klären wir als erstes, was mit „dicht machen“ gemeint ist.
ich verstehe darunter einen hund, zu dem man nicht mehr wirklich durchdringt.
nicht, weil er einfach unaufmerksam wäre oder zu abgelenkt
(damit haben wir uns letzte woche im blog bereits beschäftigt),
sondern weil er den menschen bewusst ausblendet.
er reagiert nicht mehr auf aufforderungen oder signale.
er verweigert das mitmachen und manchmal sogar das mitgehen.
er macht also das, was man landläufig als „stures“ verhalten bezeichnet.
nun sind hunde nicht „stur“,
schon gar nicht wollen sie uns ärgern mit ihrem verhalten.
vielmehr hat der hund einen guten grund, wenn er dicht macht.
zu viel druck
der häufigste: er kriegt zuviel druck vom menschen.
das blockiert ihn völlig und er macht zu.
das dicht machen ist in diesem fall eine form von selbstschutz.
dumm nur, dass wir menschen darauf meist mit noch mehr druck reagieren.
es läuft ja normalerweise so:
der hund macht was nicht, wozu wir ihn aufgefordert haben, und was tun wir?
wir wiederholen die forderung mit mehr nachdruck.
also mehr anspannung im körper, bestimmterem und lauterem tonfall und weniger freundlicher stimmung.
wir ziehen ausserdem eine schlussfolgerund daraus, leider eine falsche.
dass nämlich der hund diesen nachdruck brauchen würde, damit er „hört“.
dahinter verstecken sich eine ganze reihe erziehungsfehler, die allesamt nur allzumenschlich aber leider fatal sind.
(wenn du die vermeiden und deinen hund viel leichter erziehen willst, kannst du heute noch schnell in den kurs „erfolg für hund und mensch“ einsteigen).
mehr druck macht die sache aber nur schlimmer.
sie treibt den hund weiter in sein meideverhalten,
er legt sich sozusagen einen schutzpanzer gegen den druck um, durch den man nur schwer mehr durchkommt.
was tun?
unbedingt druck rausnehmen!
sowohl in der situation, als auch in der erziehung generell.
und dann schauen, wie man die jeweilige aufgabe oder die kommunikationsbasis mit dem hund auf neue beine stellt.
überforderung
dicht macht der hund auch dann, wenn ihm etwas aus anderem grund zu viel wird.
da muss der mensch gar keinen großen druck machen.
wenn der hund sich überfordert fühlt – mit einer situation oder mit einer aufgabe –
dann geht ebenfalls nichts mehr.
das dicht machen ist in dem fall ein ausdruck von verwirrung und nicht weiter wissen.
das kann schon bei kleinen übungen passieren, wo der hund nicht richtig versteht, worum es geht,
und merkt, dass der mensch aber was bestimmtes von ihm will.
das führt zu einem inneren konflikt,
häufig verstärkt durch die frustration, die bei ihm (und beim menschen) in diesem moment entsteht.
das sind die hunde, die plötzlich bei einem netten denkspiel nicht mehr „mitmachen wollen“,
die aus der „bleib“-übung aufstehen und weggehen oder den sprung verweigern und sich trollen.
für den menschen wirklich spürbar wird diese form des dicht-machens in heiklen momenten.
wenn der hund zum beispiel begegnungen schwierig findet
und er dann entweder einfriert oder man nicht mehr durchdringt zu ihm.
was tun?
wenn überforderung hinter dem dichtmachen steckt, dann braucht der hund erst mal eine pause.
und dann ein besseres heranführen an die aufgabe, kleinere lernschritte oder einen anderen trainingsansatz.
er muss die chance bekommen, das hinzukriegen, was er da hinkriegen soll,
und erfolgserlebnisse zu sammeln, die ihn aus der überforderung herausholen.
motivationsloch
schließlich gibt es noch die hunde, die einfach keinen bock haben.
die das, wozu der mensch sie auffordert, nicht machen wollen, und die aufforderungen an sich abprallen lassen.
in diesem fall ist das dichtmachen ausdruck der mangelnden motivation.
aber achtung: in den meisten fällen ist die scheinbar fehlende motivation doch nur überforderung oder zu viel druck.
also genau hinschauen, was los ist beim hund.
es gibt allerdings auch hunde – meist sehr eigenständige oder weniger menschenbezogene hunde –
die einen guten grund brauchen, um etwas zu tun, was der mensch von ihnen verlangt.
die aufgabe des menschen bei der erziehung besteht dann erstmal darin,
dem hund diesen guten grund wirklich zu geben.
die motivation aufzubauen ist bei jedem hund und jeder aufgabe nötig,
bei manchen hunden muss man sich allerdings mehr darum bemühen.
was tun:
in aller regel heißt es zurück an den start.
die motivation und emotion für jede aufgabe wird immer gleich am anfang mit hinein trainiert.
wenn man dabei geschlampt hat, rächt sich das später.
am besten baut man die übung daher völlig neu auf und so, dass der hund seinen sinn (häufig in fressbarer form) darin findet.
unterm strich
hunde machen nicht einfach so dicht, aus lust und laune.
sie haben immer einen grund dafür und der mensch tut gut daran, sich diesen grund genau anzuschauen.
nicht nur im eigeninteresse – schließlich will man ja durchdringen zum hund –
sondern auch, weil der hund das für sein wohlergehen braucht.

