dürfen fremde menschen deinen hund streicheln?

bei der frage, ob fremde menschen den hund streicheln dürfen, scheiden sich die geister.
da gibt es die einen, die das gern zulassen, weil ihr hund das (angeblich) mag.
dann sind da die anderen, die es eigentlich nicht möchten, aber doch irgendwie geschehen lassen.
und schließlich jene, die das rigoros und oft sogar unfreundlich unterbinden.

wie reagiert man tatsächlich am besten?

lässt man oder lässt man besser nicht?
verhindert man es nur bei hunden, die angst vor fremden haben
oder bei jenen, die knurren oder schnappen würden?

nun, ein objektives richtig oder falsch gibt es bei dem thema nicht.
klar ist nur eines: wenn ein hund das nicht mag,
wenn er mit deutlicher beschwichtigung oder gar mit stressanzeichen darauf reagiert,
dann sind berührungen durch fremde menschen ein absolutes no-go.
und wenn sie es noch so freundlich meinen.

fremde streicheln hund

wie ist das aber bei jenen hunden, die mit fremden menschen grundsätzlich kein problem haben?

das bedürfnis bei vielen menschen ist ja eindeutig da.
man kommt irgendwo hin oder geht einfach nur einen gehweg entlang
und von überall her scheinen sich fremde hände nach dem hund auszustrecken.

soll man sie lassen, weil man in unserer heutigen gesellschaft jede positive einstellung zum hund unterstützen sollte?
soll man es erlauben, weil es zu mühsam wäre, die leute davon abzuhalten – und die auf ein schlichtes „bitte nicht“ ja nicht reagieren?

plädoyer für respekt

ich finde: nein, man soll es NICHT.
hunde sind keine bewegten streicheltiere, die für jedemann und jederfrau jederzeit bereit sein sollen.
sie verdienen den selben respekt, den kleine kinder oder andere menschen bekommen.
auf die stürzen wir uns ja (hoffentlich!) auch nicht und betatschen sie als wildfremde person.

darüberhinaus gibt es drei handfeste gründe,
warum man das streicheln oder anfassen durch fremde unterbinden sollte:

1. der nutzen für den hund

nur weil ein hund fremde menschen nicht anknurrt, sondern das streicheln erduldet,
heißt das noch lange nicht, dass er es so möchte.

selbst bei jenen hunden, die scheinbar das streicheln einfordern oder sich den menschen aufdrängen,
muss man ganz genau hinschauen.
viele hunde reagieren im stress (der durch das streicheln durch fremde entsteht) nämlich mit herumalbern
oder sich ranwerfen, zeigen dabei aber deutlichen stress.

für den hund ist es jedenfalls besser,
begegnungen mit fremden menschen nicht immer als (kleinere oder größere) aufregung zu erleben,
sondern in aller ruhe an ihnen vorbeigehen oder unbehelligt neben ihnen liegen zu können.

2. der nutzen für dich

fremde menschen wirken in der regel wie ein störfeuer in der hundeerziehung.
da kann man sich noch so bemühen, dem hund das hochspringen abzugewöhnen,
ihm beizubringen, dass er nicht quengeln soll oder dass er gelassen warten soll…

und dann kommt ein anderer mensch daher und spricht den hund im blödesten moment an
oder streichelt ihn genau dann, wenn der am hochspringen ist.

die belohnung durch die aufmerksamkeit von anderen menschen zählt zu den hartnäckigsten problemen in der hundeerziehung.
man tut sich daher selber einen großen gefallen,
wenn man das risiko möglichst klein hält
und nicht jeden fremden menschen den eigenen hund mit aufmerksamkeit und streicheleinheiten bedenken lässt.

3. der nutzen für die gesellschaft

ich persönlich finde ja,
dass unsere gesellschaft von einer veränderten und respektvolleren einstellung tieren gegenüber enorm profitieren könnte.
stichwort: umgang mit der natur.

vielen menschen ist anfangs gar nicht klar,
dass hinter dem harmlosen „ich will ihn ja nur mal streicheln“
eine weltsicht steckt, die davon ausgeht,
– dass tiere zu unserem vergnügen und nutzen da sind
– dass sie sich von uns alles gefallen lassen müssen
– und dass damit alles in bester ordnung ist.

das aber ist etwas, was viele ja gar nicht wollen.
man denkt halt nicht lange nach.
und das ist ein dienst, den die hundemenschen anderen erweisen können: sie (wo möglich) zum nachdenken anzuregen.

hunde sind genauso fühlende, denkende und mit einem eigenen willen ausgestattete lebewesen.
sie sind im philosophischen sinne subjekte, also ausgestattet mit eigenem willen und eigenem handeln,
nicht bloß objekte – unserer streichellust oder sonstiger absichten.

hunde verdienen wie alle lebewesen respekt und rücksichtnahme.
und davon kann es in unserer gesellschaft nicht genug geben.
jede möglichkeit, sich darin zu üben, sollten wir dankbar ergreifen.

 

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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