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by brigid

August 30, 2026

sprüche über hunde

es gibt sprüche über hunde, die immer wieder zu hören sind.
die ganz leichtfertig geäußert werden und doch schwerwiegende folgen haben können.
nicht nur sind sie grundfalsch,
sie tun dem hund vor allem unrecht und führen dazu,
dass sich der mensch dem hund gegenüber unfair oder sogar rücksichtslos verhält.

nehmen wir uns die häufigsten fünf mal genauer vor:

1. „das machen die sich selber aus“

der spruch, dass hunde sich das angeblich selber ausmachen, wann taucht der auf?
wenn sie sich höflich begrüßen?
wenn sie freundlich miteinander rumschnüffeln?
wenn sie fröhlich miteinander spielen?

nein.
dann, wenn einer den anderen bedrängt oder es angespannt zugeht,
wenn es vielleicht kritisch wird.

also dann, wenn jeder verantwortungsbewusste hundemensch sich fragt, ob man nicht besser eingreifen sollte.
übrigens ein moment, wo es dafür oft schon reichlich spät ist.

(wann der richtige moment wäre und an welchen drei warnsignalen man erkennt,
ob eine hundebegegnung gut gehen wird, schauen wir uns demnächst im neuen (kostenlosen) webinar „hundekontakt zulassen oder nicht?“ an, für das du dir gleich hier deinen platz reservieren kannst:

es gibt natürlich häufig momente, wo hunde völlig kompetent miteinander kommunizieren.
tatsächlich ist es selbst in manchen kritischen situationen besser, nicht einzugreifen –
da muss man aber sehr genau wissen, welche diese sind und sich mit hundeverhalten sehr gut auskennen können,
um das einschätzen zu können.

wenn aber ein „die machen sich das selber aus“ kommt,
kann man mit großer wahrscheinlichkeit davon ausgehen,
dass zumindest einer der hunde gerade überfordert ist,
dass ihr sozialverhalten eben nicht souverän ist und der mensch sehr wohl gefordert wäre,
um schaden abzuwenden.

2. „der hat ein schlechtes gewissen“

hunde haben kein schlechtes gewissen.
sie wissen oft gar nicht, was sie denn falsch gemacht haben sollen,
schon gar nicht minuten oder gar stunden später.

der hund, der wegen seiner angst vorm alleinsein in die wohnung gemacht hat
und nun betreten schaut, hat kein schlechtes gewissen.

genausowenig der, der den schuh geklaut und zerbissen hat
und nun so schuldbewusst wirkt.

was sie – und viele andere in ähnlichen situationen – haben ist eines:
eine klare wahrnehmung davon, dass ihr mensch verärgert ist
und sich unfreundlich oder sogar bedrohlich benimmt.

daher senden sie beschwichtigungssignale:
sie wenden den blick ab, legen die ohren an und machen sich klein –
dinge, die für uns nach schuldbewusstsein aussehen,
in wirklichkeit aber schlicht die botschaft enthalten „tu mir bitte nichts“.

den hund genau in dem moment zu schimpfen oder zu strafen, ist so ziemlich das unfairste überhaupt.

3. „der will dich kontrollieren“

wenn der hund einen auf schritt und tritt nachläuft,
sich bei spazierengehen manchmal so fest an dich drückt, dass du einen ausfallschritt machen musst,
oder sich zu den menschen aufs sofa drängt, dann will er eines nicht:

menschen kontrollieren.

in aller regel ist er gerade unsicher und holt sich rückhalt oder sucht körperkontakt.
manchmal passt er auf, dass seine menschen ihn nicht alleine lassen und verfolgt sie deswegen.
und sehr oft ist er einfach etwas überdreht und muss daher überall dabei sein,
vielleicht ist daraus sogar schon eine aufmerksamkeitsheischende marotte geworden.

deswegen zu glauben, der hund stelle herrschaftsansprüche, ist grundverkehrt.
es ist völlig sinnlos oder sogar rücksichtslos (wenn der hund nämlich unsicher ist),
ihn auf seinen platz zu kommandieren, in seine schranken zu verweisen oder gar irgendwas mit „raumverwaltung“ zu betreiben.

wichtiger wäre es, den grund für das verhalten des hundes rauszufinden.
denn dem hund, der einen auf schritt und tritt nachläuft, geht es dabei nicht gut.
er braucht nämlich entweder mehr sicherheit oder mehr gelassenheit.

4. „da muss er eben durch“

im leben des hundes gibt es eben manchmal dinge, die er nicht schafft.
ob das nun die gruselige brücke, der enge aufzug oder der furchteinflößende traktor sind,
ob es sich um aufdringliche besucher handelt, die den hund unbedingt streicheln möchten,
oder einem auf einem schmalen gehsteig ein pöbelnder hund entgegenkommt –
der hund ist einfach überfordert damit.

ob er das mit meideverhalten und angst zeigt, mit aufregung und überdrehen oder abwehrverhalten, tut wenig zur sache.
fakt ist: er kann gerade nicht.

und ja: er sollte das lernen.
zum lernen braucht er aber zeit und die richtige herangehensweise.
nicht den spruch „da muss er eben durch“ und dann in die situation hineingezwungen werden.

übersetzt heißt das ja in wirklichkeit: „der hund soll sich da gefälligst besser benehmen“
oder sogar: „mir ist das zu blöd, auf den hund rücksicht nehmen zu müssen, und daher zwing ich ihn jetzt“.

besser wird dadurch natürlich nichts.
mit hoher wahrscheinlichkeit sogar schlechter.
das vertrauen des hundes in den menschen leidet darunter garantiert.

5. „dem macht das aber spaß“

diese letzte aussage, dass dem hund etwas doch aber spaß macht, ist besonders heimtückisch.
oberflächlich haben wir es dabei mit einem menschen zu tun,
der entweder möchte, dass seinem hund etwas spaß macht – woran der aber keine freude hat.
oder aber der tatsächlich glaubt, dass sein hund bei etwas spaß hat, was aus hundesicht ganz anders aussieht.

der satz dient als rechtfertigung und als antwort auf eine kritik von jemand anderem.
daran, dass der hund beim obedience-turnier oder im einkaufszentrum vielleicht wenig freude hat,
dass die vielen wurfspiele ihn stressen
oder dass er beim „spiel“ mit einem anderen hund gerade überdreht oder bedrängt wird.

alles situationen, in denen der hund sich grade unwohl fühlt oder in übermäßige erregung gerät.
dass das stressgesicht des hundes für den menschen fröhlich wirkt
und dass wir unsere wünsche, den hund überall dabei zu haben oder bestimmte dinge zu unternehmen, auf den hund übertragen,
dafür kann der hund ja nichts.

wenn man in sich den satz „dem macht das aber spaß“ aufsteigen fühlt,
ist man daher gut beraten, genauer hinzuschauen und die sache aus der hundeperspektive zu betrachten.

über die autorin 

brigid

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.