für manche hunde sind neue umgebungen so fordern, dass sie nicht mehr ansprechbar sind.
der wunderbare ausflug am wochenende oder auch nur der schöne neue spazierweg gerät so schnell zum fiasko.
der hund regt sich so auf, dass er nicht mehr hört,
er zieht an der leine und reagiert heftig heftiger als sonst auf begegnungen oder ereignisse unterwegs.
nun ist etwas aufregung in einer neuen umgebung normal.
schließlich zählt jede veränderung und alles neue zu den stressauslösern.
der hund stellt sich mit einer aktivierung des organismus auf die verarbeitung der neuen eindrücke ein.
das sollte aber mehr anregung als aufregung sein,
mehr interesse am erkunden und kein überwältigt sein von den neuen eindrücken.
trotzdem passiert das bei manchen hunden und wer ihnen helfen will,
muss die ursachen verstehen.
1. der unsichere hund
besonders schwierig ist neues gelände für generell unsichere oder gar ängstliche hunde.
diesem hundetyp wird schnell alles zu viel.
schon im normalen alltag lauern überforderungen,
er erwartet sich in vielen lebenslagen nichts gutes (unabhängig davon, was dann tatsächlich kommt)
und in neuen situationen oder unbekanntem terrain rechnet er mit gefahren
und ist von der fülle der neuen (aus seiner sicht potentiell gefährlichen) eindrücke überwältigt.
im neuen webinar „unsicherer hund, was nun?“ schauen wir uns demnächst an, wie man diesen hund am besten dabei unterstützen kann, mehr sicherheit im leben zu finden. du kannst dir gleich hier deinen platz reservieren (kostenlos):
das schlimmste, was man mit diesen hunden tun kann, wäre nach dem motto „da musst du durch“ vorzugehen.
das mag einem in der situation vielleicht das praktischste erscheinen.
wenn der hund da steht und sich nicht über die brücke traut,
dann zeigt man ihm halt mit ein wenig druck an der leine, dass das alles nicht schlimm ist, oder?
falsch.
wenn zur unsicherheit noch druck kommt, erhöht das den stress und bringt in jedem fall die erfahrung:
diese situation war furchtbar.
die negative erwartungshaltung des hundes wird noch größer und neues in zukunft noch schwieriger.
richtig wäre es, den hund aus der überfordernden situation sofort rauszuholen.
also umkehren, so rasch wie möglich zurück auf vertrauten boden
und dem hund wieder die erfahrung von sicherheit ermöglichen.
und dann mit viel lob und viel ruhe weitermachen.
eine dauerlösung ist das natürlich nicht.
der hund soll sich ja nicht sein leben lang vor neuen situationen fürchten.
die müssen aber in ganz kleinen happen kennengelernt werden.
das wichtigste dabei: der hund muss sie als positiv oder zumindest harmlos erleben,
damit er lernen kann, seine unsicherheit abzulegen.
am besten geht das, wenn davor oder parallel dazu nicht nur sein stresspegel abgebaut,
sondern seine selbstsicherheit aufgebaut wird.
die tipps dazu gibt es im oben genannten webinar.
2. der aufgeregte hund
nicht nur unsichere hunde schalten in fremder umgebung schnell mal die ohren auf durchzug.
genauso machen das hunde, deren erregungspegel chronisch zu hoch ist.
ein halbwegs gelassener hund kann mit diversen aufregungen im leben ganz gut umgehen.
er hat genug innere ruhe, um die aufregung wegstecken und verarbeiten zu können.
neurophysiologisch formuliert: sein organismus kann die stresshormone adrenalin und cortisol rasch wieder abbauen,
die in aufregenden situationen ausgeschüttet werden.
anders ist das bei einem hund mit chronisch erhöhtem erregungspegel.
er ist bereits am limit dessen, was er noch verarbeiten kann.
ihm fehlt die möglichkeit, zusätzliche aufregung noch abzupuffern
und jede aufregende kleinigkeit versetzt ihn daher in überdrehtes verhalten.
neurophysiologisch heißt das: sein organismus hat bereits einen derart hohen chronischen cortisol-pegel aufgebaut,
dass zusätzliches cortisol das system schnell zum kippen bringt und über lange zeit nicht mehr abgebaut werden kann.
klar ist der hund dann „plötzlich“ kaum mehr ansprechbar,
obwohl doch gar nichts dramatisches passiert ist.
eine neue umgebung hält immer unzählige neue reize parat, die beim hund zu aufregung führen
und die er verarbeiten müsste.
ist das system bereits überlastet, geht das nicht mehr.
gar nichts bringt es dann, den hund an neue umgebungen gewöhnen zu wollen.
weder behutsam und kleinschrittig, noch durch häufige ausflüge in neuland.
er hätte mit neuem ja kein problem, wenn er nicht schon im stress wäre.
auch aufmerksamkeitsübungen fruchten dann logischerweise nicht.
dass er nicht mehr hört, liegt ja nicht daran, dass er nicht will oder es nicht gelernt hätte,
sondern daran, dass er in diesem moment vor lauter stresshormonen nicht mehr kann.
da hilft nur eines: insgesamt den stresspegel abbauen,
durch reduktion von stressauslösern, durch ausreichend ruhe und geistige auslastung.
danach dann kann man schauen, ob in neuen umgebungen überhaupt noch irgendwas geübt werden muss
oder ob der hund nicht bereits cool genug unterwegs ist.
fazit
wenn der hund in einer neuen umgebung unaufmerksam wird,
dann ist das keine unart und nichts, was man durch mehr üben von neuem wegkriegt.
der hund braucht entweder mehr sicherheit, damit er mit neuem umgehen kann.
oder weniger stress, damit er neue reize noch verarbeiten kann.
die aufmerksamkeit für den menschen stellt sich dann ganz von selber wieder ein (wenn sie grundsätzlich da war).

