wenn man mit dem hinterteil des hundes spricht (und warum es mit der aufmerksamkeit nicht klappt)

aufmerksamkeit ist in der hundeerziehung die voraussetzung für alles, klar.
doch manchmal geht gar nichts.
man sagt was und dem hund geht es am allerwertesten vorbei.

ich geh mit kursgruppen gerne auch im gelände spazieren und übe begegnungen am spazierweg.
da passiert das in schöner regelmäßigkeit.
die hunde sind logischerweise sehr aufgeregt, vor allem die in den weniger weit fortgeschrittenen gruppen.
sie sind es nicht gewohnt, in der gruppe an der leine zu gehen.
und sie finden so ziemlich alles andere spannender als den eigenen menschen.

dann hören viele von ihnen nicht mehr (und keiner so gut wie sonst).
und das, obwohl sie natürlich alle ein aufmerksamkeitssignal kennen und können.
sie haben es bereits gut eingeübt und normalerweise klappt das.

das stichwort fiel eben: normalerweise.
denn so ein geländespaziergang in der gruppe ist keine “normale” situatioen.
genausowenig wie wenn du deinen hund mit nimmst in die stadt oder zum verwandtenbesuch,
wenn ihr eine völlig unbekannte gegend erkundet oder in einer neuen hundezone seid.

dann kann es auch dir passieren, dass du nur noch mit dem hinterteil deines hundes redest.

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wobei das natürlich auf den trainingsstand ankommt.
und damit sind wir schon beim ersten wichtigen thema.

was du erwartest …und der hund kann

wenn wir dem hund etwas beibringen und es klappt,
haben wir die erwartungshaltung, dass das dann immer klappt.
und überall.

so läuft das aber nicht.
grade junge oder noch unerfahrene hunde können das schlicht noch nicht.
sie stecken noch in der trainingsphase 1 (beim einüben),
wie sollen sie da schon die leistungen von trainingsphase 2 (alltagstauglichkeit) bieten?
oder gar mit dir ganz harmonisch in trainingsphase 3 (teamwork) unterwegs sein?

weil vielen gar nicht so klar ist, dass es diese unterschiedlichen trainingsphasen überhaupt gibt,
und weil dadurch oft mal unfaire erwartungen an den hund gestellt werden,
bei denen der mensch selber dann frustriert zurück bleibt,
mach ich zu dem thema ein separates im webinar “die drei phasen der hundeerziehung (und warum so viele in der 2. phase stecken bleiben)”, zu dem du dich gleich hier anmelden kannst:

für jetzt muss erst mal der hinweis reichen:
du kannst von deinem hund in einer aufregenden situation nur einen bruchteil dessen erwarten,
was er normalerweise kann.
also schraub bitte deine erwartungen herunter und begleite deinen hund entsprechend umsichtig.

wie du reagierst…und was es beim hund bewirkt

damit haben wir das thema mangelnde aufmerksamkeit beim hund abgehakt.
kommen wir nun zu dir und deiner reaktion
die macht nämlich (wenn du so reagierst wie die überwältigende mehrheit der menschen) die sache nur schlimmer.

wenn etwas nicht so läuft, wie erwartet, tun wir das selbe, was auch ein hund tun würde:
wir versuchen es nochmal und diesmal intensiver.
das ist ein ganz normaler mechanismus, der in der lerntheorie als “löschungstrotz” beschrieben wird.

du kennst da vielleicht vom hund:
wenn der bislang fürs hochspringen mit aufmerksamkeit belohnt wurde und du ignorierst ihn nun stattdessen,
was macht er dann? genau.
zuerst springt er heftiger, bevor er dann damit aufhört
(außer du schenkst ihm zwischendurch wieder aufmerksamkeit fürs springen).

wir menschen machen genau dasselbe.
wir reden den hund an, der ignoriert uns (weil er grad nicht anders kann).
und was machen wir?
wir sagen’s gleich nochmal, diesmal lauter, und nochmal.
das wäre unsere variante des phänomens “löschungstrotz”.

leider wird unser nachdrückliches einreden auf den hund gelegentlich belohnt,
weil der hund doch irgendwann auf uns reagiert
(alleine schon, weil er an der leine hängt und nicht weg kann).
das ist unsere bestätigung, die uns glauben lässt, dass wir nur lang und laut genug auf den hund einreden müssen.

dummerweise hat das nebenwirkungen:
je intensiver wir auf den hund einreden
(und je mehr emotionalen nachdruck wir dabei automatisch entwickeln),
umso weniger gern hört der hund auf uns.
er schaltet die ohren auf durchzug oder geht sogar ins meideverhalten.
wir reden dann buchstäblich mit dem hinterteil des hundes
und das hat noch nie was gebracht.

das einzig vernünftige und wirkungsvolle ist es,
weniger mit dem hund zu reden, mehr geduld zu haben,
weniger vom hund zu verlangen und ihm vor allem weniger druck zu machen.

stell dir deine signale und den dahinterstehenden willen von “ich will jetzt, dass er auf mich hört /dass er xy tut” vor
wie eine schallwelle, die sich um dich herum ausbreitet.
je mehr du das willst, desto heftiger drückt die schallwelle gegen deinen hund und den von dir weg.
es macht ihn unerreichbarer.

wenn man die schallwelle aufgibt und einfach mal wartet, bis der hund so weit ist,
schafft das andererseits einen großen einladenden raum um dich herum,
in den dein hund bereitwillig wieder reinkommt, wenn er wieder kann.

im schnitt dauert das keine 5 sekunden, bis er wieder ansprechbar ist.
und die haben wir doch allemal, oder?

also nimm dir vor, mit dem kopf deines hundes freundlich zu kommunizieren,
statt seinem hinterteil hinterher zu rufen.
vor allem aber sei fair mit dem, was du von ihm erwartest und halt dich an die trainingsphasen
(siehe webinareinladung oben).

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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