hilfe, mein hund lässt sich nichts wegnehmen!

alles mögliche wird kaputt gebissen und man kann nichts dagegen tun.
der hund bringt sich selber in gefahr und landet womöglich beim tierarzt, weil er was verkehrtes geschluckt oder sich beim zerbeißen von ungeeigneten gegenständen verletzt hat.
und wirklich lustig ist es natürlich nicht, wenn der hund einem mit zähnefletschen und knurren erwartet, wenn man näherkommt.
warum machen manche hunde das?
während andere sich von ihren menschen in aller ruhe in den rachen fassen und selbst den leckersten kauknochen wegnehmen lassen?

mehr zu den hintergründen gibt es im webinar “hilfe, mein hund gibt’s nicht her”

als ganz kurz gefasst erklärung, hab ich dazu eine gute nachricht und eine schlechte.

die gute nachricht:

das ist zum einen teil veranlagung.

du hast also nichts falsch gemacht und dein hund ist nicht weniger “brav” als andere.
er hat nur ein anderes naturell und er ist vermutlich eigenständiger und abwehrbereiter als andere.
außerdem sind ihm seine sachen (manchmal nur besonders spannende kauartikel, manchmal alles, was er im maul hat) wichtiger als anderen.

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eine kleine anektdote dazu:  als klein-maroni im zarten alter von 10 wochen ihren ersten kauknochen bei mir bekam und ich vorbeigehen wollte, wo sie lag, schnappte sie sofort ihren kauknochen, sah  mich mißtrauisch an und brummelte wie eine große!  ein klarer fall von veranlagung… was nicht heißt, dass man da nichts tun kann. dazu gleich mehr weiter unten. 
die schlechte nachricht:

das ist zum anderen teil eingelernt.

hat der hund mal die erfahrung gemacht, dass er um seinen anteil “kämpfen” muss, speichert er das sehr nachhaltig ab.
kann sein, dass das schon als kleiner welpe mit den wurfgeschwistern so war (vor allem bei sehr großen würfen, wo es mehr welpen als zitzen gibt, ein thema!).
kann sein, dass du dem hund am anfang ein paar mal was mit mehr oder weniger sanfter gewalt weggenommen hast.
das nimmt der hund übel! (selbst wenn du hundertmal recht hattest).
das merkt der sich!
das passiert ihm nicht noch mal, denkt er sich wohl.
deswegen verwarnt er dich beim nächsten mal sehr deutlich und würde den drohungen vermutlich auch taten folgen lassen (also hinschnappen), wenn du nicht abstand hältst.
und schon hat man einen hund,  der sich nichts wegnehmen lässt!
das heißt natürlich nicht, dass man dagegen nicht (mehr) tun kann!
im gegenteil!
man kann dem hund ganz wunderbar beibringen, alles freiwillig und gerne sofort abzugeben.
egal, ob er nun ne veranlagung hat, seinen besitzstand zu verteidigen,
oder ob er aus schlechter erfahrung gelernt hat, den menschen nicht ran zu lassen.
mit maroni ging die geschichte so weiter:  sie brummelte, ich ging einfach weg. kam mit ein paar extra leckeren happen wieder und war ihr schon aus zwei meter entfernung was gutes zu. ging näher ran, wieder ein leckerer happen. hockte mich neben sie hin und gab ihr den nächsten happen. nahm kurz den kauknochen (den hatte sie vor lauter begeisterung über die leckeren happen schon fast vergessen), gab ihr nochmal nen leckeren happen und daraufhin in aller ruhe den kauknochen wieder. das thema war mit einem schlag erledigt! bis heute, 10 jahre später, darf ich ihr jederzeit alles selbst aus dem maul nehmen. 
das wichtige für hunde, die sich nichts wegnehmen lassen, ist nämlich, dass sie die folgenden drei dinge lernen:

1.  vertrauen in den menschen

wenn man was tolles im maul hat und der mensch kommt näher, welche emotion entsteht dann beim hund?

misstrauen? angst? freude?

dementsprechend wird er auch reagieren.
es geht also darum, die annäherung des menschen als etwas positives oder zumindest neutrales kennen zu lernen.
im beispiel mit klein-maroni war das, freudige erwartung aufzubauen, weil der mensch ja was leckeres bringt!

2.  wer loslässt, gewinnt

die leckeren happen im beispiel mit klein-maroni haben noch eine weitere und wesentlich wirkung:
man kann sie nur fressen, wenn man loslässt, was man schon im maul hat.
sprich: die leckeren happen sind automatisch die belohnung fürs loslassen, fürs hergeben oder ausspucken von dem, was der hund schon hat.
bingo! genau das wollen wir ja erreichen.

aber achtung: der hund hat natürlich schnell raus, ob du ihm da ein billiges ablenkmanöver (womöglich noch mit stinknormalen leckerchen) aufs auge drückst und dann alles einkassierst, was er hatte. dann fällt er dir das nächste mal nicht mehr drauf rein!

es muss sich für den hund also wirklich lohnen und im idealfall bekommt er auch gleich zurück, was er eben losgelassen hat.
er soll ja seine angst, was (ihm) wichtiges zu verlieren, ablegen können.

3. prinzip freiwilligkeit

auf gar keinen fall dar man versuchen, dem hund wegzunehmen, was er hat.
oder schon mal hinzulangen, solange er es noch im maul hat – das löst nämlich die angst vorm wegnehmen schon aus.
noch nicht mal ein bisschen “nachhelfen”, wenn er’s schon fast fallen gelassen hat, ist erlaubt!
der hund soll nämlich die sicherheit bekommen, dass er selber bestimmt, wann er was abgibt.
(und durchs richtige training dazu motiviert werden, das sofort und immer zu tun!)
was weggenommen kriegen, ist nicht nämlich nicht nur ekelhaft, sondern führt im reflex auch dazu, dass der hund erst recht festhalten will, was er hat, und das maul so richtig fest zumacht.
das ganze braucht natürlich ein wenig übung, wenn der hund schon mal zu denen gehört, die sich nichts wegnehmen lassen.
(man hat ja nur in ausnahmefällen das glück, den welpen grad beim ersten mal zu erwischen, so wie ich bei maroni, und es daher mit einem mal gleich erledigen zu können). 
auf dauer ist training die einzige wirkliche lösung:
dabei lernt dein hund, dass er auf ein signal von dir  alles,  was er grade im maul hat oder was er grade aufnehmen, verlässlich  – und freudig! –  ausspuckt.
wenn du fürs training unterstützung möchtest, gibt es den online-kurs “tauschen”, kurz und knackig 10 tage lang trainieren – und du bist eine große sorge für ein hundeleben lang los! 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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