den hund müde kriegen: wie es wirklich geht

den hund müde kriegen ist ein wunsch, der überraschend viele hundemenschen haben.
was im umgekehrschluss vor allem eines heißt:

viele hunde sind zu munter, zu aufgedreht, zu unausgelastet.
vielleicht sogar hektisch, nervös oder hyperaktiv.
manche haben vielleicht sogar das eine oder andere verhaltensproblem.

das patentrezept lautet dann gern mal: “mach ihn doch müde”.

warum der spruch wenig sinnvoll ist und wie man den hund sicher nicht müde kriegt, war ja im letzten blog beitrag schon thema.

werfen wir heute einen blick darauf, warum der hund denn angeblich nicht “müde” ist.
da gibt’s nämlich drei verschiedene ursachen.

1. zu wenig auslastung?

an das denkt man immer als allererstes.
der hund kriegt zuwenig auslastung.

in den allerseltensten fällen stimmt das!

das trifft nur dann zu, wenn der hund nicht wenigstens jeden tag einen spaziergang von ungefähr einer stunde bekommt.
(je nach rasse und alter des hundes evtl. etwas weniger, zum beispiel beim welpen oder beim alten hund, oder etwas mehr).

findet der tägliche spaziergang statt und hat der hund dabei gelegenheit, sich möglichst frei zu bewegen und in aller ruhe rumzuschnüffeln, dann ist das wichtigste eigentlich schon abgedeckt.

fällt dir auf, dass dein hund nach einem (vernünftigen) spaziergang erst recht aufgedreht ist, dann war vermutlich der spaziergang sogar schon zu viel und hat ihn mit reizen und aufregung zu sehr gefordert.  dann probier’s mal mit nem kürzeren spaziergang oder ner strecke mit weniger aufregung.

 

2. die falsche auslastung

bei auslastung denken wir ja in aller regel an bewegung, an spielen und rumtoben.
das ist aber nur ein teil dessen, was der hund braucht!

er braucht nämlich mindestens so sehr die geistige auslastung.
zu einem teil bekommt er die über sein erkundungsverhalten beim spazierengehen, zu einem anderen teil müssen wir ihm zusätzlich aufgaben für den kopf bieten: also denkspiele oder nasenarbeit.

die sind es nämlich, die den hund tatsächlich angenehm müde machen!
sie bringen gleichzeitig ruhe rein und helfen stress abbauen.

üblicherweise bekommen die hunde viel zu wenig geistige auslastung und viel zu viel körperliche action oder wilde spiele.
und dann sind sie aufgedreht und scheinbar “nicht müde zu kriegen”.

versuch daher mal das gegenteil, wenn du so einen hund hast:
lass das wilde toben und rennen weg und ersetz es durch geistige auslastung.
du wirst staunen, was das ausmacht!

ein paar tipps zum richtig “auspowern” gibt’s hier in diesem blog-beitragr euch.

 

3. hoher erregungspegel

wenn der hund zu viel aufregung im leben hat und das womöglich noch tagtäglich, dann steht er auch dauernd unter strom.
er ist also aufgedreht, kommt schlecht zur ruhe, ist “sehr aktiv” oder “temperamentvoll”.

das ist schlicht die folge der stresshormone im körper.
der hund wirkt, als bräuchte er mehr auslastung, um müde zu werden,
dabei ist er oft schon ziemlich erschöpft und völlig übermüdet,
kommt aber vor lauter stress nicht zur ruhe.
(ganz ähnlich einem kleinkind mit schlafmangel oder überreizung, das dann nicht einschlafen kann).

selbst wenn man sich dann bemüht, über die passende auslastung mit spaziergängen und denkspielen ruhe reinzubringen, klappt es oft mehr schlecht als recht. es reicht nämlich nicht, um stress wieder runter zu kommen.

der hund braucht dann entspannung und ein anti-stress-programm, erst dann wird er wieder “normal müde” und wirkt nicht mehr so, als bräuchte er dauernd noch mehr action.  die ideale kombi an maßnahmen für entspannung, stressabbau und gelassenheit bietet der kurs “cooler hund”, am besten gleich mal reinschauen!

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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