denkfehler der hundeerziehung: “das muss er doch mal lernen”

es gibt diese momente in der hundeerziehung, wo man sich denkt:
“das muss er doch mal lernen!”

oft gefolgt von dem satz:  ich kann ja nicht
– immer nur anderen hunden meilenweit ausweichen
– auf ewig verhindern, dass er zum zaun rennt
– nie wieder besucher einladen

irgendwann muss der hund doch lernen,  gesittet an anderen hunden vorbei zu gehen.
(zu dem thema gibt’s übrigens tipps im kostenlosen webinar “schwierige begegnungen leicht gemacht”, zu dem du dich gleich hier anmelden kannst:)

irgendwann muss er doch verstehen, dass er besucher in ruhe lassen soll
oder dass er nicht zum zaun rennen und bellen soll.

wenn man sich diesen satz denken oder sagen hört, dann befindet man sich bereits in der sackgasse.
also stopp!
sonst wird womöglich alles noch schlimmer.

der gedanke verrät nämlich drei dinge:

1. der hund ist überfordert

ganz offenkundig ist der hund mit dieser situation vor allem eines:
überfordert!

es ist zu schwer für ihn.
er kann nicht anders.
oder er hat was völlig missverstanden (durch falsche bestätigung)

online hundeschule

es bringt daher nichts, den hund immer wieder dieser situation auszusetzen –
damit er’s endlich doch mal lernt.
er lernt es auf diese weise nicht.
das einzige, was er davon mitnimmt ist:
ich kann das nicht, es ist zu schwer, es ist frustrierend.

und: mein mensch lässt mich im stich.
es ist ja der mensch, der den hund in die überforderung rennen lässt
oder – wie bei begegnunge an der leine – überhaupt erst in die situation bringt.

damit der hund es lernen kann, die begegnung mal cool zu absolieren
oder besucher und zaungäst nicht mit lautstarkem bellen zu melden,
braucht er was anderes:

er muss diese situation mal so erleben können, dass er damit nicht überfordert ist,
dass er es schaffen kann und dass er mit dem richtigen (ruhigen) verhalten ein erfolgserlebnis einfährt.

wenn man sich also beim gedanken: “ich kann’s nicht auf ewig vermeiden, er muss es ja lernen” erwischt,
dann sollte man in wirklich keit überlegen:
wie kann ich es meinem hund leichter machen?
wie kann ich es so einfach machen, dass er es schafft.
und wie hanteln wir uns von da weg schrittchenweise weiter,
bis der hund tatsächlich mal die normale situation auch bewältigt?

 

2. der mensch verliert die geduld

natürlich ist es frustrierend, wenn immer wieder dasselbe passiert:
man bemüht sich, den hund ruhig zu halten oder abzulenken,
aber dann pöbelt er doch wieder an der leine oder rennt schon wieder bellend an den zaun.

hat man dann selber grade stress, kann schon mal der geduldsfaden reißen.
in wirklichkeit geht’s dem menschen dabei wie dem hund:
er ist gerade überfordert.
(vielleicht hilft einem das ja, mit dem hund etwas mehr mitzufühlen.
das gefühl, jetzt grad nicht mehr zu können und nicht weiter zu wissen,
haben in dem moment ja beide).

leider führt das dazu, dass der hund die kritische situation noch weniger gut hinkriegt.
der stress und frust des menschen übertragen sich auf den hund
und der kann dann erst recht nicht ruhig auf eine hundebegegnung reagieren
oder den radfahrer gelassen vorbei radeln lassen.

taucht also der gedanke “er muss es doch mal lernen! allmählich reicht’s” (oder so ähnlich) auf,
dann am besten mal kurz stopp.
in dem moment geht grad gar nichts mehr.
also durchatmen, sich und dem hund eine kurze auszeit geben.
und dann weiter machen wie in punkt 1 vorgeschlagen.

3. beiden fehlt der plan

der gedanke ” er muss es ja mal lernen” ist im wesentlichen eine wunschvorstellung.
es soll bitte anders laufen,
auch wenn sämtliche bisherigen bemühungen gescheitert sind.
eigentlich drückt das aus, dass man das ende der fahnenstange
und nicht weiß, was noch helfen könnte.

dem menschen fehlt der plan,
wie er den hund dazu kriegt, sich anders zu benehmen.
das muss man dem nämlich erst mal beibringen,
woher soller sonst wissen, was denn richtig und erwünscht ist?

dem hund fehlt nämlich auch der plan:
er weiß gar nicht, was er denn tun soll in dem moment.
er macht ja nur das, was seiner hundenatur und seinen lernerfahrungen entspricht.
dass sein mensch was anderes will, darauf muss er erst kommen
und dass muss ihm der erst genau zeigen.

unterm strich

wenn man sich mit dem gedanken oder dem satz “das muss er doch mal lernen” ertappt,
dann sollte der wie eine rote warnlampe wirken.
es heißt nämlich dann: umdenken in der erziehung.
irgendwas läuft verkehrt und der stumme appell “er muss doch aber mal….” bringt nichts.

lieber ein wenig überlegen,
einen vernünftigen trainingsplan zurechtlegen
und dann geht es oft überraschend schnell.

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

Comments are closed.