beschützerinstinkt oder unsicherheit? warum hunde fremde anbellen

irgendwelche menschen und vor allem fremde anbellen, das geht gar nicht.
den meisten hundeleuten ist es ziemlich peinlich, wenn ihr hund das macht.
oder sie ärgern sich und schnauzen ihren hund womöglich an.

so nachvollziehbar die emotion hinter dem anschnauzen ist
und so verständlich der wunsch, irgendwas zu tun, damit das ungute bellen aufhört,
so sinnlos ist das aber.
wenn’s blöd läuft (und das tut es meistens), nimmt der hund das alles noch als bestätigung fürs bellen.

nicht selten hört man dann den satz:

„mein hund hat halt einen ziemlichen beschützerinstinkt.“

gelegentlich landet bei mir auch die frage:
„kann das sein, dass mein hund mich beschützen will oder bellt er aus unsicherheit?“

fremde anbellen

in unserem menschlichen wertegefüge wäre und das beschützen lieber.
wer hat schon gern einen unsicheren hund!
dann lieber einen, der sich heldenhaft für seinen menschen in die schlacht wirft.
oder so.

nur leider liegt die sache fast immer anders.
mit dem beschützen haben die hunde es nicht so.

schutz suchen

sie suchen lieber selber schutz beim menschen.
was nicht überraschen sollte, wenn wir uns kurz das sozialgefüge vor augen führen.
im zusammenleben mit dem hund haben wir im wesentlichen die elternrolle,
unsere hunde fügen sich ein und orientieren sich an uns.

klar sucht der hund daher schutz bei seinem menschen,
wenn ihm was nicht geheuer ist.
und so steht er dann da, einen halben meter vor seinem menschen
und kann mit diesem rückhalt wagemutig den fremden menschen anbellen,
der ihm bedenklich erscheint.

die bedenken gelten aber der eigenen sicherheit.
in sehr seltenen fällen ist es die sorge vor mundraub
(der eigene mensch hat ja die hundeleckerli in verwahrung!)
oder der mensch wird gar als ressource betrachtet und daher verteidigt.

das sind aber die ausnahmen.
in aller regel ist es unsicherheit, die den hund zum bellen bringt.
oder aber angst vor bestimmten menschentypen oder fremden ganz generell.

(auf den unterschied zwischen unsicherheit und angst und wieso man im training damit anders umgehen muss,
geh ich näher ein im webinar „vom unsicheren hund zur coolen socke“, von dem du heute noch schnell die videoaufzeichnung anfordern kannst:

3 ursachen

die unsicherheit oder gar ängstlichkeit gegenüber fremden menschen kann verschiedene ursachen haben.

1. welpenzeit ohne menschenkontakt

ist der welpe in einer umgebung aufgewachsen,
in der er kaum oder gar keine (fremden) menschen kennengelernt hat,
sind ihm die auch später sehr gespenstisch.

das kann zum beispiel der fall sein,
wenn der hund von irgendeinem einsamen bauernhof stammt
und vielleicht auch noch sehr spät (also nach der 12. lebenswoche) dort abgeholt wurde.

oder der hund wuchs als straßenhund auf
und hat von anfang an eine scheu dem menschen gegenüber aufgebaut,
oftmals auch von seinen eltern und anderen erwachsenen hunden übernommen.

2. schlechte erfahrungen

hat der hund mit menschen wenig gute erfahrungen gemacht,
steht er ihnen klarerweise mißtrauisch bis ablehnend gegenüber.

wer den menschen als tretendes oder schlicht übergriffiges wesen kennen gelernt hat,
wer mit gewalt eingefangen wurde oder von den eigenen leuten strafe erzogen wurde,
erwartet zu recht nichts gutes von der menschheit.

solche hunde schließen sich in der regel einem menschen an,
tolerieren andere familienmitglieder noch halbwegs,
haben aber auf weitere menschen echt keinen bock.

3. bestimmte feindbilder

anders liegt die sache,
wenn der hund mit menschen insgesamt positive erlebnisse hatte,
aber mit einem bestimmten typus nicht.

ich kannte mal einen hund, der alte frauen in langen, weiten röcken nicht mochte,
weil die großmutter in der familie immer so grob zu ihm war.
andere mögen männer in uniformen nicht
oder fürchten sich vor menschen mit walking sticks.

ist kein eindeutiges muster erkennbar,
dann liegt es oft an der anspannung, unter der ein mensch steht,
oder an der einschüchternden körperhaltung.
sehr sensible hunde empfinden zum beispiel sehr große und kräftige menschen
mit tiefer stimme und herrischem auftreten als sehr unangenehm.

unabhängig von der ursache gilt in jedem fall:
der hund bellt die fremden an, weil er unsicher ist oder richtige angst hat.

es bringt also nichts, ihn dafür zu schimpfen,
oder ihn an straffer leine irgendwie vorbei zu schleußen.

er braucht vielmehr erstens das gefühl von sicherheit.
das entsteht in der regel durch einen ausreichend großen abstand
und ein entspanntes und ruhiges verhalten vom eigenen menschen.

zweitens ist es notwendig, mit ihm solche begegnungen zu üben.
schließlich will man sich ja nicht auf jahre hinaus
nur im 50 meter abstand an anderen vorbewegen können,
wenn man keine wütend bellende „bestie“ an der leine haben will.

tipps, wie das training ausschauen könnte, gibt’s im webinar „vom unsicheren hund zur coolen socke“ (schnell, gilt nur noch heute!)

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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