wenn hunde raufen: wie reagierst du richtig?

ui…. das ist ein heikles thema! emotionsgeladen, angstbesetzt, verzweiflungsnahe.  aber es kommt nun mal vor. seltener als viele fürchten, aber noch immer öfter, als uns allen lieb ist. weil es nun mal auch ein teil des ganz normalen hundeverhaltens sein kann! deswegen ist dein hund weder ein monster, noch „dominant“, kein aggressionspaket und kein killer.  (immer vorausgesetzt, er hat nicht wirklich ein aggressionsproblem mit anderen hunden oder ist ein serienraufer… und selbst dann ist er kein monster, sondern hat ein problem! meist in angstproblem).

es kommt in den besten familien vor, dass man sich mal kabbelt. warum also sollte das bei hunden nicht so sein? und genauso wenig, wie ein streit unter eheleuten oder lebenspartnerInnen immer gleich zur sofortigen scheidung führt, heißt das noch lange nicht, dass die hunde daraufhin auf ewig todfeinde sind. zum glück nicht!

im prinzip gibt es drei kategorien von „raufen“:

  1. kurze kabbelei

    damit ist mal ein kurzes hinfahren und den anderen in die schranken verweisen gemeint. eigentlich ist das (noch) gar keine rauferei, auch wenn es mal heftiger ausfallen kann. es kann zu einer werden, wenn der zweite hund nicht einfach klein beigibt oder souverän abdreht (was selten ist, weil ein souveräner hund sich meist erst gar nicht in eine solche situation bringt).

    was ist zu tun? nichts.
    ausatmen, weggehen, kein theater draus machen.
    aber sich die situation gut merken und das nächste mal möglichst vermeiden.

    denn meist geht es dabei um verteidigung von etwas, was der eine hat und gefährdet sieht, oder aber darum, dass der andere zu schnell/zu aufdringlich/ zu grobmotorisch daherkommt und auf mildere abbremsversuche nicht reagiert. in beiden fällen wär’s gut,
    wenn es beim nächsten mal nicht so weit kommen lässt.

  2. kommentkampf

    die meisten raufereien, die einem so unterkommen, sind sogenannte „kommentkämpfe“. damit bezeichnet man einen kampf, der nach recht genauen regeln abläuft und in erster linie dem kräftemessen dient, ohne dass eine ernsthafte verletzungsabsicht verfolgt würde. viele jungrüden-raufereien fallen zum beispiel  in diese kategorie.

    ein kommentkampf sieht echt übel aus, es gibt getöse, haare fliegen, die hunde gehen mit weit aufgerissenen mäulen aufeinander los und packen sich am hals….. und wenn alles vorbei ist, haben sie in aller regel meist wirklich grad nur ein paar haare gelassen und es gibt keine verletzungen.

    vorausgesetzt der mensch mischt sich nicht ein!

    denn wenn (verständlicherweise) aufgeregte menschen hektisch auf die hunde einschreien oder sonst was tun, dann kann das recht schnell eskalieren und die stimmung unter den hunden so richtig anheizen!

    also weg! alle menschen weg!
    was zu tun ist, heißt einfach: weggehen! sich nicht einmischen, den hunden raum geben, so schwer einem das auch fällt.
    sich entspannen und ruhe bewahren.
    (und ja, das ist schwer! da hilft es schon, wenn man sich rund um den hund ein paar entspannungstechniken angewöhnt hat)
    und ganz wichtig: ihnen danach zeit und gelegenheit zur de-eskalation und zur „aussöhnung“ geben! dazu gleich unten noch ein bisschen mehr.

  3. ernstkampf

    der ernstkampf wird mit der absicht, den anderen zu verletzen oder gar zu töten, geführt. und ist zum glück sehr sehr selten! er läuft meist schneller und leiser ab als der kommentkampf (aber das  zu wissen hilft dir nix, wenn du grad da stehst und dein hund ist im kampfgetümmel). für einen ernstkampf braucht es schon eine ordentliche portion aggression gegenüber artgenossen (und so ein hund hat immer eine schwierige geschichte hinter sich) oder schmerz und angst – also ein handeln aus notwehr und als kampf ums nackte überleben.

    was ist zu tun? um jeden preis vermeiden!
    (dazu musst du deinen hund gut kennen und die hundesprache gut verstehen, damit du auch andere gut lesen und begegnungen managen kannst).
    trotz allem die ruhe bewahren! (ich weiss…)
    und die hunde trennen.  im idealfall ist ein eimer wasser parat. das kühlt die gemüter am effektivsten.
    sonst tu, was immer dir grade einfällt und möglich ist, um die streithähne zu trennen.

    die landläufigen vorschläge, jacke oder decke über die hunde werfen oder sie an den hinterläufen aushebeln, würde ich mit vorsicht genießen. wenn sie sich in der decke verheddern, wird’s erst recht blöd. und die hinterlauf-aktion würde sekundengenaue abstimmung beider hundehalter erfordern und fällt definitiv nicht in die kategorie angenehme erfahrung (= lerneffekt!).
    was eh klar ist: in die region kopf und halsband greifst du besser nicht! definitiv ein grund mehr für ein brustgeschirr!

zwei dinge sind mir bei diesem thema noch ein besonderes anliegen:

der faktor stress
so ziemlich jeder streit und jede rauferei unter hunden, die ich je erlebt hab, entstand aus stress heraus! natürlich gab es andere motive, aber die hunde hätten das noch irgendwie anders lösen können, wenn ihnen nicht vor lauter stress die sicherungen geknallt wären! bekanntlich macht stress ja reizbarer, ungeduldiger und reaktiver. also doppelte vorsicht bei stress!

 

die versöhnung
an sich sind hunde so gestrickt, dass sie einen konflikt erst versuchen zu vermeiden.
wenn das schief geht, dann gibt es kabbelei oder kommentkampf (wie gesagt, fast immer).
und danach geht man zur konfliktbeilegung über und „verträgt“ sich wieder.

dazu müssen hunde aber die gelegenheit haben! wenn man sie aus der rauferei rausfischt oder unmittelbar danach bei der ersten gelegenheit sofort an die leine hängt und sie keinerlei kontakt mehr haben lässt, dann kann (muss nicht! aber kann) das tatsächlich zu einer art von aversion gegen den anderen führen.

bewahrt also so lang die nerven, bis sie rauferei vorbei ist UND sie sich mit langsam ritualisierten bewegungen und beschwichtigung danach auch wieder miteinander arrangiert haben.

oder aber: wenn ein trennen nötig schien und man die hunde kurz auseinander nimmt zum abkühlen und zum untersuchen auf verletzungen, dann geht möglichst bald nachher gleich ein stück miteinander spazieren, möglichst im freilauf und mit viel platz und mit sehr ruhigen, entspannten menschen.

 

ps:  das thema ist zu komplex, um alles in nur einem blog-artikel abhandeln zu können. wir können ja gern auf meiner facebook-seite weiter diskutieren, ich beantworte gern weitere fragen.

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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