wie hunde die feiertage wahrnehmen

hat du dich schon mal gefragt, wie wohl hunde die feiertage (egal welche) wahrnehmen?
sie kriegen selbstverständlich mit, dass da was anders läuft.
egal, ob nun weihnachten gefeiert wird, der jahreswechsel, ein großer geburtstag oder eine hochzeit.

in allen fällen gibt es besonderheiten, die aus hundesicht nochmal etwas anders aussehen als für uns menschen.
denn das, was uns menschen besonders auffällt, deckt sich bei weitem nicht mit dem, was hunde wahrnehmen.

feiertage aus hundeperspektive

nun kann ich zwar nicht direkt ins gehirn der hunde schauen,
was sich dort abspielt,
aber eine gute begründete vermutung hab ich schon,
wie sich feiertage in der wahrnehmung der hunde von normalen tagen unterscheiden.

1.  die durchbrochene routine

wann stehen sie endlich auf, ist wohl die vordergründigste frage,
die hunde sich an den feiertagen stellen.
schließlich haben wir menschen da meistens mehr zeit, noch etwas im bett zu bleiben,
und sind vielleicht am abend davor auch deutlich später schlafen gegangen.

dass etwas im busch ist, hat der hund schon lange bevor er auf sein frühstück länger warten muss gecheckt.
die vorbereitungen – wohnung putzen, größere einkäufe usw. – haben schon die gewohnten abläufe durchbrochen.
vielleicht sind auch die spaziergänge mit dem hund kürzer ausgefallen
oder haben zu anderen tageszeiten stattgefunden als normal.

hunde sind ausgesprochene gewohnheitstiere.
sie haben eine innere uhr, die ihnen sagt, wann ihr mensch üblicherweise von der arbeit heimkommt,
wann es zeit ist zum schlafengehen oder zum aufstehen,
wann es rausgeht zum spazierengehen und wann nur kurz zum lösen.

die feiertage und die vorbereitungen bringen diese zeitlichen erwartungshaltungen durcheinander.
da fixe abläufe und rituale manchen hunden sicherheit und struktur geben,
kann das für einige recht belastend sein.

2. die andere geruchskulisse

wir menschen funktionieren in erster linie visuell.
wir denken bei weihnachten zum beispiel an bunte lichter und verschneite landschaften,
an christbaumdeko und glitzerschmuck.
silvester ruft bilder von champagnergläsern und feuerwerk hervor,
bei geburtstagen denken wir an torten und geschenke
und immer an festlich gekleidete menschen.

ganz zu schweigen von üppig gedeckten festtagstischen.
letztere jedenfalls spielen auch für den hund eine große rolle.
denn die wirken nicht nur optische, sondern erst recht für die nase.

hunde nehmen die welt ja überwiegend mit der nase wahr.
sie sind unvorstellbar sensibel auf gerüche.
und – das darf man nie vergessen – gerüchen kann man sich nicht entziehen.

wenn man etwas nicht sehen will, schaut man schlicht weg oder schließt die augen.
die nase kann das nicht und im geschlossenen raum kann man sich einem geruch nicht entziehen.

rund um feiertage ändert sich die geruchskulisse in jedem haushalt immer.
da wird gekocht und gebacken  – anderes und mehr als sonst.
da wird vorher geputzt und geschrubbt – die putzmittelwolke hängt für den hund noch tagelang im raum.
da gibt es womöglich duftkerzen und menschenparfüms.

es ändert sich nicht nur die zusammensetzung der gerüche im haus,
es steigt auch die intensität ganz ordentlich an.
eine für uns kaum vorstellbare geruchskulisse für die feine hundenase.

ganz zu schweigen davon, dass sich auch der geruch der menschen ändert:

3. die veränderte stimmungslage

feiertage versetzen uns menschen praktisch immer in eine andere stimmungslage.
oder in mehrere im lauf der zeit.
die bandbreite reicht dabei von fröhlich und entspannt
bis zu extra gestresst und gereizt, je nach naturell und situation.
manchmal auch alles zusammen.

jede emotion produziert in unserem körper unterschiedliche pheromone,
die wir zwar nicht bewusst wahrnehmen können,
die unsere hunde aber laut und deutlich riechen.

dazu kommt noch, dass sie neben unseren pheromonen
auch unsere muskelspannung, unseren atemrhythmus, unseren bewegungsmodus sehr genau mitbekommen.
und davon beeinflusst werden.

der hund kann sich leider nicht denken:
„mein mensch ärgert sich grad über den misslungenen festtagsbraten,
das hat mit mir aber nichts zu tun, ich bleibe ganz entspannt“.
nein, beim hund verursacht der ärger auch anspannung.

umgekehrt funktioniert es zum glück auch:
wenn die menschen viel entspannter sind als sonst,
fröhlicher drauf sind und mehr zum spielen aufgelegt als üblich,
dann hat auch der hund seine freude dran.

feiertage laufen natürlich überall ein wenig anders ab.
es kommen ja noch andere faktoren dazu:
besucher im haus oder der hund mit zu besuch woanders oder ein paar stunden länger allein zuhause.

es reagiert auch jeder hund anders auf ein die veränderungen,
die mit feiertagen einhergehen.
der eine nimmt’s gelassen, der andere freut sich und den dritten verunsichert das alles womöglich.

wichtig ist einfach, sich zu fragen:
wie sieht mein hund das eigentlich alles?
wie verarbeitet mein hund die feiertage
und braucht er von mir etwas, damit die feiertage auch für ihn eine feine zeit sind.

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.