wie simple physik (!) deine hundeerziehung von grund auf verändern kann

da hast du immer gedacht, hundeerziehung hätte vor allem mit verhaltenskunde zu tun, vielleicht noch mit lernpsychologie. und dann komm ich dir mit physik. ausgerechnet! und doch können ein paar simple erkenntnisse der physik übertragen auf die hundeerziehung einen echten durchbruch bewirken!

wenn du deinen alltag mit hund und die hundeerziehung so einfach und harmonisch wie möglich gestalten magst, dann schlag nach bei newton :-).

ich hab jedenfalls zuerst meine arbeit mit pferden und dann die mit hunden unter einem völlig neuen blickwinkel verstehen gelernt, nachdem mir eine begnadete lehrerin (peggy cummings von connected riding) das dritte newtonsche gesetz für die pferdearbeit übersetzt hat. zügelführung und leinenhandling sind seither völlig anders, aber nicht nur die! nach diesen sensationellen erfolgen war ich dann neugierig auf die anderen beiden gesetze von newton.

und siehe da! da gibt’s noch mehr, was man für den hund (und sich selber) gut brauchen kann.

also auf, schauen wir uns die drei erziehungsregeln mal an, die wir der physik abgeluchst haben:

1. das trägheitsmoment

warum sollte ein hund was anders machen als bisher?
warum solltest du was anders machen als bisher?

genau: ohne konkreten anlass, ohne einen impuls passiert da gar nichts!

wie bei der billardkugel, die einfach so rumliegt, bis sie angestoßen wird.

(mit newton gesprochen: „ein körper verharrt im zustand der ruhe, sofern er nicht durch einwirkende kräfte zur änderung seines zustands gezwungen wird.“)

das trägheitsmoment hast du sicher schon mal an einem faulen sonntag auf dem sofa ganz direkt erlebt. das kann dauern, bis man da hochkommt! und das muss schon einen guten grund haben!

bei der hundeerziehung geht’s uns leider oft wie auf dem sofa.

wir hangen da rum und können uns nicht aufraffen, was anderes in angriff zu nehmen.
obwohl es ein paar dinge gibt, die nicht ganz so funktionieren, wie sie sollten.  oder sogar echte probleme machen.

erst wenn der leidensdruck groß genug ist, unternehmen wir mal was.
oder wenn ein anstoß von außen kommt.
oder wir eine neue methode kennenlernen, auf die wir neugierig sind.
mal ehrlich:

kommt er nicht immer gleich, wenn du ihn rufst?
zieht dein hund manchmal an der leine?
bellt er an der tür, wenn wer kommt?
springt er besucher an?

es ist kein naturgesetz, dass das so sein muss!

ganz im gegenteil: das sind alles (!) anerzogene verhaltensweisen.
die du ihm daher auch leicht wieder „umerziehen“ könntest.
wenn da das trägheitsmoment nicht wäre….

bleibt bloss die frage:
bist du eine billardkugel, die auf den anstoß warten muss?
oder findest du einen inneren impuls, der das trägheitsmoment überwindet und es deinem hund leichter macht?

wenn du einen kleinen anstoß zum beispiel fürs leinentraining brauchst, schau dir doch mal meine online-leinenkurse an.

 

2. der kraftaufwand

klar wäre es fein, wenn wir  bloss 5 minuten üben müssten und ein schwerwiegendes problem wäre flugs aus der welt geschafft. eine kleine übung und schon wird aus dem langjährigen leinenpöbler ein lamm an der leine.

aber leider. so läuft das nicht.

das weisst du natürlich.

und trotzdem passiert es uns oft genug, dass wir uns von ein bisschen üben sofortige problemlösung erwarten.
das gibt es zwar, dass manche ganz einfache übungen fast schon wunderbare wirkungen in vielen bereichen entfalten können.

wenn es die richtigen sind.
und wenn man sie auch macht.
regelmäßig.

ganz allgemein hat newton aber natürlich recht:

je größer ein problem ist, desto mehr aufwand braucht man, um es zu verändern.

(im newtonschen original: „die änderung der bewegung ist der einwirkung der bewegenden kraft proportional“, auf gut deutsch: je größer die kraft, desto mehr bewegung. wenn du einen riesenstein bewegen willst, brauchst du also entsprechend viel kraft).

ob du dazu innere überzeugung, geduld oder nur die richtige trainingsmethode brauchst, ist damit natürlich nicht gesagt.

was aber gilt:
instant-lösungen gibt es keine!
und je größer ein problem ist und je länger es besteht, desto mehr aufwand brauchst du, um es zu verändern.

also am besten gleich angehen, realistisch bleiben und sich die wirkungsvollsten (positiven) trainingsansätze raussuchen.

3. druck erzeugt gegendruck

oder auch: zug erzeugt gegenzug.

wenn wir das nicht von der leinenarbeit kennen!

kaum zieht der hund an der leine, schon ziehen wir dagegen.
unwillkürlich.
und völlig sinnlos.
weil daraufhin der hund erst recht zieht.

weil eben der zug wiederum den gegenzug bewirkt.

(das 3. newtonsche gesetz:  kräfte treten immer paarweise auf. übt ein körper A auf einen anderen körper B eine kraft aus (actio), so wirkt eine gleich große, aber entgegen gerichtete kraft von körper B auf örper A (reactio).“)

so entstehen die schönsten (na ja, eben nicht) zerrspiele an der leine im nu.
mit etwas pech erziehen wir uns so unseren hund zum leinenpöbler.

da hilft nur eins!
aussteigen aus dem teufelskreislauf.
und das selbe physikalische gesetz für uns arbeiten lassen.

die sache funktioniert nämlich auch andersrum:
wenn zug auf der leine ist und du entspannst dich und atmest aus (ohne einen millimeter leine nachzugeben!), wird genau das auch auf deinen hund übertragen und er wird unwillkürlich nachgeben und sich auch entspannen. voila! teufelskreis durchbrochen und das 3. newtonsche gesetz für dich arbeiten lassen.

das gilt nicht nur an der leine.
das gilt ganz allgemein im umgang miteinander.

wenn du jemandem (zweibeiner oder vierbeiner) mit druck kommst, erzeugst du widerstand.
und dann machst du noch mehr druck und erzeugst noch mehr widerstand.

versuch’s einfach mal: sag jemandem „du machst das jetzt aber gefälligst“ (was immer das ist) und du wirst merken, wie da gleich widerstand entsteht. bitte denselben menschen um die selbe sache ohne den druck, und mit höchster wahrscheinlichkeit erreichst du dein ziel.

deinem hund geht es nicht anders!
also raus mit dem druck aus der hundeerziehung!

der ist ein eigentor und macht nur „aufsässig“, „widersätzlich“ oder aber verängstigt.

experimentier mit dem gegenteiligen prinzip und biete entspannung statt druck an und sieh zu, wie dein gegenüber sich mitentspannt.

 

 

 

Newton 3:

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.