die 3 häufigsten missverständnisse beim kuscheln mit dem hund

dein hund ist ein schmuser und genießt das streicheln und kuscheln mit dir? so ganz anders, als jene, die sich nur ungern anfassen lassen?

dann hast du glück!

denn wir menschen sind nun mal grapscher :-).
wir verwenden unsere hände gern, streicheln, knuddeln, kuscheln.

und freuen uns, wenn unser hund das genauso liebt, wie wir.

aber tut er das wirklich?

das problem ist ja, dass wir anderen spezies angehören.
hunde haben ein etwas anderes kuschelverhalten  und eine etwas andere art, zuneigung auszudrücken.

viele hunde lieben den körperkontakt zu ihrem menschen!
sie genießen das streicheln oder fordern es regelrecht ein.

aber ein paar dinge gilt es auch (und grade!) bei ihnen zu beachten.
(und für etwas unsichere oder ängstliche hunde gilt das gleich zehnfach!)

damit uns nicht die menschliche brille ein vergnügen vorgaukelt, das ganz unseres und gar nicht jenes des hundes ist.

hier sind die drei wichtigsten dinge, die es zu beachten gilt:

missverständnis nr. 1:
„tüchtiges knuddeln macht ihm total spass“

da wird der hund in einem zuneigungsanfall so richtig durchgeknuddelt und gewalkt! der mensch langt mit beiden händen zu und der hund kaspert vor lauter freude rum und zappelt mit den pfoten vor lauter spaß.

richtig?

falsch!

wenn dein hund ins rumkaspern verfällt und etwas hektisch wird beim knuddeln oder gar laut, dann heißt das nur eines:

es war ihm zu viel! zu intensiv!

rumkaspern und herumalbern ist eine der 5 klassischen stressreaktionen. der hund ist übererregt, kann mit der situation nicht mehr umgehen und verfällt in stress.  da ist dann echt schluss mit lustig.

es darf einen auch nicht wundern. viele hunde reagieren auf berührung ungleich sensibler als unsereins. wenn sie dann gleich mit zwei händen bearbeitet werden, gibt es kurzschluss im nervensystem und stress bricht aus. vor allem, wenn es ein kleiner hund ist und der mensch nicht bloss knuddelt, sondern der hund dabei auch noch ein wenig hin und her geschoben wird. zu viel!

tipp: weniger ist mehr!
nimm nur eine hand zum knuddeln und hör gleich auf, wenn dein hund unruhig wird oder mit herumalbern beginnt.

 

missverständnis nr. 2:
„er fordert das streicheln ja ein“

du sitzt irgendwo gemütlich, dann kommt dein hund zu dir und nimmt körperkontakt auf oder legt sich überhaupt gleich neben dich.

fordert er dich damit zum streicheln auf?

nicht unbedingt.

er sucht bloss deine nähe. hunde pflegen untereinander das sogenannte „kontaktliegen“, also sich so hinzulegen, dass sich die körper berühren. das gibt nähe, zusammengehörigkeit, wärme und drückt zuneigung aus.

hunde machen das auch mit dem menschen.
der nur dann immer gleich seine hände ins spiel bringt.
und mit dem streicheln oder kraulen beginnt.

viele hunde genießen auch das (halbwegs), aber erstens nicht alle und zweitens nicht immer.

sagen wir mal so: wenn du dich zu deinem partner/deiner partnerin aufs sofa setzt und rankuschelst, willst du auch nicht immer eine heftige knutscherei daraus werden lassen. oft magst du einfach nur rangekuschelt gemütlich da sitzen. so wie dein hund 🙂

tipp: biete körperkontakt
lass deinen hund sich rankuscheln, körper an körper, und lass das streicheln mal. das entspricht mehr der hundeart von zuneigung ausdrücken und dein hund wird sich freuen, einen so verständigen menschen zu haben.

 

missverständnis nr. 3: 
„er will sich den bauch kraulen lassen“

du bist am kuscheln und streicheln mit deinem hund und er dreht sich vor wonne auf den rücken, damit du ihm auch den bauch kraulen kannst? denn das mag er ganz besonders gern.

wirklich?

hmmm…. bei ungefähr 80 – 90% der hunde ist das auf den rückendrehen ein zeichen, dass sie lieber hätten, wenn du aufhörst, weil es zu viel wird. anders als die hunde unter punkt 1 fangen sie aber nicht an, rumzuhampeln, sondern nehmen eine sogenannte „unterwerfungshaltung“ ein.

also sinngemäß: „bitte tu mir nichts“

das sagt natürlich nur jemand, der grad das gefühl hat, ihm wird was getan. auch wenn es was noch so liebevoll gemeintes ist.

wie erkennst du nun, ob dein hund es wirklich genießt oder ob er zu den 90% gehören, die um ein ende des gefummels bitten?

ganz einfach: hör mal kurz auf.

wenn dein hund dann zufrieden liegen bleibt oder gar aufsteht und weggeht oder sich schüttelt, dann weisst du, dass es ihm zu viel war und du recht daran getan hast. aufzuhören.

wenn sich dein hund hingegen wieder auf die seite dreht und dich auffordernd mit der schnauze anstupst oder mit der pfote deine hand ranholen will, dann hat er es genossen und du darfst gerne weiter machen.

tipp: aufhören und warten
hör also in jedem fall erst mal auf und teste, ob dein hund mehr möchte oder nicht. in jedem fall gilt, dass du erst weiterkraulst, wenn er gemütlich auf der seite liegt und eindeutig gezeigt hat, dass er mehr möchte.

 

sollst du deinen hund am besten also gar nicht streicheln und kraulen
(und dir alle menschlichen impulse dem hund zuliebe verkneifen)?

keinesfalls!

natürlich darfst du deinen hund streicheln und mit ihm kuscheln (wenn er ein kuschler ist),
beachte nur einfach ein paar höflichkeitsregeln, damit dein hund es genauso genießt wie du.

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

Comments are closed.