drei missverständnisse rund um angst beim hund

angst beim hund ist ein schwieriges thema und die betroffenen hunde werden häufig missverstanden.

das liegt einerseits daran, dass wir häufig erst die ausgewachsene angst mitbekommen,
nicht aber die ersten anzeichen von unsicherheit oder meideverhalten.
damit können wir dann nur mehr schwer gegensteuern
und im hund hat sich die angst schon verfestigt.

andererseits werden begriffe wild durcheinandergeschmissen:
wenn jeder anfangs vorsichtige und unsichere hund
oder jeder, der an der leine andere hunde anpöbelt,
gleich das etikett „angsthund“ zugeteilt bekommt, dann stiftet das nur verwirrung.

wir sollten schon unterscheiden zwischen
– dem neuen hund, der anfangs noch zurückhaltend ist und erst „auftauen“ muss
– dem generell unsicheren hund, der schnell von allem möglichen überfordert ist und wenig grundvertrauen hat
– dem hund mit spezifischen ängsten (zum beispiel vor uniformen, stöcken oder gewitter), der sonst ganz cool sein kann
– dem wirklichen angsthund, bei dem eine echte angststörung vorliegt und der sich oft jahrelang nur in seiner ecke verkriecht und kaum raustraut.

 

jeder von ihnen braucht eine andere form der unterstützung, wenn man ihm helfen will, besser durchs leben zu kommen. mehr dazu gibt es im neuen webinar „vom unsicheren hund zur coolen socke“, für das du dir deinen platz gleich hier reservieren kannst:

quer über alle typen hinweg gibt es aber bestimmte missverständnisse, die so weite verbreitet sind, dass wir sie uns mal vornehmen wollen.

1. „der hat keine angst“

wenn wir an angst beim hund denken,
sehen wir einen geduckten hund mit eingeklemmter rute und nach hinten gelegten ohren vor uns,
der sich vom acker macht, wenn er kann.

das ist allerdings nur ein gesicht der angst, jenes mit dem wir vertraut sind.
da gibt es aber auch noch die anderen:

da wäre mal der hund, der sich in sich verkriecht,
der einfriert und sich kaum noch rührt,
in der hoffnung, dass er unsichtbar wird, wenn er sich tot stellt.
achtung: der kann dann „plötzlich“ explodieren, wenn es ihm zu eng wird.

vor allem aber haben wir da die hunde, die nach vorne gehen, sich in die leine werfen und bellen.
oder die ohne leine auf den anderen (menschen/hund/radfahrer…) hinstürmen und ihn anbellen.

nur zu oft heißt es dann: „der hat doch keine angst!“
der sei unerzogen oder stürmisch oder aggressiv.
mit dem unterton: bei dem müsse man sich nur mal durchsetzen und ihm manieren beibringen.

dabei steckt auch hinter diesem verhalten die angst –
und die erahrung, dass angriff die beste form der verteidigung ist
und dass alle friedlicheren mittel nichts gebracht haben.

2. „der ist halt so“

eine neigung zu unsicherheit kann zwar genetisch bedingt sein,
das ist aber bei weitem nicht alles.

wir kennen aus der hundeforschung die „shyness-boldness“ achste von svartberg,
derzufolge hunde eine angeborene zurückhaltung (shyness) oder unerschrockenheit (boldness) mitbringen.
allerdings besagt die auch, dass sich die position entlang dieser achse verschiebt –
nämlich entsprechend den erfahrungen, die der hund in seinem leben macht.

es liegt nicht allein am hundetyp oder gar rasse des hundes,
da spielen viel mehr faktoren mit.
es ist auch nicht so, dass eine schlechte sozialisation
oder eine schwierige vergangenheit den hund auf ewig zur ängstlichkeit verdammen,
gegen die man halt nichts machen kann.

natürlich wird aus einem echten angsthund kein cooler draufgänger werden,
aber jeder hund kann ein stück mehr sicherheit, ein stück mehr selbstvertrauen entwickeln
und damit deutlich mehr lebensqualität gewinnen.

man darf sich nur nicht durch den irrglauben, dass der hund halt so wäre (und bliebe) zurückhalten lassen.

3. „daran muss er sich gewöhnen“

jeder ansatz, der mit „der hund muss (halt)….“ beginnt, ist zum scheitern verurteilt.
der hund muss gar nicht – und kann in der regel nämlich nicht.

einer emotion wie der angst
können wir nicht mit einem wunsch unsererseits („du musst aber“) begegnen.

mit dem gewöhnen ist das sowieso so eine sache.

gewöhnung kommt zwar vor, allerdings nur unter bestimmten bedingungen.
der hund gewöhnt sich dann an etwas,
– wenn etwas neu auftaucht
– wenn es neutral oder nur milde beunruhigend wirkt
– wenn er laufend die erfahrung macht, dass die sache harmlos ist.

hat man bereits angst vor etwas, dann funktioniert die gewöhnung nicht mehr.
keiner von uns, der angst vor spinnen wird sich an spinnen gewöhnen,
nur weil wir ihm ein paar taranteln ins schlafzimmer setzen.

ganz im gegenteil!

dem hund geht es genauso:
immer wieder oder gar täglich mehrmals mit der angst konfrontiert zu sein
und zwar auf eine weise, die den hund überfordert,
führt nicht zur gewöhnung
oder dazu, dass alles von alleine besser wird,
sonst macht’s in der regel noch schlimmer.

zum glück kann man gegen die angst beim hund aber durchaus was tun, mehr dazu dann im webinar „vom unsicheren hund zur coolen socke“.

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

Comments are closed.