mit der erziehung beim hund ist das so eine sache.
da gibt es jene menschen, die sehr viel zeit und energie in die erziehung des hundes investieren,
und auf der anderen seite jene, die dazu kaum etwas machen und davon ausgehen,
dass sich irgendwie alles von selber fügen wird.
dazu kommt in letzter zeit noch ein anderes phänomen:
hundeerziehung als solche gerät in ein schlechtes licht und slogans wie „freundschaft statt erziehung“, „liebe statt leckerli“ oder „den hund hund sein lassen“ machen die runde und kommen gut an.
was ist nun wirklich los?
braucht der hund gar keine erziehung?
braucht er nur ganz wenig oder doch einiges mehr?
kommt es auf den hund an?
1. verpönte erziehung
als erstes sollten wir vielleicht klären, was unter hundeerziehung verstanden wird.
da gibt es ja ganz unterschiedliche vorstellungen.
wenn der anspuch besteht, dass der hund zum blinden gehorsam erzogen werden soll,
wenn er in jeder lebenslage auf einen wink mit dem kleinen finger funktionieren soll
und das alles mit entsprechend druck und drill erreicht wird,
dann ist diese vorstellung von hundeerziehung zurecht verpönt.
versteht man darunter hingegen eine freundliche vermittlung der nötigen spielregeln fürs zusammenleben
und bringt man die dem hund ohne druck und korrekturen bei,
ja möglichst sogar so, dass er selbständig begreift, was erwünscht und für ihn lohnend ist,
statt allzuviel angeleitet zu werden, sieht die sache ganz anders aus.
was der hund dabei lernen soll, hängt ganz von der jeweiligen lebenssituation ab.
die devise lautet einfach: alles, was der hund für einen problemfreien alltag in seiner lebensumgebung braucht.
2. respekt vor dem hund
die kritik an der hundeerziehung rührt häufig nicht nur von der art der erziehung (also drill und strafe) her,
sondern geht tiefer.
dahinter steht erstens, dass man ein eigenständiges wesen nicht „zurecht biegen“ will
und dass der hund so sein darf, wie er ist.
zweitens aber wird die frage des schwerpunkts gestellt.
zählen nicht freundschaft, beziehung und zuwendung viel mehr als erziehung?
allerdings.
(man darf nur daraus nicht den trugschluss ziehen, dass man sich jede form von erziehung daher sparen kann)
schaut man sich an, wieviel zeit wir im durchschnitt für die erziehung des hundes aufbringen
und wie wenig energie wir im vergleich in den aufbau der beziehung stecken, stellt sich die frage:
warum eigentlich?
es hat sich doch kaum jemand einen hund ins leben geholt, weil man unbedingt irgendwelche erziehungsaufgaben erledigen möchte.
wir wollen doch die verbindung, das miteinander und die innige beziehung zum hund erleben.
da wäre es nur sinnvoll, für die mindestens genauso viel zu tun, wie für die (nötigen) erziehungsaufgaben.
nur wissen wir oft nicht recht, wie das geht, oder welche übungen oder vorgangsweise dazu sinnvoll ist.
(anregungen dazu gibt es übrigens regelmäßig für alle dreamteams).
denn so wie es ein trugschluss ist, dass der hund gar keine erziehung braucht,
so irrig ist die annahme, dass eine vertrauensvolle beziehung schon irgendwie ganz von selber entsteht.
die fairness dem hund gegenüber gebietet es, ihm die grundregeln für den alltag zu vermitteln.
der respekt vor dem hund erfordert, dass wir ihn und seine bedürfnisse ernst nehmen und dem beziehungsaufbau zeit widmen.
3. wieviel erziehung ist genug?
wieviel erziehung ist nun konkret nötig?
das kommt darauf an.
erstens darauf, was der hund schon kennt und kann.
ein welpe oder ein neu vielleicht aus dem auslandstierschutz übernommener hund braucht klarerweise mehr zeit und gelegenheiten,
sich im neuen zuhause und den dort geltenden umgangsformen und spielregeln zurechtzufinden.
ein „alter hase“ im haus mag vielleicht das eine oder andere gelegentlich aufgefrischt (= wieder mal mit futter belohnt) bekommen,
kennt aber die grundregeln schon, weiß wie man sich im haus und unterwegs benimmt oder was die signale seines menschen bedeuten.
zweitens hängt es davon ab, wie die lebensumgebung des hundes aussieht
und wie gut sie zum hund passt.
dir aufgabe der erziehung besteht ja darin, dem hund das klar kommen mit seiner lebenswelt zu erleichtern.
der gelassene hundetyp, der in der großstadt aufgewachsen ist, braucht dort nicht so viel unterstützung,
wie zum beispiel ein unsicherer hund aus dem rumänischen shelter, der in der großstadt landet.
der anspruch hinter der erziehung sollte allerdings nicht bestehen,
dass der hund jede vorstellbare situation für den menschen absolut perfekt und nach seinen erwartungen schafft.
unsere erwartungen sind da ja oft etwas hoch gesteckt.
der anspruch ist vielmehr der, dass der normale alltag für den hund gut bewältigbar sein soll.
da kann man gern mit managementmaßnahmen helfen, schwierigen dingen ausweichen oder angsteinflößende situatoinen vermeiden,
damit der hund damit klar kommt.
um den grundstock, der selbst dafür nötig ist (zum beispiel entspannt an der leine gehen oder ansprechbar sein) kommt man dabei allerdings nicht herum.

