„drei notfalls-tipps, wie du deinen hund schnell wieder beruhigen kannst“

heut mach ich mal was, was ich nicht so gern tu:

ich geb euch eine antwort, die keine lösung ist. also keine wirkliche.

hilfreich ist die antwort hoffentlich schon ein wenig.

worum es geht?

um hunde, die bei begegnungen mit anderen hunden austicken.
um hunde, die sich bei der kleinsten kleinigkeit aufregen und alles verbellen.
um hunde, die jedem auto hinterherhetzen würden (wären sie unangeleint) und danach total unansprechbar sind.
um hunde also, die wegen irgendwas die nerven verlieren und auszucken.

und um die frage:

„hast du nicht einen schnellen tipp, wie ich meinem hund das abgewöhnen kann?“.

ich geb zu. die frage mag ich gar nicht!
(ich werd sie euch trotzdem beantworten. gleich).

schon die wörter „schnell“ und „gewöhnen“ in einem satz sollten einen hellhörig machen.
„gewöhnen“ wie: langsam und über längere zeit eine gewohnheit aufbauen bzw. hier abbauen.
(wer schon mal versucht hat, rauchen aufzuhören oder sich zucker abzugewöhnen, weiss wovon ich rede!).
und dann „schnell“ wie: gleich. sofort. rasch. pronto. schnell eben.

was würdest du denn als sporttrainer jemandem sagen, der gern mal „schnell ein paar tipps hätte, wie ich nächste woche einen marathon laufen kann“ (und womöglich schon keucht, wenn er die treppe in den 3. stock nehmen soll).
oder als klavierlehrerin einem, der nach den ersten drei tonleitern gern einen schnellen tipp hätte, wie er in ein paar tagen ein mozart-konzert spielen kann.

eben.

und genau den fall haben wir hier auch:
einen hund,  der nicht mal an einem angepinkelten grashalm an lockerer leine vorbeigehen kann – und dann soll er cool bleiben, wenn ein anderer hund auftaucht?
oder einer, der bei der geringsten schnellen bewegung schon daheim im wohnzimmer auf 180 ist – und dann soll er die autos bitteschön in ruhe lassen?
und zwar mit einem „schnellen tipp“!

leute, sorry!
das spielt es nicht!

für ein massives problem gibt es nicht mal eben so einen schnellen tipp und alles ist wieder gut.
dafür gibt es die antworten, die der sporttrainer oder die klavierlehrerin auch parat haben:

üben!
schritt für schritt aufbauen!
systematisch vorgehen!

ich würde noch ergänzen:
eine vernünftige analyse des problems  brauchst du auch noch, damit du dann die richtige lösung übst.
(wär ja echt blöd, wenn du einen marathon laufen möchtest und dafür klavier spielen übst).

nur hilft dir das natürlich wenig, wenn du in der landschaft stehst und dein hund zuckt grade aus!

und drum hab ich auch drei tipps für dich, was du da tun kannst.
schließlich mag ich dich mit der (von mir) ungeliebten frage und der blöden situation auch nicht im regen stehen lassen.  deinen hund auch nicht.

aber versprich mir eins:
wenn du in eine solche situation gerätst,
dich mit den tipps vielleicht halbwegs drüber rettest,
dann gehst du danach bitte sofort das problem selber an!

nicht nur notfallmäßig drüberretten.
nicht nur symptome bekämpfen.
sondern die ursachen angehen!

versprochen?

gut.  dankeschön :-).

wenn du also in so eine situation gerätst, dann hilft erst mal nur eines – noch bevor irgendener meiner tipps greifen kann:

du musst sofort raus aus dieser situation!

ich weiss schon, dass das manchmal nicht so leicht ist. aber mit einem hund, der hysterisch bellend in der leine hängt und völlig weggetreten ist, kannst du erst mal nichts machen.  nicht in dieser sekunde!

oder doch. aber das musst du machen. und damit kommen wir schon zum ersten tipp:

1. ausatmen

wenn dein hund die nerven verliert, hilft es natürlich nichts, wenn du deine auch schmeisst.
da könntest du genauso gut öl ins feuer gießen.

natürlich schmeisst du nicht absichtlich die nerven!
aber die stimmungsübertragung funktioniert nun mal in beide richtungen und dein hund steckt dich an.
ausserdem musst du ja die leine festhalten, spannst dich an und stemmst dich rein.

oder du siehst die „gefahr“ schon auf euch zukommen und denkst dir noch „nein, bloß nicht das wieder!“ und peng! schon geht es los.  (ist dir übrigens schon mal aufgefallen, dass dein hund oft genau in dem moment loslegt, wo du dir das denkst?)

was du tun kannst, ist bewusst gegensteuern. bewusst entspannen.

ausatmen.
entspannen.
locker bleiben.

ja nicht an der leine zerren, den hund rumreißen, in anbrüllen, dich ärgern, schimpfen, verzweifeln,….. was immer halt so die normale menschliche reaktion wäre.
die ist leider unbrauchbar.

also atme aus! entspann dich! lass den schlimmen moment vorüberziehen! nimm druck raus.

(klarerweise halt soweit die sicherhei aller beteiligten es erlaubt! du wirst nicht ruhig ausatmen und „OM“ summen, während dein hund ein kind verspeist).

 

2. nase runter

das problem ist ja, dass du das problem oft schon auf euch zukommen siehst, dein hund aber nicht mehr ansprechbar ist.

oder das problem selber wäre schon vorbei, aber dein hund ist noch immer auf 1000 und damit kann die nächste kleinigkeit schon explosiv werden.

bei aufregung steigt die muskelanspannung im hund und die aufmerksamkeit wird verengt – du selber kommst darin dann oft nur mehr am rande vor.

du wirst auch beobachtet haben, dass der hund dann das gewicht nach vorne und den kopf hoch nimmt. mit dieser körperhaltung kann keiner gelassen sein!

was manchmal hilft – wenn du den hund nach was aufregendem wieder „runterfahren“ möchtest oder besser noch: ihn vorher schon umdirigieren magst:

bring die nase runter!
wirf ein paar (wirklich, wirklich gute) leckerli direkt vor seiner nase ins gras.
klappt nicht immer, aber überraschend oft. nicht im akuten moment, aber kurz danach schon. probier’s einfach aus!

der vorteil: wenn der hund zumindest nach unten schaut, was da ist, oder gar schnüffelt, dann ändert er die körperhaltung. kopf und nase unten ist immer besser, als ein angespannt hochgereckter kopf.  nase unten entspannt automatisch. und noch mehr, wenn er die leckerli sogar nimmt.

eine alternative für alle hunde, die in der aufregung „maulig“ werden und anfangen würden, in die leine zu beißen (oder deine hose, deine hände,,…):
gib ihnen was zum abreagieren: eine beißwurst, ein (nicht allzu hartes) kaustangerl oder so.
das hilft auch, stress abbauen.
(du musst dann nur aufpassen, dass dein hund das verhalten wirklich aus aufregung macht und nicht, um dann von dir was zu kriegen. den unterschied siehst du aber sicher schnell).

3. ruhehaltung

das klingt jetzt banal, aber es wirkt.

wenn du rechtzeitig vor der aufregung
oder danach, so wie dein hund wieder ansprechbar ist,
eine ruhehaltung von ihm verlangst, wird er ruhiger.

also lass ihn ganz simpel kurz sitzen, geh ein paar ruhige schritte, lass ihn wieder kurz sitzen.
wenn es geht, lass ihn sich hinlegen, das würde noch besser wirken.  wieder ein paar schritte. wieder liegen.

nie zu lange, das schafft er noch nicht.
und immer freundlich und ruhig!
das ist schließlich keine strafmaßnahme, sondern ein beruhigungsmittel.

weil körperliche ruhepositionen die stimmung ebenso beeinflussen wie die aufregungs-haltung.
wenn du dazu dann noch ausatmest und selber in die ruhe kommst, ist alles gut!

 

der auszucker ist vorbei. der schlimmste stress ist abgeklungen.
dein hund hat sich halbwegs wieder im griff. und du dich und ihn auch.

und jetzt darf ich dich an dein versprechen erinnern, ja?

jetzt nimmst du dir bitte das eigentliche problem vor, suchst die ursache und machst dich daran, die ursache zu beheben. du hast es versprochen!

such dir kompetente hilfe dafür, eine gute verhaltensberatung, eine/n erfahrenen und gewaltfrei arbeitenden hundtrainer/in. hol dir hilfe. du musst das nicht alleine hinkriegen.

und wenn es rundum niemanden gibt, dann schau doch mal, ob dir nicht der online-kurs „lockere leine – super kombi“, in dem auch die „coolen begegnungen“ enthalten sind, ein stück weiterhelfen könnte. hier findest du weitere infos dazu.

und nicht vergessen: ausatmen!

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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