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by brigid

Juni 21, 2026

umweltbelohnung für den hund

man kann sich noch so bemühen:
der hund wird für erwünschtes verhalten gezielt belohnt
man vermeidet es, auf unerwünschtes verhalten einzugehen, damit kein aufmerksamkeitsheischen entsteht
und man achtet peinlich genau darauf, dass der hund nichts verkehrtes bestätigt bekommt –
und dann schlägt die umwelt zu.

du bist zwar für deinen hund das wichtigste, aber eben nicht das einzig interessante in seiner welt.
da gibt es noch vieles rundum, mit dem er in eine wechselwirkung tritt.
nicht immer zum vorteil der erziehung.

das klassische beispiel:
du bemühst dich, deinem hund höfliche begrüßungen beizubringen,
und dann kommt ein besucher (oder auch nur der paketbote) und belohnt deinen hund mit ansprache oder streicheln fürs bellen.
na toll.

(warum gerade die tür so eine problemzone ist und wie du die entschärfen und deinem hund auch dort gelassenheit vermitteln kannst, schauen wir uns demnächst im neuen webinar „alarm an der tür“ an, für das du dich gleich hier anmelden kannst (kostenlos):

belohnung durch wohlmeinende fremde oder bekannte ist aber noch lange nicht der einzige umweltfaktor, der deinen hund zu falschem verhalten verleitet.

hier sind die drei formen von umweltbelohnung, auf die du achten solltest:

1. reaktion des gegenüber

es ist gar nicht nötig, dass ein besucher oder passant sich deinem hund zuwendet oder ihn freundlich anspricht,
damit ein unerwünschtes verhalten wie bellen oder hochspringen belohnt wird.

je nach motivation des hundes, können auch ganz andere reaktionen von menschen zu einer belohnung für deinen hund werden:
– wenn der mensch zurückweicht, weil der hund ihn aus unsicherheit anbellt („hurrah, feind in die flucht geschlagen!“
– wenn er den hund fest anschaut, der ihn warnend verbellt („bedrohung geortet, muss verbellt werden“)
– wenn ihm essen aus der hand fällt – zufällig oder weil der hund danach schnappt („hurrah, futter gesichert“)
– wenn er einfach am zaun vorbeigeht, während der hund hinschießt und bellt („störenfried erfolgreich vertrieben“)
– wenn er mit dem rad vorbei und weiter fährt, wenn der hund bellt oder hinterher läuft („feind verscheucht“)
um nur ein paar beispiele zu nennen.

da reden wir noch gar nicht davon, dass in manchen fällen noch selbstbelohnung des hundes dazu kommt:
bellen wirkt selbstbelohnend für den hund.
und wenn er jemandem futter klaut oder ein leckerchen aus der tasche mopst, hat er sich sowieso belohnt.

die frage dabei ist immer:
was empfindet der hund als belohnung für das, was er gerade tut?

und dann natürlich:
wie verhindere ich, dass es zu dieser belohnung kommt.

2. verhalten von anderen hunden

belohnungseffekte sind natürlich nicht dem menschlichen umfeld vorbehalten,
das verhalten von anderen hunden kann genauso gut eine bestätigende wirkung für deinen hund haben – ob du das nun so wolltest oder nicht.

nehmen wir auch hier ein typisches beispiel:
der hund pöbelt bei einer begegnung an der leine, weil er frustriert ist, dass er nicht (schnell genug) zum anderen hund hin kann.
was passiert darauf?
der andere hund kommt näher – und belohnt damit den hund fürs pöbeln, weil der ja näher ran wollte an den anderen hund.

dabei spielen weitere facetten eine wichtige rolle:
ist der andere hund auch aufgeregt und schaukeln sich die beiden hoch?
bestätigungseffekt: hunde sind aufregend

ist der andere hund souverän, beschwichtigt und bleibt cool (was an sich ja gut ist)?
bestätigungseffekt: ich komm mit ungehobeltem verhalten durch.

reagiert der andere hund mit imponiergehabe oder abwehr, z.b. durch starren und sich aufplustern?
möglicher bestätigungseffekt: ich muss noch mehr aufdrehen, dann hört der mit der unfreundlichen reaktion auf (weil er weitergegangen ist).

auch ohne leine muss man genau schauen, welches verhalten des hundes bestätigt wird.
hat man zum beispiel einen hund mit tendenz zum mobbing (und dahinter stecken bekanntlich negative erfahrungen und unsicherheit),
ist besondere vorsicht gefragt.

denn weder soll der hund in seinem mobbingverhalten schwächeren gegenüber bestätigt werden, weil er damit durch kommt.
noch soll er auf einen treffen, der’s ihm „mal  zeigt“ und ihn darin bestätigt, dass der stärkere den schwächeren platt macht.

selbst beim spielen kann es zu ungewollter bestätigung kommen.
sagen wir, wir haben einen lästigen junghund, der unbedingt spielen will, und einen anderen, der gerade nicht will.
der jungspund springt den nun dauernd an, der andere macht ein paar schritte zur seite, läuft schließlich ein stück weg
und es entsteht so eine kurze laufsequenz, die der jungspund als spiel wahrnimmt und ihn dafür belohnt,
dass er lang genug lästig und unhöflich war.

3. zufällige auftretende umweltbelohnungen

schließlich gibt es noch jene phänomene, die rein zufällig auftreten,
gerade in dem moment, wo der hund etwas tut, und die er als ergebnis davon wahrnimmt.
es gibt also gar keinen direkten zusammenhang, nur ein zufälliges zeitliches zusammentreffen.

zum beispiel, wenn der hund die kirchenglocken verbellt und die „daraufhin“ aufhören.
oder wenn der karabiner an der leine genau dann bricht, wenn der hund gerade zum komposthaufen (zum wasser,….) zieht.
oder wenn der sehnlich vermisste mensch genau in dem moment zur tür reinkommt, wo der hund angefangen hat, am sofa zu knabbern.

bei diesen zufällig auftretenden verknüpfungen hat man besonders dann pech,
wenn sie entweder so intensiv wirken, dass das phänomen schon beim ersten und einzigen mal als belohnung abgespeichert wird
(wie der unerwartete leckerchen-regen, weil er zufällig beim rumtoben den futterbeutel eines anderen hundemenschen torpediert hat)
oder aber, wenn es ein paar mal passiert und der hund das als „logisch zusammengehörig“ lernt
(wie die kirchenglocken, die jedesmal aufhören).

der mensch braucht dann jedenfalls ein gutes verständnis für die wahrnehmungswelt des hundes
und manchmal ein wenig detektivisches talent, um die ungewollten zufälligen umweltbelohnungen aufzuspüren.

fazit

wenn wir das verhalten des hundes durch belohnung für erwünschtes verhalten
und misserfolg für unerwünschtes verhalten lenken wollen,
dürfen wir nicht nur an die belohnung denken, die wir selber verteilen (in jeglicher form),
sondern müssen mit einbeziehen, was die umwelt an belohnungen für den hund bereit hält – und wie wir das in unserem sinne stueren können.

 

 

 

 

über die autorin 

brigid

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.