endlich ohne leckerli? wie man kekse klug verwendet…

wann kann ich endlich ohne leckerli unterwegs sein? hast du dich das auch schon mal gefragt?

ich krieg die frage ja hin und wieder.
und hab darauf eine eindeutige antwort:

wenn du keinen hund mehr hast!
(oder der hund nicht dabei ist).

nun bin ich durchaus kein fan davon, den hund sinnlos mit keksen vollzustopfen. ganz im gegenteil!

aber stell dir mal vor,

  • dein hund ist im freilauf, ein reh (oder eine katze oder was immer euer beuteschema ist) springt auf und dein hund lässt sich sofort abrufen und kommt fröhlich zu dir gelaufen – aber du hast kein einziges keksi dabei!
  • ihr begegnet diesem anderen hund, auf den dein hund immer sofort zustürmen möchte, und deiner läuft einfach an lockerer leine neben dir her und schaut dich erwartungsvoll an – aber du hast kein einziges keksi dabei!
  • dein hund findet irgendwo was dubioses und lässt es auf dein signal hin sofort los oder gleich liegen und kommt zu dir gesprintet – aber du hast kein einziges keksi dabei!

wie schade wär das denn!
was für eine enttäuschung für den hund,
was für eine vergebene chance für euer training!
(und wie hoch ist dann die wahrscheinlichkeit, dass er das beim nächsten mal wieder macht?)

spitzenleistung immer belohnen!

das alleine schon ist grund genug, immer zumindest ein paar kekse dabei zu haben.
du weißt schließlich nie, wann dein hund eine überraschende spitzenleistung bringt…

und mal ehrlich: deine lobenden worte als belohnung sind dafür echt schwach!

hier sind noch 3 weitere gründe, warum es nie ganz ohne kekse abgehen wird
– wenn es nach mir und meiner ausbildungsphilosophie geht.

(und wenn du mehr übers richtige belohnen erfahren magst,
dann kannst du dich
hier zum kostenlosen webinar „immer nur leckerli? hunde belohnen richtig gemacht“ anmelden)

da setzen wir jetzt mal voraus, dass der hund im prinzip schon alles kennt und kann, was ihr so braucht – wir also keinen anfänger mehr vor uns haben, dem man erst mal vieles mit viel belohnung beibringen muss.

nein, wir reden vom „könner“, von dem hund, wo dann die frage kommt: und kann ich jetzt denn mal ohne leckerli weitermachen?

hier sind die 3 gründe, warum das nicht so toll wäre:

1.  hüte dich vorm „löschen“

laut lernregeln machen hunde immer das, was den gewünschen erfolg bleibt.
bleibt der erfolg eines verhaltens aus, dann wird das verhalten „gelöscht“ (so heißt das dann).

der hund hört also auf, das zu machen, was ihm nun keinen erfolg mehr bringt.
was natürlich sinn macht.
(und uns menschen manchmal von den hunden unterscheidet 🙂 )

ist nur blöd, wenn das verhalten zum beispiel das prompte kommen auf dein rückruf-signal war.

da kam der hund immer angeschossen, weil er ein keks bekam
oder aber jedenfalls die hoffnung auf ein keksi haben konnte.
denn hin und wieder gab’s ja eins.

und dann plötzlich kommt nie wieder eins!

rat mal, was dann passiert?

genau: kommt kein keksi, kommt kein hund.

achte also drauf, dass die hoffnung am leben bleibt!
du musst ja nicht dauernd und jedesmal mit futter belohnen, wie am anfang.

aber so hin und wieder und dann, wenn’s der hund besonders toll gemacht hat, das hält die begeisterung für die übung wach!
(im trainingsprozess nennt man diese stufe dann das „behalte-training“, hast du vermutlich schon mal gehört.)

2.  auf verbesserungen hinarbeiten

kein hund ist immer und allezeit perfekt unterwegs, geht ja gar nicht.
ist ja auch „nur ein mensch“ :-).

das heißt natürlich:
mal hört er blitzschnell und mal ein wenig zögerlicher.
mal ist die leine ganz lange durchgehend locker und manchmal vergißt er sich ein bisschen und  spannt sie kurz.
mal kommt er umgehend angerannt und mal braucht er ein bisschen…..

was davon willst du belohnen?
gar nichts  – schlechte idee, warum sollte dein hund dann prompt tun, was du willst?
alles gleichermaßen – genauso schlechte idee, warum sollte dein hund sich dann anstrengen?

nein. du willst die blitzschnelle reaktion, die durchgehend lockere leine trotz ablenkung, das freudige herankommen und all die anderen tollen dinge belohnen.

damit dein hund herausfindet:
ah! wenn ich’s sofort tu, gibt es keksi.
wenn ich zu mir zuviel zeit lasse, gibt es kein keksi.
los mach ich mal lieber gleich!

 

 

 

so viele gut aufgebaute übungen sacken im lauf der zeit wieder ab, weil der hund einfach immer weiter jedesmal automatisch belohnt wird oder aber gar nicht mehr belohnt wird, statt gezielt auf verbesserung abzuzielen.
(„variable belohnung vom besseren verhalten“ heißt das lerntheoretisch übrigens)

 

3.  interesse wach halten

du hast sicher schon mal festgestellt, wie aufmerksam dein hund plötzlich war, wenn du besonders gute oder auch mal nur ganz andere belohnung dabei hattest!

der weiß natürlich, was er sich an dem tag verdienen kann – und ob es ihn interessiert :-).

jetzt stell dir vor, dein hund checkt schon am beginn eures spaziergangs ab, dass es heute außer freundlichen worten nichts zu holen gibt.

wie spannend ist das dann?

solange nichts anderes spannendes passiert, geht’s ja noch ganz gut (bei den meisten hunden jedenfalls).

aber spätestens, wenn die vierbeinigen spielkameraden oder die wildspuren auftauchen, wenn ein grasbüschel super duftet oder fressbares am wegrand lockt,  da ist dann schnell alles vorherige üben vergessen, wenn der hund genau weiß, dass er ohnehin nur leer ausgeht, wenn er auf dich hört.

was du nicht persönlich nehmen musst!
das ist einfach eine dem hund angeborene und kluge kosten/nutzen abwägung.

(oder sagen wir mal so: wie lange würdest du noch zur arbeit gehen, wenn du weißt, die firma ist pleite und wird dir nie wieder ein gehalt zahlen können?)

achte also drauf, dass du und das, was du von deinem hund grad in schwierigen momenten möchtest, interessant bleiben!

und leb eben damit, dass das leben mit hund nicht bloss heißt, überall hundehaare und tägliches gassigehen und öfter mal abgesabbert werden, sondern eben auch immer mit keksen in der tasche unterwegs sein.
dafür gibt’s dann ja auch die freude über den braven hund, den spaß miteinander, die schönen kuschelstunden, und und und…..

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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