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by brigid

Juli 5, 2026

zeit für den hund

wieviel zeit braucht man für den hund jeden tag eigentlich?
die frage beschäftigt viele und das auf unterschiedlichstem niveau.

der gesetzgeber zum beispiel sagt (in österreich) „zweimal täglich sozialkontakt“ mit dem hund ist vorgeschrieben.
wie lange der dauern soll, steht nicht dabei.
unbefriedigend ist das ganze für das soziallebewesen hund sowieso..

am anderen ende des spektrums reden ratgeber von „mehreren stunden“ pro tag.
auch da wieder ohne konkrete angabe, aus wie vielen stunden denn „mehrere“ besteht oder was in diesen stunden stattfinden soll.

schauen wir uns das ganze daher mal etwas genauer an.

wieviel zeit pro tag man braucht und vor allem worauf die verwendet werden sollte, hängt ganz maßgeblich vom hund ab.
zwar auch vom alter, vor alle aber davon, in welcher phase der hund-mensch-beziehung und der erziehung er steckt.

(mehr zu dem thema gibt es demnächst im neuen webinar „von der erziehung zur beziehung“, für das du dir gleich hier deinen platz reservieren kannst:

wir wollen daher hier mal die art der zeit unterscheiden:

1. aktive zeit

als aktive zeit gilt alles, wo wir mit dem hund etwas unternehmen und der dabei aktiv ist.
also der tägliche spaziergang (oder mehrzahl) und das gassigehen,
die zeit für die auslastung des hundes, für seine such- und denkspiele.
und die zeit, in der wir mit dem hund etwas üben, ins training gehen oder irgendeiner sportart nachgehen.

wenn die frage auftaucht, wieviel zeit man denn pro tag für den hund braucht,
dann ist damit meist die aktive zeit gemeint.
und fast immer wird sie viel zu hoch angesetzt.

gerade sehr engagierte und noch nicht so erfahrene hundemenschen glauben,
dass es dem hund umso besser geht, je mehr sie mit ihm unternehmen.
da gibt es dann dreimal täglich spaziergang, einen besuch auf der hundewiese zum rumtoben,
zusätzlich wird geübt und an tricks oder suchaufgaben gearbeitet.

gut gemeint ist aber nicht automatisch gut.
für den hund ist das viel zu viel an aktivität, selbst wenn dabei keine wurfspiele, kein wildes gerenne oder heftiges zergeln stattfindet.

mit drei bis fünf stunden aktivität ist der hund überfordert und kommt schlecht zur ruhe.
das heißt ja auch: drei bis fünf stunden täglich informationen verarbeiten, außenreize bewältigen,
aufmerksamkeit halten, konzentration aufbringen, und so weiter.

die hälfte davon würde dem durchschnittlichen hund auch reichen.
abhängig natürlich vom hundetyp, seinem alter und der art der beschäftigung.

der umgekehrte fall tritt kaum auf.
ja, es gibt vereinzelt noch menschen, die denken,
dreimal täglich für 5 minuten mit dem hund raus zum lösen und ein bisschen rumlaufen im garten reicht auch,
(stimmt natürlich nicht),
aber das größere problem ist, dass mit dem hund zuviel als zuwenig gemacht wird.

2. passive zeit

unter passiver zeit mit dem hund versteht man die,  wo mensch und hund zeit gemeinsam verbringen,
dabei aber keine aktiviät für den hund stattfindet.

das sind die stunden des tages, wo der hund einfach dabei ist.
unterm bürotisch döst, im nebenraum zuhause schläft, im auto mitfährt….
und wo aus hundeperspektive nichts passiert.
(der mensch darf daneben gern was tun).

geht es nach den hunden, würden sie am liebsten ca zweiundzwanzig stunden des tages so verbringen.
also alle zeit, die nicht in die aktivzeit fällt.

ganz erfüllen lässt sich das nicht.
schließlich müssen dinge erledigt, einkäufe getätigt oder einem erwerbsleben nachgegangen werden.
solange trotzdem ausreichend gemeinsame zeit bleibt
und der hund nicht länger als im schnitt vier bis sechs stunden allein bleiben muss, geht das auch in ordnung.
(ausgenommen hunde mit trennungsangst, doch das ist ein anderes thema).

was nicht sein sollte:
aus lauter schlechtem gewissen, dass man den hund häufig und länger alleine lassen muss – er also auf weniger passivzeit kommt –
dann die aktivzeit hochfahren, um das vermeintliche defizit aufzuholen.
dem hund geht es aber nicht bloß ums gemeinsame tun, sondern vor allem ums gemeinsame sein.
und um die qualität der gemeinsam verbrachten zeit.

3. qualitätszeit

qualitätszeit zeichnet sich dadurch aus,
dass sie intensiv miteinander verbracht wird
und sowohl der hund als auch der mensch diese zeit als angenehm, positiv und freudvoll erleben.

qualitätszeit kann aktiv oder passiv sein.
sie kann ein gemeinsamer, interaktiver spaziergang sein
(statt nur nebeneinander herzulaufen und mit den gedanken ganz woanders zu sein),
sie kann beim üben entstehen, wenn beide bei der sache sind und spaß haben
(statt unter leistungsdruck zu stehen oder frustriert zu sein, wenn was nicht klappt)
oder sie kann aus entspanntem nebeneinander sitzen und liegen bestehen,
wenn man den anderen bewusst wahrnimmt, seinen rückhalt spürt und im augenblick präsent ist
(statt den hund automatisch zu tätscheln, während man fernsieht).

das schöne an qualitätszeit:
sie wirkt sehr intensiv und schon wenig davon bringt viel.
denn klarerweise kann man nicht 20 stunden des tages qualitätszeit bringen.
aber jeden tag zumindest ein paar minuten sind jederzeit machbar – wenn mensch will.

fazit

wieviel zeit man für den hund jeden tag aufbringen sollte, lässt sich nicht in stunden messen.
die formel wäre eher:
soviel aktive zeit, wie für den hund angemessen ist,
soviel passivzeit, wie dem menschen möglich ist
und jedenfalls jeden tag etwas qualitätszeit.

über die autorin 

brigid

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.