was dein hund über dich verrät (teil 1)

es gibt kaum was verräterischeres als den hund an deiner seite. zumindest, wenn man ihn gut lesen kann (wenn du das in der praxis verfeinern willst, dann schau dir doch mal den kurs „hundesprache verstehen“ an). denn dein hund zeigt das, was du aus anstand, höflichkeit oder sonstigem grund verbergen möchtest, ganz offen.

hunde orientieren sich an ihrem sozialpartner, das bist du.
und du bist hochrelevant für deinen hund – jedenfalls als informationsquelle.

denn schließlich lebt der hund in deiner menschenwelt und kann sich darin am einfachsten zurechtfinden, wenn er sich an dir orientiert.
was gefährlich ist, was uninteressant ist, wo es aufregend wird und wann man ruhe geben kann – alles das erfährt er am einfachsten von dir.

natürlich hat er auch seine eigenen befindlichkeiten und reaktionen.
aber zentral für deinen hund ist deine befindlichkeit. schließlich hängt von der auch einiges ab! wenn du sauer bist oder im stress, tut dein hund gut daran, dir nicht noch dauernd zwischen die beine zu laufen. wenn du entspannt und drauf bist, bringt er dir viel eher seine spielsachen und fordert dich zum spaßhaben auf. und wenn du mies drauf bist, ist er es womöglich auch oder versucht dich zu trösten oder geht – wie meine maroni in all ihrer eigenständigkeit – lieber ihrer eigenen weniger miesen wege :-).

hier sind drei dinge, in denen dein hund dich ganz schön entlarven kann:

1. deine aversionen

„mein hund mag keine ausländer.“ oje!  wenn die spender dieses satzes doch bloß wüssten, in was für einem fettnapf sie damit landen.

natürlich sagt keiner  offen „ich mag keine ausländer“ – also jedenfalls keiner der netten leute, die zu mir kommen. vielleicht bemühen sie sich tatsächlich und haben nur unbewusst eine unangenehme berührtheit, wenn sie zuviel fremden gegenüber stehen.

was es auch sein mag:  der hund spürt es. und reagiert. und mag eben keine „ausländer“.

oder mag keine polizisten. mag keine kinder. mag keine männer mit hut und lodenmantel,….

klar kann der hund tatsächlich ein thema mit einem bestimmten menschentyp haben, wenn er die entsprechend schlechten erfahrungen damit gemacht hat und das gleich mehrmals (nur so reagiert er nämlich situationsunabhängig jedesmal gleich auf den menschentypus).

aber sehr sehr oft spürt er deine aversion, deine anspannung, deine für ihn beunruhigende reaktion. und spannt sich daher auch an und regt sich auf.

du magst deine aversion und anspannung für andere menschen kaschieren und scheinbar ganz unbeteiligt am polizisten, ausländer oder lodenmantel-mann vorbeigehen. doch dein hund hängt in der leine und kläfft. der lässt sich nichts vormachen und sieht schon gar keinen grund zu tun als ob.

2.  deine unterdrückte anspannung

tiere fühlen sich mit authentischen menschen am wohlsten. also mit solchen, bei denen das innenleben und das äußere auftreten zusammenpassen und deckungsgleich sind, die mit sich im reinen und daher entspannt sind. „kongruent“ nennt man das dann.

„inkongruente“ menschen treten im gegenteil dazu nach außen anders auf, als sie innerlich sind. das kann der unsichere typ sein, der mit extra coolem auftreten seine unsicherheit überspielen will. oder die besonders friedfertigen und gelassenen, die damit ihre aufgestaute wut im schach halten wollen.

für tiere ist das ziemlich gespenstisch! sie reagieren daher recht heftig darauf und meist eher nicht cool. da hat dann zum beispiel der immer ruhige mensch den aggressiv bellenden hund an der leine.

oder weniger dramatisch:
du magst deine aktuelle stressbelastung nicht zugeben wollen, aber an deinem hund ist sie abzulesen.
du hältst vielleicht mit deiner meinung in einer nervigen diskussion grad hinter den berg, aber dein hund unterm tisch fängt herumzuwetzen und zu quengeln an.

anspannung ist immer ansteckend!  und immer aufregend, weil sie mögliche gefahr oder bedrohung ankündigen kann. kein wunder, dass dein hund dann nicht cool bleibt!

 

3. deine ängste

nur eines ist noch ansteckender: angst!

versuch mal, völlig unberührt zu bleiben, wenn jemand neben dir ernsthaft erschrickt. geht nicht! die reaktion entzieht sich der bewussten steuerung. unter hundeleuten ist es ja bekannt, dass neben dem jagdverhalten und dem bellen die angstreaktionen das sind, was ein hund am ehesten vom anderen lernt. (drum ist es meist keine so tolle idee, zu einem hund mit trennungsangst einen zweiten dazu zu nehmen, damit er nicht so alleine ist. mit hoher wahrscheinlichkeit hat man danach nämlich zwei hunde mit trennungsangst).

wenn du also angst im dunkeln hast oder vor gewittern oder dich auch nur um deinen hund ängstigst, wenn der auf einen freilaufenden hund trifft, dann spürt dein hund deine angst und fürchtet sich auch!

auch hier gilt natürlich: dein hund kann aufgrund seiner herkunft und welpenphase ein eher ängstlicher typ sein oder schon schlimmes erlebt haben und bestimmte dinge zu recht fürchten. bei einem sicheren menschen kann dann aber auch der hund sicherer werden.

wenn du selber ein eher ängstlicher typ bist – und wer gibt das heute schon gern zu, angst ist ja nicht schick oder cool – dann spiegelt dein hund das ganz oft. umso mehr manchmal, je mehr man versucht zu überspielen.  also schau doch mal nach, wer von euch beiden mit dem fürchten angefangen hat :-).

 

angst, aggression oder hektisches verhalten beim hund kann natürlcih ganz viele ursachen haben, nicht falsch verstehen! aber eine facette ist eben, dass tatsächlich oft gilt „wie das herrl/frauerl, so der hund“.

was das verhalten deines hundes sonst noch über dein wesen und deinen typ aussagt, das ist ein anderes kapitel und das gibt’s dann nächste woche im 2. teil von „was dein hund über dich verrät“.
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über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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