signalüberlagerung kommt im leben deines hundes vermutlich täglich vor.
manchmal mit weitreichenden folgen.
der begrif stammt aus der lerntheorie und was aufs erste recht technisch klingen mag,
beschreibt ein sehr alltägliches phänomen.
ganz allgemein filter der hund seine wahrnehmung pausenlos.
aus der überfülle an eindrücken werden nur jene verarbeitet, die für den hund relevant sind.
alles andere wird ausgeblendet.
bekanntes sticht unbekanntes aus
ähnlich gilt das auch für signale.
egal ob es deine signale sind oder signale aus der umwelt, die dem hund verlässlich etwas ankündigen.
auch dabei rastert der hund allerdings, um energie (und damit aufmerksamkeit) zu sparen.
wenn zwei signale gleichzeitig auftreten,
dann fischt er sich jenes heraus, das er bereits kennt und blendet das andere aus.
ein simples beispiel:
wenn man dem welpen das „sitz“ beibringt, lockt man ihn üblicherweise zuerst mit einem keksi in diese körperhaltung,
lässt dann das keksi weg und behält eine davon abgeleitete geste als sichtzeichen
und versucht dann das wort „sitz“ einzuführen.
wenn man aber das sichtzeichen (zum beispiel erhobener zeigefinger)
gleichzeitig mit dem wort „sitzt“ gibt,
blendet der hund das wort aus.
er hat ja schon ein bekanntes signal via handgeste bekommen und filtert das für ihn sowieso schwerer zugängliche sprachliche signal aus.
es „überlagert“ also das bekannte signal das weniger bekannte und drückt es in den hintergrund.
das hat folgen.
denn signale steuern das verhalten des hundes.
da wäre es gut, wenn wir sicherstellen könnten, welche signale durchkommen
und welche ausgeblendet werden.
dabei müssen wir uns gar nicht lange auf die suche im außen machen,
ganz oft sind wir selber diejenigen, die zwei signale gleichzeitig ausschicken
und uns dann wundern, wenn der hund anders reagiert als erwartet.
doppelbotschaften
natürlich sagen wir nicht zwei wörter gleichzeitig, das ginge ja auch nicht.
doch unsere wörter sagen manchmal etwas anderes als unser körper.
rate mal, was der hund deutlicher „hört“ und besser versteht.
genau: körpersprache liegt dem hund hundertmal mehr als gesprochene sprache.
darum orientiert er sich lieber an der.
das führt dann dazu, dass er zum beispiel beim rückruf nur zögerlich kommt
weil deine frontale körperhaltung mit womöglich noch vorgeneigtem oberkörper ihm sagt: bleib weg!
oder dass er sich bei begegnungen noch mehr aufregt als sowieso schon, auch wenn du „nur ruhig“ sagst,
weil deine eigene körperspannund und atemfrequenz ihm aufregung signalisieren.
eine der zentralsten aufgaben für uns menschen dem hund gegenüber besteht darin,
in unserer kommunikation stimmig zu werden,
also körper und wörter dasselbe sagen zu lassen.
das erfordert etwas übung
(alle wesentlichen elemente davon gibt es im kurs „mit hunden sprechen“).
wenn wir uns die mühe machen, lohnt sich das reichlich.
denn plötzlich werden wir für den hund leicht verständlich
und dann kann er unsere signale auch viel schneller umsetzen.
was wir ja wollen.
man kann sich das vorstellen, wie einen radiosender, der entweder wortfetzen und viel statisches rauschen hören lässt,
oder wo der sender richtig eingestellt ist und plötzlich alles klar und deutlich wird.
damit wäre eine form der signalüberlagerung bereits ausgeschaltet.
signalüberlagerung vermeiden
bleibt dann noch der deutlich kleinere teil der bewusst gegebenen signale.
hier gilt erstens:
neue oder weniger stark wirksame signale wie die wortsignale unbedingt VOR einem sichtzeichen geben,
damit der hund die chance hat, sie zu registrieren und zu verarbeiten.
so gegeben kann er sie dann auch als eigenständiges signal erkennen und lernen,
dass sie ihm das schon bekannt sichtzeichen mit dem dazugehörigen verhalten ankündigen.
bis man das sichtzeichen gar nicht mehr braucht.
ob der hund dein signal richtig abgespeichert hat, kannst du jederzeit testen:
einfach mal in einer unerwarteten situation nur das wortsignal geben und schauen,
ob der hund es – auch ohne geste – korrekt ausführt.
dann ist alles gut.
zweitens muss man sich überprüfen auf unbewusste bewegungen, die der hund als signal missversteht
oder die ihn ein eigentliches signal ausblenden lassen:
der klassiker ist der unbewusste griff richtung leckerli-beutel,
auf den der hund entweder wartet, weil er ihn als teil des eigentlichen signals missverstandne hat
oder der dein gegebenes signal überlagert, weil ihm das leckerchen wichtiger ist und er weiß,
dass das nach dieser geste sofort kommt.
timing spielt dabei (wie in vielen fragen des hundetrainings) eine große rolle.
doch das wäre dann ein eigenes thema…
(das übrigens im fachwebinar „timing tipps fürs training“ schon genau behandelt wurde.)

