der richtige umgang mit triggern, auf die dein hund heftig reagiert, ist ohnehin schon schwer.
doch wenn diese trigger dann noch gerüche sind, wird es wirklich schwierig.
alleine schon deswegen, weil wir menschen die gar nicht wahrnehmen.
der hund lebt in seiner eigenen geruchswelt und wir haben keinen zutritt dazu.
bei anderen triggern haben wir wenigstens die chance, sie auch mitzubekommen.
den hund rechtzeitig umzulenken oder sie gänzlich zu vermeiden.
(obwohl vermeiden auch nicht wirklich eine lösung ist, wie wir demnächst beim webinar „immer nur ruhe und alles vermeiden?“ besprechen werden, für das du dir gleich hier deinen platz reservieren kannst (kostenlos):
in reaktionen auf gerüche laufen wir aber quasi blind hinein.
was kann man da also tun?
als erstes muss man unterscheiden, womit man es tatsächlich zu tun hat.
geruchstrigger oder (extrem)schnüffeln?
viele beklagen nämlich, dass der hund insgesamt völlig auf gerüche fixiert ist,
dass er schlecht auf sie hört, signale ignoriert und kaum ansprechbar ist.
dabei handelt es sich nicht um tatsächliche geruchstrigger,
sondern entweder um
a) intensives schnüffeln aufgrund der veranlagung, aufgrund mangelnder auslastung durch nasenarbeit oder aufgrund von überforderung im augenblick, die der hund durch die flucht in die geruchswelt umschifft.
oder b) extremschnüffeln, bei dem der hund im starken stress versucht, die außenwelt auszublenden und sich den intensiven reizen durch gerüche auch nicht entziehen kann.
das kann natürlich mühsam werden, wenn der hund vor lauter schnüffeln nicht weiter zu bekommen ist.
wenn das schnüffeln über ein normales maß hinausgeht, bringt es aber nichts, den hund dauernd zu ermahnen oder an der leine weiter zu ziehen oder ihn gar zu strafen dafür.
vielmehr muss man die ursache angehen: in der regel zu viel stress im leben.
ist der behoben, reduziert sich auch das schnüffeln auf ein normales maß
denn, das sei der sicherheit halber erwähnt:
schnüffeln gehört zum normalen erkundungsverhalten von hunden und muss daher seinen platz im hundeleben haben.
reaktionen auf gerüche
anders liegt die sache, wenn der hund auf ganz bestimmte gerüche reagiert.
das offenkundigste beispiel ist wohl der intakte rüde, der auf den geruch einer läufigen hündin trifft.
je nach rüdentyp und sexuellem interesse (das variiert von hund zu hund stark) schwankt die reaktion von mäßigem interesse bis zu völlig weggetretenem verhalten.
interessant dabei – und das ist einzige wirklich nutzbare hebel in diesem fall ist – dass die reaktion umso heftiger ausfällt,
je höher der allgemeine stresspegel des rüden ist.
ganz einfach deswegen, weil die stresshormone und das testosteron in einem engen zusammenhang stehen.
weniger intensiv und ebenfalls völlig normal ist die reaktion auf den geruch von anderen hunden:
also interesse an stellen, an denen andere hunde markiert haben und der austausch von geruchsbotschaften.
hier allerdings kann es dazu kommen, dass ein geruch zu einem tatsächlichen trigger wird.
hat der hund einen besonderen „feind“, dann muss er den manchmal nicht erst sehen,
sondern er reagiert bereits heftig auf den geruch.
das spektrum der reaktionen ist dabei überschaubar:
– angst und meideverhalten
– hochdrehen und abwehrverhalten
– große aufregung und nicht mehr ansprechbar sein (was auch mit den beiden anderen ursachen zusammenhängen kann).
heftige reaktionen sind dabei nicht dem geruch anderer hunde vorbehalten, im gegenteil.
geruchstrigger können genauso gut andere tiere sein – man denke nur an wildtiere oder nachbars katze –
oder in manchen fällen bestimmte mit dem menschen verbundene gerüche.
hat der hund mit etwas eine schlimme erfahrung gemacht, kann er sehr wohl einen damit zusammenhängenden geruch abspeichern.
sagen wir mal, er wurde von einem alkoholiker geschlagen, dann reicht der geruch von alkohol an einem menschen oft schon für eine heftige reaktion.
legt der hund reaktives verhalten in situationen an den tag, die einem erst nicht nachvollziehbar scheinen,
sollte man daher immer die geruchswelt mit in betracht ziehen.
gelingt es einem, ein muster zu erkennen und herauszufinden,
welcher geruch den hund triggert, hat man nämlich sehr wohl eine möglichkeit,
das zu üben, dem hund ein anderes verhalten zu ermöglichen und die gesamte situation zu entschärfen.
gerüche „melden“
aus dem anti-jagd-training ist das „beute melden“ oder „beute anzeigen“ ein begriff.
der hund lernt dabei, seine beute wahrzunehmen und statt hinterher zu hetzen,
durch ein bestimmtes verhalten seinem menschen zu „melden“ und dafür eine belohnung zu kassieren.
das training muss natürlich sorgfältig aufgebaut werden,
der beutereiz darf am anfang nicht zu stark sein und die belohnung muss passen,
doch dann ist das eine gute möglichkeit, das jagdverhalten des hundes in eine andere bahn zu lenken.
ganz ähnlich kann man dem hund auch beibringen, andere dinge zu „melden“, auf die er stößt.
warum nicht auch gerüche?
allerdings gilt auch hierbei: der reiz darf am anfang nicht zu stark sein.
im klartext bedeutet das: man muss seinen hund sehr genau lesen können,
um mitzubekommen, wann der hund den geruch das erste mal in die nase bekommt, bevor er zu intensiv wird.
gerüche können sich nämlich sehr großräumig verbreiten, je nach witterung und windrichtung unterschiedlich ausfallen
und sind jedenfalls nicht auf den einen kleinen flecken konzentriert, an dem der hund so intensiv schnüffelt.
fazit
wird ein bestimmter geruch zum trigger für heftiges verhalten beim hund,
unterscheidet sich der trainingsansatz dafür gar nicht so sehr von dem bei anderen triggern.
es ist nur deutlich mehr aufmerksamkeit vom menschen gefragt, weil man am hund ablesen muss, dass ein geruch vorhanden ist, den man selber ja gar nicht wahrnimmt.

