die hunde würden heutzutage alle überbehütet, wird manchmal kritisiert – von einschlägiger seite jedenfalls.
da ist die rede von „immer nur keksi, nur ja kein stress und dann ist jeder zweite hund reaktiv“.
dass vertreter/innen von strafmethoden und starkzwang in der hundeerziehung mit einem freundlichen umgang mit dem hund wenig anzufangen wissen, verwundert nicht weiter.
trotzdem sollte man kritik nicht automatisch in den wind schlagen, sondern sich fragen:
ist vielleicht doch was dran?
sind wir übervorsichtig?
versuchen wir, alles negative vom hund fernzuhalten,
ihn nur ja keinem stress auszusetzen,
schwierigen situationen meilenweit auszuweichen
und bloß kein unerwünschtes verhalten zu riskieren?
im prinzip ist das alles durchaus berechtigt und richtig,
solange der hund noch nicht imstande ist, damit fertig zu werden.
allerdings braucht er auch gelegenheiten, in denen er lernen kann, wie er das in zukunft doch schaffen kann.
schauen wir uns das anhand von zwei beispielen genauer an:
immer nur ruhe?
chronische stressbelastung ist für viele hunde ein großes problem
und schuld an vielen problemen im alltag mit dem hund.
umsichtige hundemenschen versuchen daher, dem hund stress zu ersparen.
bei leicht erregbaren hunden führt das schon mal dazu,
dass man sie von allem abschottet,
ihnen begegnungen, unruhe und jede form der aufregung erspart.
während das im ansatz richtig ist und der hund das in einer übergangsphase des stressabbaus braucht,
kann es kein rezept fürs gesamte leben des hundes sein.
(wie man richtig mit dem thema stress umgeht und was der hund wirklich braucht, um innere ruhe zu entwickeln,
besprechen wir demnächst genauer im neuen webinar „von der aufregung zur gelassenheit“, für das du dir deinen platz gleich hier reservieren kannst (kostenlos):
den hund unter den glassturz zu stellen, führt dazu, dass er keine stressresilienz entwickeln kann.
man sieht das sehr deutlich an welpen, die völlig abgeschottet aufgewachsen sind
und nie mit neuen umweltreizen (und alles neue ist ja auch mal stress) konfrontiert waren.
sie erwerben kaum die fähigkeit, damit später mal umzugehen.
das nervensystem braucht impulse, um sie verarbeiten zu lernen.
die kunst besteht darin, diese impulse so zu dosieren,
dass das nervensystem zwar ausreichend stimuliert, aber nicht überfordert wird.
dann nämlich hätten wir wieder chronischen stress.
alles vermeiden?
ähnlich stellt sich die sache dar, wenn ein hund unsicherheiten und ängste hat.
natürlich will man nicht, dass der hund sich fürchtet
und vielleicht noch das vertrauen in uns verliert,
weil wir ihn angst und schrecken aussetzen und ihm nicht genug schutz bieten.
es ist aber weder eine praktikable lösung noch für den hund auf dauer gut,
wenn wir alles komplett vermeiden, vor dem der hund sich ängstigen könnte.
er braucht lernmöglichkeiten und die chance, positive erfahrungen zu sammeln mit jenen dingen,
die ihn verunsichern.
natürlich heißt das nicht, dass man ihn knall auf fall damit konfrontiert
und hofft, er würde das schon irgendwie aushalten und sich dran gewöhnen.
das geht schief.
aber ein vernünftiges übungsprogramm,
mit dem der hund schrittchenweise vertrauen aufbauen und seine angst überwinden kann,
hilft ihm im weiteren leben mit mehr sicherheit unterwegs zu sein.
es gilt richtig einzuschätzen, was oder wieviel der hund verkraften kann
und vor allem: ihm die chance zur entwicklung zu geben und zu sehen,
wie weit er sich schon entwickelt hat und was man ihm zutrauen kann.
fazit
es gibt viele situationen, in denen der hund unseren rückhalt und unseren schutz braucht.
aus dem behüten darf nur kein völliges abschotten werden.
der hund soll sich ja entwickeln und lernen können,
damit er mit seinem leben möglichst sicher und eigenständig zu recht kommt.

