bei den unterschiedlichsten verhaltensproblemen heißt es gern: der hund hat zuwenig vertrauen zu dir, deswegen ist er so.
egal ob es um leinenpöbeln, aggressives verhalten gegen fremde menschen, trennungsangst oder sonst was geht.
die einen reagieren darauf mit schuldgefühlen und sehen es als eigenes versagen,
die anderen suchen den fehler beim hund und fangen mit vermeintlichen vertrauensübungen an.
in den allermeisten fällen ist beides verkehrt.
verhalten wird von viel mehr gesteuert als nur vom vertrauen
und vor allem das gewünschte gelassene verhalten in allen lebenslagen erreicht man nicht bloß dadurch,
dass der hund eine gute bindung hat oder einem „blind“ vertraut.
zu diesem thema gibt es dann bald mehr im neuen (kostenlosen) webinar „schritt für schritt zum souveränen hund“, für das du dir gleich hier deinen platz reservieren kannst.
heute wollen wir uns aber genauer anschauen, wann vertrauen ein thema ist … und wann eben nicht.
vertrauen ist wichtig…
natürlich ist vertrauen eine wichtige grundlage in der beziehung zwischen hund und mensch.
es besteht salopp formuliert aus zwei teilen.
erstens aus der überzeugung des hundes, dass sein mensch ihm nichts böses will und er von ihm nichts zu befürchten hat.
die meisten hunde gewinnen diese form des vertrauens zu ihrem menschen relativ rasch.
vorausgesetzt natürlich, dass der mensch dem hund nicht mit einschüchterung, druck oder strafe begegnet.
eine weile dauern kann das bei jenen hunden,
die davor sehr schlechte erfahrungen mit menschen gemacht haben
oder aber keinen bezug zum menschen haben, weil sie irgendwo als straßenhunde groß geworden
oder in einer scheune bei einem hundevermehrer aufgewachsen sind.
der zweite teil des vertrauens ist etwas schwieriger zu gewinnen:
der hund soll die gewissheit haben, dass wir absolut zuverlässig sind und ihn nicht in schwierigkeiten bringen.
das ist gar nicht so leicht, wenn der hund mit bestimmten dingen des alltags probleme hat.
wie soll er seinem menschen ganz vertrauen,
wenn der ihn zum beispiel an der leine immer mal wieder zu nahe an
– andere hunde oder
– fremde menschen oder
– böse traktoren oder
– sonstige angstauslösende dinge heranführt?
oder wenn der sich selber in jeder dieser situationen verspannt und unsicher wird?
(mit diesem thema beschäftigen wir uns demnächst im fachwebinar „stimmungsübertragung verstehen und nutzen“)
da ist vom menschen fingerspitzengefühl gefordert,
vor allem aber umsichtiges führen und frühzeitiges reagieren.
…aber nicht alles
denn vertrauen ist eines nicht: ein allheil-mittel.
wer suggeriert, dass vertrauen alleine ausreichen würde
und schon hat der hund kein problem mehr mit hundebegegnungen,
legt das bellen am gartenzaun oder bei besuchern ab,
kann problemlos alleine bleiben und fürchtet sich vor nichts mehr im leben,
der ist gefährlich irregeleitet.
ja, vertrauen hilft klarerweise dabei, eine schwierige situation mit dem menschen gemeinsam besser zu bewältigen.
weil der hund zum beispiel weiß, dass beim auftauchen eines anderen hundes sein mensch sofort reagiert,
genügend (!) abstand herstellt und den anderen von ihm fernhält.
das vertrauen erleichtert es dem hund dann, auf seinen menschen zu hören, sich an ihm zu orientieren
und damit die begegnung besser zu überstehen.
was es nicht macht: es nimmt ihm nicht sein unbehagen oder seine angst vorm anderen hund.
natürlich kann er die im lauf der zeit ablegen.
mit einem vernünftigen übungsprogramm,
mit dem aufbau von mehr selbstsicherheit und dem eingehen auf die ursachen des verhaltens.
aber eben nicht mit vertrauen alleine.
bei anderen verhaltensweisen spielt das vertrauen sogar eine ziemlich untergeordnete rolle.
wenn der hund sich angewöhnt hat, passanten am gartenzaun zu verbellen,
dann hat das herzlich wenig mit dem vertrauen zu seinem menschen zu tun.
das ist in der regel aufregung, die störung durch die passanten, das erfolgserlebnis, wenn sie weitergehen und die belohnung durchs rufen nach dem hund (oder schimpfen).
hier ist training gefragt, vermutlich auch management.
am vertrauen liegt es jedenfalls nicht.
fazit
schwierige situationen bewältigt man nicht über „mehr vertrauen“ oder „bessere bindung“,
sondern durch das richtige einordnen der ursachen für das verhalten und ein passendes übungsprogramm.
es sollte sich daher niemand einreden lassen,
ein unerwünschtes verhalten des eigenen hundes liege daran, dass es ihm am vertrauen zu seinem menschen fehlt.

