rückwärts gehen beim pferd: über sinn und unsinn einer beliebten übung

rückwärts gehen kann jedes pferd – zumindest solange der mensch nicht im spiel ist! schließlich muss es in freier natur schon mal ausweichen oder feststellen, dass es irgendwo nicht leicht durchkommt und dann ist der retourgang schon ganz praktisch.

warum also ist das rückwärtsrichten beim reitpferd so ein thema?

und warum wird es mal so und mal so eingesetzt?

es gibt im prinzip drei unterschiedliche motive, warum das pferd rückwärts gerichtet w

1. zur gymnastizierung
schiebt das pferd nach hinten, dann nimmt es vermehrt gewicht mit der hinterhand auf  – und das ist
etwas, was wir fürs reiten brauchen und daher gerne schulen. an sich also eine sinnvolle übung – allerdings nur, wenn es auch korrekt ausgeführt wird!

2. als test für gehorsam oder für rittigkeit
rückwärtsgehen ist anstrengend und nicht besonders logisch, wenn vor einem lauter freie fläche liegt. drum wird es so gern dafür verwendet, um den „gehorsam“ des pferdes zu testen. macht es auch brav das, was du von ihm verlangst, wenn weit und breit kein sinn darin zu erkennen ist?

als test wird es auch für die durchlässigkeit des pferdes genommen. das macht schon etwas mehr sinn, denn leicht und weich rückwärtsgehen kann ein pferd nur, wenn es gut im gleichgewicht ist, den rücken schön aufwölben kann und nicht durch verspannungen oder blockaden im körper behindert wird.

3. als strafe
überraschend oft wird das rückwärtsgehen auch als strafmaßnahme eingesetzt. das pferd macht nicht, was du verlangt hast, und muss dann zur strafe rückwärts gehen, ob ein paar meter oder gleich mal ein paar runden um den reitplatz, hängt vom temperament (und der verbohrtheit) des menschen ab. ziemlich unweigerlich wird dieses rückwärtsrichten von einer entsprechend verärgerten emotion des menschen begleitet. nicht schön. und – wie jede form von bestrafung – ziemlich sinnlos! das pferd lernt dabei nur, dass sein mensch manchmal ausrastet und irre wird, also zu fürchten ist. welche lektion es eigentlich hätte ausführen sollen, steht damit in keinem zusammenhang mehr.

dabei nimmt nicht nur das vertrauen zum menschen schaden, sondern auch der pferderücken, denn ein korrektes rückwärtsgehen findet da meist nicht mehr statt!

 

wann  macht rückwärtsrichten sinn?

korrektes rückwärtsrichten, ein paar schritte oder ein paar meter weit, kann eine gute gymanstikübung sein, wenn

  • das pferd dabei korrekt über den rücken geht
  • es den kopf nicht hochnimmt und natürlich nicht am zügel nach hinten gezwungen wird
  • es entspannt und ruhig rückwärts geht.

das klappt nur, wenn der mensch auch funktioniert!

solange ein mensch im hohlkreuz oder taschensitz im sattel sitzt,
solange der mensch im becken bockiert oder die schenkel verspannt,
kann das pferd nie im leben korrekt rückwärts gehen.

dann zwingt der schlechte reitersitz es dazu, den rücken wegzudrücken und der retourgang klappt so nicht mehr.

(rückwärtsrichten könnte man also durchaus auch als test für den reitersitz betrachten).

 

wann macht rückwärtsgehen keinen sinn?

jedes rückwärtsgehen mit weggedrücktem rücken und hoch genommenem kopf schadet 100 mal mehr als es bringt.

wenn das pferd

  • noch kein signal für rückwärtsgehen kennt und die übung nicht versteht
  • das rückwärtsrichten noch nicht mal vom boden aus locker machen kann
  • die übung mit angst oder aufregung verbindet

dann ist die übung völlig sinnlos!

als strafe macht sie sowieso keinen sinn (siehe oben).

dann lass es lieber bleiben, wenn du deinem pferd und eurem reiten nicht schaden willst.

 

nun bleibt vielleicht die frage, wie man dem pferd das korrekte rückwärtsrichten am leichtesten beibringt, so dass es retour genauso weich und flüssig gehen kann, wie vorwärts?
nun, das gibt es dann nächste woche hier im blog. am besten gleich abonnieren, damit du keinen artikel verpasst!
(gleich hier unten eintragen)

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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