem wir auch möchten, dass der hund zu uns her kommt.
unsere tendenz beim einladen zum herankommen besteht typisch menschlich daraus,
dass wir uns dem hund direkt zuwenden, ihn ansehen,
meist den kopf vorrecken oder den oberkörper vorbeugen
und vielleicht sogar ein, zwei schritte auf den hund zumachen und ihm eine hand entgegenstrecken.
aus unserer sicht ist das eine freundliche annäherung und ein aufeinander zugehen.
aus hundesicht ist es das gegenteil.
er versteht das als botschaft im sinne von „halte abstand, bleib weg von mir“.
wenn wir dabei etwas schneller oder angespannter unterwegs sind oder der hund sehr sensible auf körpersprache reagiert,
dann wird daraus sogar eine bedrohung und ein abdrängen oder gar blockieren des hundes.
genau das, was wir nicht wollten.
2. festhalten
das festhalten wird üblicherweise in drei verschiedenen situationen eingesetzt.
erstens, wenn wir dem hund etwas unangenehmes tun müssen, dem er sich sonst entziehen würden.
pfoten säubern oder krallen schneiden, schmutz rauswaschen oder ohren untersuchen,
egal, was er sich nicht gern machen lassen würde (und wir nicht geübt haben!) – wir halten ihn einfach fest.
dabei ist uns zumindest bewusst, dass das für den hund nicht angenehm ist.
wir halten ihn aber auch fest, wenn wir ihn im gefühlsüberschwang durchknuddeln und umarmern,
wenn wir ihn zur begrüßung in die arme nehmen oder – bei kleineren hunden – sogar hochheben.
unsere motivation ist in dem moment natürlich eine ganz andere,
aus menschensicht ist umarmen und große körperliche nähe ein liebesbeweis.
für den hund nicht.
dem ist das festhalten auch im lieb gemeinten sinn genauso unangenehm
wie das festgehalten werden bei unangenehmer körperpflege.
vor allem, wenn es frontal von vorne geschieht und mit drüberbeugen einhergeht.
das dritte festhalten geschieht in der regel anders, nämlich von hinten oder von der seite,
was an sich für den hund weniger unangenehm wäre.
allerdings passiert es in dem moment, wo wir ihn zurückhalten wollen –
weil er an der leine pöbelt, weil er besucher anspringen möchte oder ähnlich überdreht reagiert.
im moment der aufregung zurückgehalten werden,
vielleicht gar noch an einem halsband, das dann würgt,
und von einem menschen, der dabei gleich aufgeregt vorgeht wie der hund,
ist für den hund aber kein schutz, sondern im besten fall eine unangenehme bremse,
meist aber noch schlimmeres:
wir fallen dem hund in einem schwierigen moment gefühlt in den rücken.
vor ihm ist die ursache für aufregung, vielleicht in seiner wahrnehmung sogar gefahr.
hinter ihm sein aufgeregter mensch, der ihn massiv einschränkt,
mit der eigenen aufregung weiter hochputscht und keinen ausweg lässt.
(einzige ausnahme: in seltenen (!) fällen hilft einem hund ein loses von den armen umrahmt werden, ruhiger zu bleiben, wenn etwas sehr aufregendes auf ihn zukommt – vorausgesetzt der abstand ist groß genug).
3. runter holen
dass wir einen hund irgendwie beruhigen möchten, wenn er grade zu sehr aufdreht,
das kommt nicht nur in heiklen momenten vor, sondern auch im alltag immer wieder.
der hund fährt hoch, weil es endlich rausgeht, weil er draußen was gehört hat,
weil er am gartenzaun jemand gehört hat und und und….
unser direkter impuls, um ihn wieder runter zu holen:
laut und deutlich werden.
das liegt einerseits an der stimmungsübertragung.
die läuft ja auch vom hund zum menschen und wir lassen uns von der aufregung anstecken.
andererseits liegt das an unseren eigenen impulsen.
wenn der hund überdreht, wollen wir das in einer impulsiven reaktion möglichst schnell abstellen
und ihn daher „übertönen“.
also erheben wir die stimme oder sie fällt gepresst aus,
unsere muskelspannung steigt, wir lehnen uns ein wenig vor
und erklären dem hund, er soll sich wieder beruhigen.
eine klassische doppelbotschaft.
unser ganzer körper sagt: aufregung, aufregung, aufregung!
da kann unsere stimme hundertmal sagen: ruhig.
beim hund kommt die körperbotschaft immer viel deutlicher an.
(fällt die drastisch genug aus wirkt sie vielleicht einschüchternd auf den hund, nicht aber entspannend).
also sollten wir genau das gegenteil tun.
das gelingt aber nur, wenn uns das erstens bewusst ist und wir unseren körper ein wenig geschult haben.
fazit
es lohnt sich, ein paar grundmuster unserer körpersprache in den griff zu bekommen und sinnvoll einzusetzen.
dazu reichten in der regel ein paar einfache übungen und das bewusstsein dafür, worauf es ankommt.
denn für den hund spricht unser körper immer viel lauter und deutlicher als alles andere.
da macht es sinn, mit dem körper das richtige zu sagen.

