muss der hund sich sein futter wegnehmen lassen?

das futter wegnehmen gehört zu einer weit verbreiteten übung.
denn schließlich gehört sich das so, dass der hund sich jederzeit den napf wegnehmen lässt.

muss er das wirklich?
sorgt das für zusätzliche probleme?
ist das wichtig für die rangordnung?

es gibt ja zwei motive für die übung:

motiv rangordnung

einerseits soll der hund lernen, dass der “ranghöhere” mensch jederzeit beanspruchen darf, was der hund hat.
das mit der rangordnung zwischen hund und mensch ist natürlich weitgehend quatsch (mehr dazu hier).
hund und mensch sind ja eher eine familienstruktur und keiner käme auf die idee,
seinem kleinkind immer wieder mal den teller unter der nase wegzuziehen,
damit es “lernt”, dass der überlegene erwachsene das darf.

so gesehen ist das unfug und man sollte die finger davon lassen.

motiv sicherheit

andererseits steht eine sicherheitsüberlegung dahinter.
es kann ja sein, dass der hund mal etwas erwischt, was ihm gefährlich werden könnte.
dann ist es wichtig, dass er sich alles wegnehmen lässt, notfalls auch direkt aus dem maul.

das ist natürlich sinnvoll.
mehr noch: notwendig und pflichtprogramm in der hundeerziehung.

achtung falle!

doch genau das klappt meistens nicht.
trotz dem üben mit futter wegnehmen.
genauer gesagt: genau deswegen!

macht man es nämlich verkehrt, so schafft man sich ein riesenproblem:
einen hund, der den menschen meidet und mit beute wegrennt.
oder gar futteraggression.

da steht der hund dann da, fletscht die zähne, wenn man ihm beim fressen näher kommt.
knurrt und würde sogar schnappen, wenn man die warnsignale nicht ernst nimmt.

mehr zum thema futteraggression, wie man sie vermeidet, wie sie entsteht und was man dagegen tun kann (das geht nämlich super!) gibt es im webinar “futteraggression beim hund”, zu dem du dich hier anmelden kannst.

online hundeschule

das futter wegnehmen ist gleich aus zwei gründen problematisch.

erstens widerspricht es dem hundeverhalten.
unter hunden gilt: was ich im maul hab oder direkt davor, das gehört mir.
und was mir gehört, darf mir keiner nehmen, wenn ich es nicht erlaube
der hund hat also unter hunden jedes recht der welt, sein futter zu verteidigen, wenn er nicht teilen möchte.
(ob er teilen mag, kommt ganz auf die situation und das naturell des hundes an).

zweitens geht es gegen das, was der hund gelernt hat.
er weiß nämlich genau, dass der mensch ein gieriges wesen ist,
ihm oft die besten happen wegschnappt und nicht mehr wieder hergibt.
was wir ja zugegeben tun. nämlich immer dann, wenn der hund was verbotenes erwischt hat.

kein wunder, dass er wenig begeistert reagiert oder misstrauisch wird, wenn der mensch sich seinem fressen nähert.

dabei gilt als faustregel:
je wichtiger dem hund das futter gerade ist,
je mehr etwas mangelware ist,
desto eher neigt der hund dazu, diese ressource zu verteidigen.

tauschen statt wegnehmen

damit haben wir aber auch den schlüssel zur lösung.
was, wenn wir aus der mangelware ein reichlich verfügbares gut gibt?
wenn es nichts zu verlieren und damit nichts zu verteidigen gäbe?

dann hätte der hund doch allen grund, mit begeisterung und freiwillig alles abzugeben, was er gerade hat.
denn es kommt mehr und besseres nach – zumindest beim üben.
und üben muss man das natürlich anfangs ein wenig
(die anleitung dazu gibt’s hier)

der hund lernt also: wenn ich was gutes habe und mein mensch kommt,
dann nimmt mir der nichts weg, sondern er gibt mir noch was besseres dazu.
dazu nimmt er vielleicht kurz das, was ich grad hatte an sich,
aber ich bekomm es ja wieder.

problem erledigt!
das futter wegnehmen erscheint damit in einem völlig anderen licht.
statt zum konflikt führt es zu einer freudigen reaktion.
und dazu, dass der hund sich tatsächlich das futter wegnehmen lässt.
auch alles andere, ganz problemlos.

konflikte vermeiden

wenn man einen hund hat, der schon gelernt hat, mit beute wegzurennen,
sie rasch runterzuschlingen, sein futter zu verteidigen
oder gar aggressiv zu werden, dann gilt als oberste regel:
konflikte vermeiden.

sonst macht man das ganze immer schlimmer und schlimmer.
in so einem fall muss man das training sehr genau aufbauen und ein paar zusätzliche übungsschritte vor dem eigentlichen “tauschen” einbauen.
was es dabei alles zu beachten gilt, wird im webinar  “futteraggression beim hund” genau behandelt.

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

Comments are closed.