geräuschangst beim hund oder auch nur eine erhöhte geräuschempfindlichkeit stellen eine große belastung dar.
es ist nicht lustig, wenn der hund bei jedem geräusch zusammenzuckt, zu bellen beginnt oder panisch zu flüchten versucht.
mit dem hund üben, dass er sich nicht mehr so leicht erschreckt, ist dabei gar nicht so einfach.
einmal deswegen, weil es eine ganze reihe sinnloser und teils skurriler empfehlungen gibt
(das originellste, was ich neulich gelesen habe: leinentraining, weil das den hund entlasten würde)
aber auch die sinnvollen ansätze sind nicht ganz einfach umzusetzen.
für systematische desensibilisierung zum beispiel müsste man die geräusche gezielt zum üben zur verfügung haben.
schließlich läuft man bei schlechtem timing gefahr,
das bellen in reaktion auf ein geräusch noch mit aufmerksamkeit zu bestätigen und damit weiter zu festigen.
vor allem aber besteh das problem darin, dass nicht jede geräuschempfindlichkeit die selbe ursache hat.
denn eigentlich ist die geräuschangst ein symptom und das eigentliche problem liegt tiefer.
schauen wir uns die drei typsichen ursachen mal an:
1. spezifische geräuscherfahrung
üblicherweise denken wir bei geräuschangst an bestimmte geräusche, vor denen der hund sich erschrickt:
sehr laute, unerwartete und vor allem knallende geräusche sind für den hund besonders schwierig,
wie zum beispiel feuerwerk, gewehrschüsse, donner und ähnliches.
erlebt der hund solche geräusche in einer sensiblen phase, entsteht daraus geräuschangst.
die kann auch in anderen situationen entstehen, nämlich immer dann, wenn der hund eine negative und potentiell bedrohliche erfahrung mit einem bestimmten geräusch verknüpft.
das geräusch muss dabei überhaupt nicht mit der erfahrung selber in zusammenhang stehen.
so kann zum beispiel ein hund, der einen verängstigenden wohnungseinbruch erlebt,
angst vor den kirchenglocken entwickeln, die zufällig gerade dann geläutet haben.
am häufigsten verbreitet sind angst vor gewittern und vor feuerwerken.
in beiden fällen sind die geräusche alleine gar nicht das problem, weil der hund auch die stimmung davor oder die lichtphänomene am himmel damit verknüpft.
nur das geräusch desensibilisieren zu wollen, hilft daher oft wenig.
man muss auch das drumherum mit einbeziehen.
(tipps für den umgang mit gewitterangst gibt es im fachwebinar „gewitterangst beim hund“)
2. stressbedingte geräuschempfindlichkeit
reagiert der hund nicht nur auf eine bestimmte art von geräuschen
sondern so ziemlich auf jedes übermäßig sensibel und sehr aufgeregt,
steckt oft gar keine angst dahinter, sondern etwas anderes.
nämlich stress.
also ein übermäßig hoher erregungspegel des hundes.
dieser führt dazu, dass der hund auf reize rascher und intensiver reagiert als sonst.
ganz typisch: er fährt bei jedem geräusch zusammen und bellt häufig gleich los.
auch schnelle bewegungen machen ihm häufig zu schaffen.
in vielen fällen ist die geräuschempfindlichkeit eines der deutlichsten zeichen dafür, dass der hund einen hohen stresspegel hat.
die schreckhaftigkeit kennen manche menschen auch bei sich selber, wenn sie gerade stress haben.
auch ganz typisch: häufig ist die geräusch“angst“ am späteren nachmittag oder abend schlimmer als am morgen,
weil der stress des tages sich angesammelt hat und den hund empfindlicher reagieren lässt.
in dem fall bringt es natürlich herzlich wenig,
den hund an bestimmte geräusche gewöhnen zu wollen, damit er sich nicht fürchtet vor ihnen .
er fürchtet sie im normalzustand ja sowieso nicht.
ihn macht nur der stress so schreckhaft und so sensibel auf geräusche.
angehen muss man daher den stress, nicht die geräusche.
eine phase konsequenter stressvermeidung und stressabbau bringt in der regel die geräuschempfindlichkeit zum verschwinden.
(eine anleitung dazu gibt es im kurs „cooler hund“).
3. generelle ängstlichkeit
es kann natürlich auch sein, dass die schreckhaftigkeit generell ein problem ist.
die geräuschangst ist nur ein teil davon,
weil der hund auch auf alles mögliche andere mit raschem erschrecken oder angst reagiert.
ist der hund generell ängstlich und unsicher oder hat er gar eine richtige angststörung,
wird ihm schnell was zu viel:
unerwartete bewegungen, neue gerüche, laute geräusche, alles mögliche.
die geräuschangst ist in dem fall nur eine form, in der sich das tiefersitzende problem äußert:
die angst und die überforderung des hundes.
die geräuschempfindlichkeit wird dabei noch durch den stress gesteigert,
der sich als folge der angst unweigerlich einsteigert.
daher wird schon mal übersehen, dass es gar nicht „nur“ geräuschangst, sondern generelle angst ist.
natürlich macht es keinen sinn, die geräuschangst alleine anzugehen.
der hund braucht vielmehr mehr sicherheit in seinem leben, mehr selbstvertrauen,
weniger überforderung und mehr erfahrungen damit, wie er dinge im alltag bewältigen kann.
(im kurs „selbstvertrauen stärken“ gibt es den trainingsaufbau dazu).
in dem maß, wie der hund sicherheit gewinnt und seine generelle ängstlichkeit überwindet,
nimmt auch die geräuschangst ab.
fazit
einzelne geräusche üben – vielleicht noch vom tonträger, den der hund vom echten geräusch bestens unterscheiden kann – bringt in den wenigsten fällen etwas.
natürlich kann es sinn machen, bestimmte geräusche positiv zu verknüpfen.
man muss aber auch die zusammenhänge verstehen und vor allem darauf eingehen,
welche ursache hinter der geräuschempfindlichkeit des hundes steckt.

