von neuanfängen, sinnlosen vorsätzen und inspirierenden zielen

vor wenigen monaten ist ein neues pferd auf den hof gekommen, vor ein paar tagen ein neuer hund eingezogen und heute fängt ein neues jahr an.

ich geb’s zu: ich mag neuanfänge!

sie sind aufregend und unbelastet, machen  aufmerksam und interessiert, stecken voller möglichkeiten und wecken die neugier.

was das mit hundetraining oder pferdeausbildung zu tun hat?

alles!

nehmen wir nur mal merlin – den ich hiermit gleich vorstellen kann.

hier, bitte sehr, der junge charmeur:

 

 

 

 

 

 

und dann 3 kurze tipps zum thema neuanfang und tiertraining:

1.  neuanfänge nutzen

als merlin bei mir ins auto stieg, kannte er mich nicht und ich ihn nicht.

das heißt

  1. wir hatten noch keine schlechten erfahrungen miteinander.
  2. wir hatten noch keine einschränkenden fixen erwartungen aneinander.
  3. wir mussten uns aufs wesentliche konzentrieren: verstehen lernen und vertrauen aufbauen.

eine wundervolle chance, miteinander ganz von vorne anzufangen (und sich selber gleich als ein etwas besserer hundemensch mit zu erfinden).

aus dem tiertraining wissen wir, dass alles, was neu ist, automatisch erhöhte aufmerksamkeit bekommt (gleich nach allem überraschenden und unerwarteten und noch lange vor gelerntem und schon bekanntem!).

aus diesem grund klappen viele dinge am anfang überraschend gut.

das ganze geheimnis des „trainervorteils“ – also dass der hund oder das pferd mit dem trainer sachen zehnmal schneller und besser macht als mit dem eigenen menschen – beruht ganz wesentlich auf diesem neuigkeitsfaktor.

bleibt bloß die frage: wie nutzen wir das im laufenden training mit dem hund oder pferd, für das wir nach ein paar tagen oder wochen nicht mehr ganz so neu sind?

hier ein paar anregungen:

  •  jede neue übung ist neu! geh frisch an sie ran und erwarte dir, dass es gut klappt.
  • durchbrich die routine: nutz routine, wo sie sinnvoll ist, aber verlass sie auch mal, um die dinge wieder spannend zu machen – andere übungen, anderes gelände, anderer ablauf…
  • sieh dein tier mit neuen augen: stell dir hin und wieder vor, du würdest dein tier noch gar nicht kennen und versuchst, seine eigenschaften und sein potential zu erkennen. das gibt durchaus mal erfrischend neue blickwinkel!

2. vergiss vorsätze

die berühmten neujahrs-vorsätze! so haltbar wie ein stück wurst in einem hundehaushalt :-).

ein vorsatz ist laut definition angeblich eine feste absicht, in wirklichkeit aber bloss der vom verstand formulierte wunsch nach einem „richtigeren“ verhalten, das jeglicher motivation und erfahrung völlig zuwider läuft.

gäbe es nämlich eine echte motivation, bräuchte man nicht erst einen vorsatz.

wenn etwas gefühlt notwendig, wichtig und richtig ist, dann tut man es einfach. man nimmt es sich nicht vor!

ich hab merlin schleunigst beigebracht, auf mein rufen prompt zu kommen.

einfach aus der notwendigkeit heraus, nicht weil es auf der liste der guten vorsätze unter „prompten rückruf üben“ stand.

der alte wallach sunny bekam seine extra futter-rationen und eine zahnbehandlung, weil er viel zu mager und die zähne schecht waren, nicht weil es den vorsatz „pferde gut ernähren“ gab.

alles, was du auf deiner liste mit guten vorsätzen findest (oder ich auf meiner, als ich noch welche machte) sind die dinge, die dir

a) zwar allgemein richtig, aber persönlich nicht wichtig genug sind
b) für die du keine unmittelbare notwendigkeit siehst.
c) für die dir schon bisher die motivation gefehlt hat (und höchstwahrscheinlich auch weiter fehlen wird).

sonst müsstest du dir das nämlich nicht vornehmen, sondern würdest es längst tun!

überleg also mal, was du dir in sachen hund oder pferd fürs neue jahr vorgenommen hast.

und dann überleg, wie du daraus aus einem sinnlosen vorsatz ein brauchbares ziel machen kannst!

 

3.  inspirierende ziele

im unterschied zum vorsatz ist ein ziel etwas konkretes, auf das du schritt für schritt hinarbeitest.

dranbleiben wirst du aber nur, wenn es für dich einen sinn hat, wenn es dich beflügelt, wenn es dir das leben leichter und angenehmer machen wird, es zu erreichen.

aus dem grund schaffen es praktisch alle menschen, ihrem hund beizubringen, ruhig im sitzen auf sein futter zu warten, aber bei weitem nicht alle, dass er ohne ziehen an der leine geht.

ersteres ist einem wichtig und macht ganz unmmittelbar das eigene leben beim futterzubereiten leichter.  zweiteres ist nur denen mit den ganz großen und kräftigen hunden essentiell wichtig und macht das leben erst mal mühsamer (und erst in der zukunft leichter).

wenn die arbeit an einem ziel spaß macht und mit positiven emotionen besetzt ist, macht das zwar das training nicht immer automatisch besser, aber das ziel viel erreichbarer!

interessanterweise gibt es nur wenige menschen, die sich für das training oder die erziehung ihres hundes oder pferdes ziele setzen.

das bleibt gern alles im bereich der diffusen wünsche: es soll sich linksrum besser biegen, er soll andere nicht anbellen,….

mal an dich die frage: könntest du spontan wenigstens 1 konkretes ziel nennen?

egal ob klein oder groß.

wenn ja: super!

dann hast du nämlich die möglichkeit, dir jetzt zu überlegen, was du brauchst, um dieses ziel zu erreichen, wie lange das vermutlich dauern wird und wie du das dann feierst, wenn es erreicht ist :-).

wenn nein: dann fällt dir sicher eines ein!

gleich aufschreiben, aber bitte ganz konkret, z.b.

– mein pferd kann linksum eine volte mit 5m problemlos gehen und dabei sauber mit der hinterhand untertreten

– mein hund kann ruhig sitzen und bleiben, während ich 20meter weg und dann wieder zu ihm zurück gehe

– ….

siehst du? jetzt fallen dir sicher gleich die ersten nötigen übungsschritte ein, die dich dem ziel ein stück näher bringen und schon seid ihr auf dem besten weg dorthin.

also:

was ist dein ziel?

was daran ist dir so wichtig oder macht dir so spaß, dass du es erreichen wirst?

ganz zum schluss…

das heute ein neues jahr anfängt, ist natürlich nur so ein kalenderding und unseren tieren herzlich egal.

dafür feiern sie jeden morgen, dass ein neuer tag anfängt :-).

das könnten wir ruhig auch tun!
in diesem sinn wünsch ich uns allen jeden tag viel neuen schwung, viel freude und inspiration und wunderschöne erlebnisse. gleich 365 mal in diesem neuen jahr!

 

ps: ich plane für dieses jahr große neue dinge! wenn du dein tier erfolgreich erziehen und zu einem echten dreamteam mit ihm werden magst, dann bleib dran! am besten den blog gleich abonnieren (falls du das noch nicht hast), damit ich dich auf dem laufenden halten kann.

 

pps: merlin kommt bereits super brav auf rufen, gestern sogar von einem aufspringen reh wieder retour (dank leberpastete beim üben und fehlendem jagdtrieb).

unser nächstes ziel: „sitz und bleib“ völlig entspannt und auf 10meter entfernung für den anfang….

 

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

Comments are closed.