was wir nicht sehen können, beschäftigt uns nicht.
gerüche fallen in diese kategorie. und auch der geruchsstress des hundes.
dass die hundenase ganz anders als unsere ist und der hund eine unendlich viel feinere wahrnehmung von gerüchen hat, das wissen wir zwar irgendwie. nachvollziehen können wir es nicht.
das zeigt sich alleine schon bei den suchaufgaben, die wir dem hund zur geistigen auslastung anbieten und die regelmäßig viel zu einfach ausfallen oder so unbeholfen aufgebaut werden, dass es nicht richtig klappt.
(wie wir das besser hinkriegen, ist demnächst thema im neuen (kostenlosen) webinar „profitipps für schnüffelnasen“, für das du dir deinen platz gleich hier reservieren kannst:
erst recht versagen wir dabei im alltag:
dort, wo die von uns verbreiteten oder verursachten gerüche zum stressfaktor für den hund werden können.
geruchliche reizüberflutung
der alltag steckt voller geruchsquellen, die wir menschen kaum oder nur flüchtig wahrnehmen.
wir hängen frisch gewaschene wäsche auf, wischen den boden und reinigen das badezimmer.
wir verwenden deos und zahnpasta oder tragen einkaufskörbe voller gerüche nach hause.
und der hund kann sich nichts davon entziehen.
da reden wir noch gar nicht von stark riechenden parfüm oder rasierwasser,
von raumsprays und duftlampen oder wirklich scharfen putzmitteln.
oder von zigarettenrauch oder autoabgasen.
wir alle wissen, wie unangenehm eine liftfahrt mit einem übermäßig parfümierten (oder gänzlich ungewaschenen) menschen ist.
selbst für unsere vergleichsweise stumpfe nase.
doch wir steigen aus dem lift nach ein paar minuten wieder aus.
das kann der hund nicht.
sein „lift“ ist unser haushalt, in dem er wohnt und aus dem er nicht einfach aussteigen kann.
das ist nämlich das schwierige mit gerüchen: der hund entkommt ihnen nicht.
er kann die nase nicht einfach zumachen und nicht riechen.
er ist dem bombardement der gerüche schutzlos ausgesetzt.
stress durch gerüche
hunde haben etwa 300 millionen riechzellen (im vergleich zu den mageren 5 oder 6 millionen beim menschen).
das sind sehr viele zellen, die daher sehr viele und genaue wahrnehmungen liefern.
dazu kommt, dass das riechzentrum im gehirn des hundes besonders stark ausgeprägt ist
und gerüche sehr intensiv verarbeitet werden.
wie der hund gerüche wirklich wahrnimmt, können wir uns nicht mal annähernd vorstellen.
was wir allerdings schon wissen sind zwei dinge:
erstens, dass jede verarbeitung von wahrnehmungen energie kostet und damit auf dauer anstrengend ist.
(in der nasenarbeit machen wir uns das sehr dosiert und gezielt zur auslastung des hundes ja zunutze).
zweitens: dass gerüche eng mit dem emotionalen erleben verbunden sind.
eine dauerbelastung mit zu vielen geruchseindrücken kann daher mental wie emotional stress auslösen.
vor allem, wenn man bedenkt, dass der hund dabei keine möglichkeit hat,
die situation irgendwie zu beeinflussen oder die geruchswelt um ihn herum zu steuern,
er ist den gerüchen ja hilflos ausgeliefert.
dazu kommt noch, dass viele gerüche, die wir angenehm finden, für den hund vermutlich unangenehm sind.
ich zum beispiel mag den geruch von minze,
allein bei einer geruchsprobe davon hat eine meiner hündinnen deutliches missfallen erkennen lassen und das weite gesucht.
in dem fall hatte sie glück, was war nur ein wenig minze in einem döschen und sie konnte weggehn.
doch was ist mit den für den hund unangenehmen gerüchen, die stundenlang die ganze wohnung erfüllen,
und denen er sich nicht entziehen kann?
was tun?
wer mit hunden zusammenlebt, sollte ein bewusstsein für das thema geruchsstress entwickeln
und die superfeine hundenase respektieren und darauf rücksicht nehmen.
ganz praktisch heißt das im alltag:
– alle besonders intensiven und chemischen gerüche vermeiden
– verzicht auf raumsprays, duftlampen, duftkerzen und ähnliches
– zurückhaltung bei parfümierten körperpflegeartikeln
und vor allem: viel und regelmäßig lüften!
frische luft hilft am besten gegen die ansammlung von – für den hund belastenden oder unangenehmen – gerüchen im wohnraum.
das wichtigste:
die hundenase mitdenken.
egal ob beim putzen im haus oder beim gassigehen neben der straße,
beim ausflug in den wildpark oder beim „einschleppen“ von fremdgerüchen über schuhe oder kleidung.
so manche merkwürdige reaktion des hundes lässt sich leichter verstehen,
wenn man die geruchswahrnehmung berücksichtigt.
und viel geruchsstress für den hund lässt sich vermeiden, wenn man an die feine hundenase denkt.

