3 notfalltipps für unerwartete begegnungen

unerwartete begegnungen sind der alptraum von jedem, dessen hund sich über andere hunde oder radfahrer schon mal aufregen kann.
sprich: der sich in die leine wirft, springt oder bellt und kaum zu halten ist, wenn ihm was aufregendes zu nahe kommt.

sieht man den anderen kommen und hat genug zeit und platz zum ausweichen, dann geht’s ja.

aber was, wenn man um die ecke biegt und plötzlich steht ein hund vor einem und der eigene bellt drauf los?
und wie reagiert man, wenn von hinten ein radfahrer heranschießt und der hund sich am liebsten auf ihn stürzen würde?

hier ist mal das erste geheimnis:
die angst davor ist ungleich größer als die häufigkeit, mit der das passiert.

was damit gemeint ist?
von 100 begegnungen sind vielleicht 1 oder 2 wirklich unerwartet und daher schwierig.
merken tut man sich aber nur diese 1 oder 2, alle anderen zählen nicht, weil bei denen ja nichts passiert ist.
und dann fürchtet man sich davor, dass das wieder passiert.
das passiert auch eines tages mal wieder, bestätigt einen darin, dass das ein horror ist.
die angst wächst weiter.

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auf die anderen 98 achtet man weiterhin nicht so stark.
das aber genau ist der fehler.
denn die 98 bestimmen, wie die unerwarteten 1 oder 2 dann verlaufen werden.

man muss ja nicht glauben, dass ein hund sich 98 mal überfordert fühlt und genau mitkriegt, dass er von einem angespannten menschen schnell auf die seite bugsiert wird, und dann aber bei der 99. und unerwarteten begegnung halbwegs ruhig bleiben wird.

was anderes wär es, wenn die 98 begegnungen zunehmend entspannter und gelassener verlaufen,
wenn der hund keinen grund zur angst oder übermäßigen aufregung mehr sieht,
kommt dann die 99. unerwartet enge begegnung, dann ist es zwar schon aufregend, aber kein grund mehr für’s völlig austicken.

(tipps dazu, was du bei hundebegegnungen beachten kannst, damit die eben ruhiger verlaufen, gibt es demnächst im webinar “hundebegegnungen ohne stress”, kostenlos, hier geht’s zur anmeldung).

das problem liegt darin, dass wir menschen halt meist damit zufrieden sind, wenn wir etwas halbwegs hinkriegen (nämlich die 98 begegnungen mit ausweichen oder vorbeizerren) und daran nur ungern was ändern wollen – auch nicht zum besseren.

wir hätten nur eben gern eine lösung für diese unerwarteten begegnungen, die wir so fürchten!

hier kommt das zweite geheimnis:
die lösung liegt in den 98 anderen begegnungen!

was der hund nämlich braucht sind erfolgserlebnisse.
jedes aufeinandertreffen mit einem anderen hund, das ruhig verläuft,
jeder fremde mensch (gehend, laufend, radfahrend….). vor dem er sich nicht fürchten muss,
jede begegnung also, wo er sich eben nicht überfordert fühlt und impulsiv reagiert,
speichert er ab und lernt: “ah, ist ja gar nicht so schlimm!”

das gilt leider auch andersrum.
jedesmal ein bisschen ziehen an der leine und aufregung beim anblick eines anderen hundes,
jedes verbellen eines fremden menschen (auch aus der ferne),
jedesmal sich aufregen, wenn man jemandem begegnet,
und der hund lernt fürs nächste mal: “oh, das war wieder zu viel, zu schlimm, das schaff ich nicht”.

genau darum ist es so wichtig, begegnungen vernünftig und schrittweise zu üben, wie das zum beispiel im neuen kurs ruhige begegnungen” (für menschen-begegnungen) oder im kurs “schluss mit leinenpöbeln” (für hundebegegnungen) aufgebaut wird.

jetzt hör ich dich schon sagen:
“ja, schon gut. aber was mach ich denn nun, wenn jemand unerwartet um die ecke biegt???”

nun, einerseits natürlich hoffen, dass das bisherige training schon früchte zeigt und es halb so wild abläuft.
und zweitens hilft im notfall immer nur eines: notfall-management.

wenn man das training grad erst angefangen hat, kann es schon notwendig sein, das eine oder andere mal auf notfall-maßnahmen zurückzugreifen.
drum hab ich hier die 3 wirksamsten notfall-tipps für dich.

1. geschirrgriff mit dreh

wenn der hund auf eine begegnung heftig reagiert, hängt er ja üblicherweise vor einem in der leine, starrt oder zerrt geradeaus und man hängt hinten an der leine dran und hält sie so fest, wie man nur kann.

das blöde dran ist, dass der hund damit aus der situation nicht rausgebracht wird und selber natürlich seine völlige fokussierung auf den “feind” vor ihm auch nicht aufgeben kann.  signale, leckerchen & co kann man in dem moment völlig vergessen.

will man da irgendwie raus, ist das wirksamste, sich an der leine vor zu hanteln zum hund, in den rückensteg des brustgeschirrs zu greifen und ihn mit einer körperdrehung zur seite (und ohne an ihm direkt zu ziehen!) ein wenig aus dem gleichgewicht zu bringen. hat er mal einen ausfallschritt gemacht, um sein gleichgewicht wieder zu finden, macht er gleich noch einen und man kann ihn so am ehesten seitlich ein stück wegbewegen.
ist nämlich mal der völlige fokus nach vorne gebrochen, geht es viel leichter.

natürlich muss man den geschirrgriff mit dreh vorher ein wenig geübt haben, damit man selber weiß, wie es geht.
(die genaue anleitung samt video dazu gibt’s im kurs “ruhige begegnungen”)

2. einsammeln

anders sieht die sache aus, wenn der hund im freilauf ist und losstürmt.
wenn dann mit wachsender panik laut hinter ihm her ruft oder hinter her rennt, bringt das erstens wenig.
(der hund wird sich’s ja nicht plötzlich anders überlegen und ruhigt zu dir angetrabt kommen).

zweitens macht es die sache oft genug schlimmer.
die aufregung und den druck von dir nimmt der hund als zeichen dafür, dass die begegnung wohl wirklich gefährlich ist –
warum würdest du dich denn sonst so aufregen?
grade bei hundebegegnungen, wo die beiden womöglich schon recht angespannt nah beieinander sind, kann das reichen, dass die situation wirklich brenzlig wird.

was also tun?
nerven bewahren.
gar nicht erst rufen und den hund damit womöglich noch anfeuern, sondern so ruhig wie nur möglich und trotzdem flott hingehen und den hund einsammeln.
(zusatztipp: um allfälliges geschimpfe von anderen menschen kümmer dich nicht, bloß keine diskussionen, sondern mit deinem hund schnell weg und dabei ruhe verströmen).

3. notfall-sitz

schwierige begegnungen sind ja nicht zuletzt deswegen so schwierig, weil der hund glaubt, sich selber drum kümmern zu müssen.
weil er nämlich ein stück weit vor dir an der leine ist und sich der gefahr oder der aufregung auge in auge gegenüber sieht.

ganz anders wäre die sache, wenn dein hund hinter dir wär und sich drauf verlassen kann, dass du dich um die situation kümmerst.
dass du für seine sicherheit sorgst.
dass er sich an dir orientieren kann.

von sich aus reihen sich aber die wenigsten hunde im kritischen moment hinter einem ein.
drum braucht das notfall-sitz etwas übung.
dabei lernt der hund, hinter (!) dir ruhig sitzen zu bleiben,
egal, was du vorne tust, gestikulierst oder lautstark von dir gibst.

das gibt dir die möglichkeit, dich schützend vor deinen hund zu stellen
(ohne dass der sofort wieder um dich rum wuselt)
und in schach zu halten, was da kommt – notfalls eben mit gestikulieren, lautstark werden oder sonstigem.

auch fürs notfall-sitz gibt’s die genaue trainingsanleitung samt video dann im kurs “ruhige begegnungen” bwz. “schluss mit leinenpöbeln”

wenn du einfach mal etwas hintergrund info und praktische tipps für begegnungen mit anderen hunden möchtest, dann schau doch rein ins kostenlose webinar “hundebegegnungen ohne stress”

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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