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by brigid

Juni 7, 2015

es schaut manchmal so aus, als hätten wir’s in den genen. dass wir die hunde immer auf den kopf tätscheln, mein ich. mensch sieht hund, hund ist freundlich und kommt näher, tätschel, tätschel. volle kanne von oben direkt zwischen die ohren.

nicht gut!
bitte umprogrammieren!
bitte lieb sein zum hund!

hier sind drei gute gründe, warum das tätscheln keine so gute idee ist.

1. es ist unangenehm

wie angenehm ist ein ruhiges streicheln doch! und wie ekelhaft so ein getätschel. das geht dir doch auch so. kannst du dich noch erinnern, als du ein kind warst und irgendwelche urstrumpftanten dir dauernd ins gesicht langten und die backen tätscheln mussten?

igitt!

für den hund ist es um nichts angenehmer. getätschel ist einfach eine eher lästige form der berührung. kein vergleich mit streicheln oder kraulen. die sind gut!
(noch schlimmer als tätscheln ist nur das herzhafte klopfen. lass auch das bleiben. bei berührungen gilt: alles, was du hören kannst, ist unangenehm.)

2. es wirkt bedrohlich

das tätscheln bringt dich automatisch in eine unmögliche körperhaltung. zumindest, wenn du kein kleinkind bist, das vor einer dogge steht.

im regelfall geht das nämlich so: der hund kommt auf dich zugelaufen, du beugst dich vor, schaust ihn lieb an und tätschelst ihn auf den kopf.

darf ich übersetzen?

vorbeugen heißt: bleib weg von mir, ich bedränge dich. ich bedrohe dich.
anschauen heißt: drohstarren, obige botschaft noch ein bissl stärker.
tätscheln: ich strafe dich jetzt dafür, dass du zu mir hergekommen bist.  tu das nicht wieder!

wenn du lieb sein willst zu deinem hund – und zwar in hundesprache! – dann hock dich hin, seitlich neben den hund und siehe da – du kommst gar nicht in die versuchung, sinnlos am kopf rumzutätscheln. aus der position geht das nicht so gut. was jetzt gut geht, ist das, was hunde wirklich mögen: an der brust kraulen oder hinter den ohren. tu das!

 

3. die hunde hassen es

du glaubst mir nicht, dass die hunde das tätscheln abscheulich finden? dann schau doch mal genauer hin:

dog-454145_1280 geduckte körperhaltung,
abgesenkter kopf,
verkürzter blick,
ohren nach hinten gelegt,
leichtes züngeln –
also heftiges beschwichtigen!
„bitte herrli, nicht, ich will keinen konflikt!“

 

ein freudiger, begeisterter hund, der das streicheln genießt, schaut echt anders aus!

deiner mag es aber? glaub mir, nein. mach einfach mal ein video davon, wie du ihn brav von vorne am kopf tätschelst. und dann schau’s dir an.

er mag’s zwar vielleicht nicht, aber das bissl muss er aushalten, er weiss ja schließlich, dass du es lieb meinst? ehrlich, möchtest du in einer beziehung leben, wo dein partner eine fürchterlich unangenehme unart hat und dich dauernd angrapscht, wenn du vorbeigehst. und die proteste quittiert er mit „du weißt ja, dass ich ’s nicht so mein“.  also, ich nicht! eine beziehung stell ich mir anders vor…

dein hund auch! also schluss mit tätscheln, nix mit übergriffen, vorbei mit grapschen.
noch mehr aufpassen…. und dein hund wird dich dafür lieben!

übrigens: wenn du ein bisschen mehr über die körpersprache der hunde wissen magst, ist vielleicht das webinar „hunde/körper/sprache“ für dich interessant. hier findest du mehr info.

über die autorin 

brigid

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.