leseprobe: “gemeinsam und erfolgreich: das 5 stufen erfolgssystem für die hundeerziehung”

etwas ganz besonderes habe ich heute für euch:
eine leseprobe aus meinem allerersten buch mit dem titel “gemeinsam und erfolgreich”!

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es ist endlich fertig.
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(an einer nicht-amazon-variante wird noch gearbeitet).

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hier ist gleich mal eine kleine kostprobe für dich, viel spaß damit!


LESEPROBE:

Warum ich Hundeerziehung nicht mag

(aus Kapitel 1)

Ich mag Hundeerziehung nicht. Das kommt vielleicht überraschend von jemandem, der seit rund fünfzehn Jahren im Hundetraining tätig ist und gerade ein Buch über Hundeerziehung vorgelegt hat.  Bevor du dieses Buch nun sofort wieder weglegst, lass mich erklären, was ich damit meine.

Wenn wir von Hundeerziehung reden, verstehen wir darunter grob gesprochen drei Herangehensweisen. Da gibt es erstens die Hundemenschen, die darin eine notwendige Pflichtübung sehen. Man macht sie nicht gerne, aber es gehört eben dazu. Erziehung muss sein, so wie Staubsaugen oder Wäsche waschen. Ein guter, wenn nicht der größte Teil der Hundemenschen fällt in diese Kategorie. Dann sind da zweitens jene, die sich mit großer Begeisterung mit Erziehung und Hundetraining beschäftigen, die Fortschritte erreichen wollen und stolz sind auf die Lernleistungen ihrer Hunde. So mancher aus dieser Gruppe wird Hundetrainer, viele findet man auf Turnieren und Leistungsschauen wieder. Im Extremfall geht es dem einen oder anderen ums Training als Selbstzweck, bei dem der Hund nur noch notwendiges Utensil ist. Ich nehme nicht an, dass du in diese Kategorie gehörst, sonst hättest du vermutlich nicht nach meinem Buch gegriffen. Schließlich gibt es drittens jene, die sich gern mit ihrem Hund beschäftigen. Neben diversen Ausflügen und Unternehmungen gehört auch das Üben dazu. Meist können die Hunde so manches Kunststück und die Grundübungen aus dem Bereich der Grunderziehung.

Dieses Buch stellt eine vierte Herangehensweise an die Hundeerziehung in den Mittelpunkt: eine, bei der es um die Beziehung zwischen Mensch und Hund geht. Wo Verständnis und Respekt füreinander das Zusammenleben prägen und tonangebend in der Erziehung sind…..

Hundeerziehung hat ihren Ursprung im Militär und bei der Polizei, und das merkt man ihr bis heute an. Ist dir schon mal aufgefallen, wie viele Menschen auf dem Hundeplatz mit ihrem Hund ganz anders umgehen als im Zuhause? Im Alltag folgen wir schon längst einem neuen Paradigma, wir sehen Hunde als Familienmitglieder und als Wesen mit eigenen Rechten und Interessen, die wir ihnen zugestehen. Wir achten darauf, dass sie ihren Interessen auch nachgehen können, soweit das im Rahmen unserer Gesellschaft eben möglich ist. Ein Hund, der freudig Gegenstände herumträgt, kommt zwar eher auf seine Rechnung als einer, der gerne Hasen jagen würde, aber wir bemühen uns. Zumindest so lange, bis wir uns der Hundeerziehung widmen und plötzlich wieder Kommandos und Gehorsam und die Forderung nach Unterordnung auftauchen.

Kein Wunder, dass Hundeerziehung für so viele von uns reichlich unbefriedigend verläuft, für Menschen wie für Hunde. Letztere lassen wir überdies reichlich verwirrt zurück. Da haben sie einen netten, fürsorglichen Menschen zu Hause, und dann schwingt der sich zum strengen Erzieher auf und hängt den Gehorsam fordernden, merkwürdig agierenden „Hundeführer“ raus. Nicht nur deswegen mag ich Hundeerziehung nicht. Ich mag das Wort „Erziehung“ nicht, weil es falsche Bilder im Kopf erzeugt. Es erweckt den Eindruck, dass es da einen gibt, der erzieht, und einen, der erzogen wird. Mal ehrlich: Möchtest du derjenige sein, der „erzogen“ wird? An dem herumgezogen und -gezerrt wird, bis er in die „richtige Form“ gebracht wurde?

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Angst überwinden

(aus Kapitel 7)

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Es gibt noch ein anderes Gesicht der Angst und das wird oftmals missverstanden. Ares ging es so. Der Mischlingsrüde stammte aus dem Tierschutz, die Vorgeschichte war unbekannt, und zu mir ins Training kam er wegen Leinenpöbelei. Das war aber nur die Spitze des Eisbergs, wie sich rasch herausstellte. Ares war extrem zurückhaltend, er ging selbst in der eigenen Wohnung nur steifbeinig herum (gesundheitlich war aber alles in Ordnung) und hätte auf den ersten Blick recht souverän, wenn auch desinteressiert gewirkt, wäre da nicht diese Anspannung in ihm gewesen. Er sah immer so aus, als würde er die Luft anhalten. Manchmal blieb er beim Spazierengehen einfach stehen, direkt neben seinem Menschen, mit merkwürdig abwesendem Blick, und rührte sich nicht mehr weiter. Klar denkt man da an Epilepsie, an neurologische Störungen, an eine Schilddrüsen-Fehlfunktion, aber nichts davon konnte diagnostiziert werden. Ares litt an etwas anderem: an Angst. Er verkroch sich vor der Angst in sich selbst, und wenn es ihm gar zu viel wurde, machte er völlig dicht. Das Stehenbleiben beim Spazierengehen und regelrechte Einfrieren trat immer dann auf, wenn er sich vor etwas besonders fürchtete: eine lärmige Baustelle, an der sie vorbeiwollten; ein ihm unheimlicher Mensch, der vor ihm ging; irgendein Geruch, der ihm nicht geheuer war. Da half in aller Regel nur umkehren und wieder heimgehen.

Bei einem Hund wie Ares übersieht man die Angst leicht, solange sein Verhalten keine Probleme macht. Dass Ares gelegentlich nicht weitergehen wollte, wurde als Sturheit interpretiert und störte nicht weiter. Wenn ein Hund gar keinen Schritt mehr machen mag, hat das immer einen Grund. Wir erkennen ihn vielleicht nicht gleich, weil unsere Sinnesleistungen mit denen der Hunde nicht mithalten können. Oder wir verstehen nicht, was los ist. Man zieht ja oftmals die falschen Schlussfolgerungen. Bei dem jungen Border Collie, der zu mir in die Beratung kam, dachten seine Menschen, seine „Macke“ hätte etwas mit Hüteverhalten zu tun. Der Hund legte sich manchmal beim Spazierengehen plötzlich ohne jeden ersichtlichen Grund hin, in Lauerstellung, und war durch nichts in der Welt weiterzubewegen. In keine Richtung, nicht vor, nicht zurück, nicht zur Seite. Kein Keksi half, selbst das beste nicht, und kein Spielzeug. Nicht nur einmal hatte sein Herrchen den Hund hochgehoben und den halben Weg nach Hause getragen, bevor der Kleine wieder bereit war, selbst zu laufen. Auch ihm wurde Sturheit unterstellt. In Wirklichkeit hatte auch er Angst. Der Rüde hatte riesige Angst vor lauten Maschinen wie Traktoren oder Mähdreschern. Wenn er sie nur in der Ferne hörte – lange, bevor sie für den Menschen hörbar wurden – ging nichts mehr. Das „lauernde Platz“, das nach Hüteverhalten aussah, kam daher, dass sein Mensch ihn bei Hundebegegnungen (die er auch schwierig fand) immer abseits des Weges zum „Platz“ aufforderte, damit er ruhig blieb. Irgendwie hatte er daraus die Strategie entwickelt: „Wenn was Schwieriges kommt, leg ich mich hin“ und blieb daher bei furchterregenden Geräuschen regungslos im „Platz“.

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 Frieden schließen mit dem Hund

(aus Kapitel 10)

Wenn man eben ein ganzes Buch über Hundeerziehung gelesen hat, samt vielen Beispielen, wie sich selbst schwerwiegende Problem lösen ließen, entsteht der Eindruck, dass sich alle Probleme mit dem Hund in den Griff bekommen lassen. Man braucht nur die richtigen Methoden und das nötige Know-how. Doch stimmt das auch? In den ersten Jahren meiner Trainertätigkeit hätte ich voller Überzeugung gesagt: Ja. Manches dauere eine Weile, es müssten die Rahmenbedingungen passen, aber grundsätzlich: ja, es geht. Inzwischen bin ich etwas demütiger geworden. Ich bin immer noch überzeugt, dass mit der richtigen Art der Hundeerziehung Unglaubliches erreicht werden kann.

Die Frage, ob alles geht, würde ich heute aber vorsichtiger beantworten.

Negative Erfahrungen und Traumatisierungen sitzen oft so tief, dass ihnen schwer beizukommen ist. Wie sehr ein Hund in seinen Erfahrungen gefangen sein kann, zeigt ein Beispiel von Montey: Er lag von Anfang an brav auf „seinem“ Platz im Wohnzimmer in der Nähe meines Schreibtisches und ließ die Liegeplätze der anderen Hunde in Ruhe. Nachts wechselte er mit rüber ins Schlafzimmer und blieb auch dort friedlich auf seinem Platz liegen. Erst nach einigen Wochen merkte ich, dass das Ganze friedlicher aussah, als es war. Ich wunderte mich, warum der Bursche jedes Mal, wenn wir von draußen reinkamen, zuerst gierig zur Wasserschüssel trinken ging, selbst wenn er nur fünf Minuten zum Pinkeln im Garten gewesen war. Das Wasser stand den ganzen Tag zur Verfügung, wieso war er beim Reinkommen immer so durstig? Das Problem war rasch geklärt: Montey traute sich von seinem Platz im Wohnzimmer nicht aufzustehen und zum Wassernapf ins Vorzimmer zu gehen. Er lag nicht etwa friedlich auf seinem Platz, sondern aus purem Pflichtbewusstsein. Er musste durch gehörigen Drill in seinem früheren Zuhause gelernt haben, dass es verboten war, seinen Platz zu verlassen. Wie tief so etwas sitzt, kann man sich kaum vorstellen. Ich hab eine Zeit lang versucht, Montey dazu zu ermutigen, auch andere Liegeplätze in der Wohnung zu nutzen. Ich rief ihn etwa zu mir, wenn ich auf dem Sofa lag, und er legte sich begeistert über die Zuwendung und die Nähe auf den Teppich davor, dieses „verbotene Tun“ stresste ihn aber derartig, dass er schon nach wenigen Minuten nur noch hechelte und immer unruhiger wurde. Trotzdem wäre er von selbst nicht aufgestanden, ich musste ihm wieder „erlauben“, auf seinen angestammten Platz zurückzukehren. Ich will gar nicht wissen, was man mit einem Hund anstellen muss, um einen so nachhaltigen Schaden zu verursachen.
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über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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