die angst überwinden: 3 methoden, wie du deinem hund am besten hilfst

was tun, wenn dein hund unsicher ist, sich vor etwas bestimmten fürchtet oder generell zur ängstlichen oder misstrauischen sorte gehört?

vom gut zureden verschwindet ja die angst nicht (eher im gegenteil!). von selber geht sie auch nicht weg, von selber wird sie höchstens größer.

meist macht man ja erst mal das verkehrte und versucht, dem hund, die angsteinflößende sache mit zuviel nachdruck „näher zu bringen“. das klappt in etwa so gut, wie einem menschen mit spinnenphobie eine vogelspinne auf den esstisch setzt.

also gar nicht.

was man alles besser nicht tun sollte, hab ich in diesem blog-beitrag beschrieben.

und wie angst entsteht, was alles eigentlich angst ist und wie man ihr zu leibe rückt, wird ausführlich im webinar „wenn der hund sich fürchtet“.

heute soll darum gehen, was du denn nun tun kannst.

also: was tun mit dem spinnenphobiker, dem regelmäßig spinnen über den weg laufen? im übertragenen sinn natürlich. was immer die „spinne“ für deinen hund sein mag.

denn eines ist klar: du kannst ihn nicht einfach seiner angst überlassen!

hier sind 3 methoden, die in jedem fall helfen. jede einzeln ein bisschen, vor allem aber alle 3 miteinander als programm gegen die angst.

 

1.  entspannung

das kommt jetzt vielleicht unerwartet. was soll entspannung mit der angst schon zu tun haben?

machen wir ein kleines experiment:

beug dich bitte ein wenig vor, zieh die schultern hoch und spann die muskeln drumherum an, halt die luft ein wenig an.
und jetzt fühl dich wohl und sicher.

geht nicht.

dein körper hat eine angst-haltung angenommen und die bestimmt nun deine emotion. obwohl da grade gar nichts ist, wovor du dich fürchten müsstest!

wenn man eine körperhaltung oft einnimmt, dann wird sie zur gewohnheit. das kennen wir menschen nur zu gut (rat mal, woher unser ganzen probleme mit verspannten schultern und rückenschmerzen kommen!). dem hund geht es nicht anders.

dazu kommt, dass angst immer stress verursacht. der stress führt zu erhöhter muskelspannung (weil der körper sich ja bereit macht für kampf oder flucht) und daraus entstehen chronische verspannungen. die frieren den hund dann in seiner angsthaltung richtig fest.

wie soll er sich da sicher und geborgen fühlen? das kann er genausowenig, wie du dich bei unserem kleinen experiment wohl fühlen konntest.

was dein hund also braucht, ist

erstens: körperliche entspannung
zweitens: stressabbau

welche massage oder körpertherapeutische technik du verwenden magst, ist weniger wichtig, als dass du eine für deinen hund passende findest. eine wunderbare methode dafür ist jedenfall der tellington-touch.

die körperliche entspannung hilft euch auch gleich ein bisschen beim stressabbau, ist alleine aber noch nicht ausreichend. finde heraus, was alles deinen hund zu sehr aufregt (im positiven wie im negativen) und mit welchen methoden du ihn beim stressabbau am besten unterstützen kannst.

die gute nachricht: mit dem stress verschwindet auch immer schon ein teil der angst!


2. schrittweise gewöhnung

es gibt angstauslöser, die sind so selten und unwahrscheinlich, dass man sie getrost außer acht lassen oder zumindest ohne probleme vermeiden lassen kann.

wenn du irgendwo in europa lebst, musst du zum beispiel deine angst vor weißen haien nicht dringend bearbeiten, du wirst nämlich keinem begegnen. (über die macht deiner phantasie reden wir jetzt hier mal nicht).

wenn du allerdings angst vor autos hast, dann wirst du dich damit auseinandersetzen müssen. sonst gehst du nämlich eines tages nicht mehr aus dem haus!

das schwierigste an der schrittweisen gewöhnung (im fachjargon heißt die „systematische desensibilisierung“):

die richtige dosis finden!

du musst nämlich mit etwas beginnen, was der hund noch gut verkraften kann. er hat vielleicht schon ein etwas mulmiges gefühl, stellt sich dem und geht mit einer positiven erfahrung daraus hervor. und lernt: „gar nicht so schlimm!“

ist die dosis aber zu hoch, hat der hund schon angst und fühlt sich überfordert. und lernt „es ist ganz schlimm!“

meist muten wir dem hund schon als einstieg zu viel zu. einfach weil wir erst reagieren, wenn der hund schon angst zeigt. dann ist es aber jedenfalls zu spät! da hat er schon vorher angst gefühlt.

und noch viel vorher wäre der moment gewesen, wo ihm etwas mulmig wurde – der moment, wo du ansetzen kannst.

die faustregel für die gewöhnung:

fang viel früher an und geh in viel kleineren schritten vor, als du glabust, dass richtig wäre!

wenn dein hund zum beispiel vor männern im mantel angst hat und ab einer entfernung von 10 metern angst zeigt, dann fang in 20 metern entfernung an und arbeite dich schrittchenweise , in halbmeter-schritten im lauf des übens näher.  nur dann kann dein hund wie geplant lauter positive erfahrungen sammeln und sicherheit gewinnen.

genauere anleitungen, wie du das richtig hinbekommst (und auch die beiden anderen methoden gezielt nutzt), kannst du dir im neuen online-kurs „verTRAUEN“ holen.

 

3. selbstvertrauen

das gegenteil von angst ist nicht mut, sondern selbstvertrauen. es gibt einem die sicherheit, mit allem zurecht zu kommen, was das leben so bereit hält.

bloß: wie bekommt man selbstvertrauen?
wie kannst du das selbstvertrauen deines hundes stärken?

das erfolgsgeheimnis sind erfolgserlebnisse!

jedes mal, wenn dein hund erlebt „das kann ich! das hab ich geschafft! das hab ich gut gemacht!“, wächst sein selbstvertrauen.

(das gegenteil gilt auch. drum sind ja hunde, die mit härte und strafe erzogen werden, so unsicher und verängstigt).

das gute dran: das beschränkt sich nicht auf das üben mit den angstauslösern, sondern das gilt für alles im leben.

jede erfolgserlebnis lässt deinen hund ein kleines stückchen „wachsen“.

jedes mal, wenn er von dir für was, das er richtig gemacht hat, belohnt wird, hat er ein erfolgserlebnis.
jedes mal, wenn er das versteckte objekt oder leckerli ganz allein gefunden hat, hat er ein erfolgserlebnis.
jedes mal, wenn er eine denkaufgabe geknackt hat, hat er ein erfolgserlebnis.
jedes mal, wenn er eine begegnung mit einem anderen hund freundlich erleben konnte, hat er ein erfolgserlebnis.
und so weiter!

der alltag ist zum glück voller chancen für erfolgserlebnisse! nutze diese chancen.

aber behutsam bitte.

denn nicht jeder hund hat überhaupt genug vertrauen ins leben, um sich dem allen gleich frohgemut stellen zu können. und selbst wenn, soll es trotzdem nicht in leistungssport ausarten und den hund überfordern.

aber sammelt erfolgserlebnisse als wären es bonuspunkte! das sind sie nämlich 🙂

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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