zwei gute gründe für zwei verschiedene signale für den rückruf

warum sollte man ausgerechnet für den rückruf nicht bloss ein signal verwenden?
wo ich doch genau das immer vertrete und nicht zuletzt hier ausführlich für ein einziges klares signal eingetreten bin?

der rückruf hat eine gewisse sonderstellung unter den signalen in der hundeerziehung.
erstens ist er superwichtig und womöglich lebensrettend – wenn er wirklich funktioniert.
zweitens braucht man ihn wirklich jeden tag, wenn der hund auch im freilauf unterwegs ist
(im unterschied zu einem platz oder bleib, das man nicht wirklich dauernd braucht, das einfach praktisch ist).

und drittens muss der hund auch in einer unter umständen extrem hohen erregungslage darauf hören –
ohne dass man ihn sonstwie beeinflussen oder unter kontrolle haben könnte.

natürlich gibt es hohe erregungslagen auch in anderen momenten –
für manche hunde zählen hundebegegnungen an der leine dazu, bei anderen ist es eher der briefträger oder die türklingel.
in diesen momenten ist der hund aber immer irgendwie anders gesichert: über die leine, durch einen zaun, in der wohnung…
daher lassen sich diese situationen selbst dann besser managen, wenn der hund grade zu aufgeregt ist.

nicht so beim rückruf.
wenn der hund da sehr aufgeregt ist, funktioniert entweder der rückruf nicht mehr
(was wir natürlich nicht haben wollen)
oder der hund muss trotz der erregungslage noch genug impulskontrolle aufbringen
und am besten reflexhaft und daher prompt auf den rückruf reagieren.

genau das macht den rückruf besonders.
er muss im alltag verlässlich funktionieren.
und er muss auch in besonderen situationen und bei hoher aufregung verlässlich funktionieren.

im prinzip sind das zwei unterschiedliche anforderungen
und daher rate ich zu zwei verschiedenen signalen.

1. der normale rückruf

der normale rückruf ist das uanbdingbare muss, das jeder hund können muss.
(ausgenommen hunde, die zeit ihres lebens nie freilauf haben)

es ist jenes signal, das wir von anfang an mit dem hund aufbauen
und gezielt und schrittweise mit höheren anforderungen üben.

für den rückruf gilt, das das signal drei anforderungen erfüllen muss:
es muss den hund dazu bewegen
– mit hoher begeisterung
– in hohem tempo
– von überall her zum menschen zu laufen.

die tipps, wie man das am besten erreicht und von anfang an richtig aufbaut, hab ich in einer kurzen videoserie zusammengefasst, die du hier bestellen kannst (kostenlos):

der rückruf hat nur ein problem:
er unterliegt durch den täglichen gebrauch – selbst bei bewusster handhabung – der ermüdung.
für viele hunde ist das kein problem.

für jene aber, die in hohe erregungslagen verfallen, schon.
jagdlich motivierte hunde zum beispiel finden den normalen rückruf beim anblick eines aufspringenden hasen nicht mehr „besonders“ genug.
wie auch!

etwas, was man täglich hört, kann gar nicht sooooo besonders sein.
das kann man vergleichen mit dem anruf von lieben menschen.
sagen wir mal mensch A und mensch B sind beide gleich gut mit dir befreundet,
ihr unterhaltet euch gleichermaßen angeregt, wenn ihr telefonieren könnt.
mensch A ruft dich täglich dreimal an und erzählt dir, was sich grade tut.
mensch B aber lebt am anderen ende der welt und ruft nur alle paar wochen mal an.

über welchen anruf freust du dich mehr?
bei welchem reagierst du angeregter und rascher?
ganz klar: bei dem, der seltener vorkommt.

das ist eine grundregel: seltenheit erhöht den wert, steigert das interesse.
genau dasselbe gilt auch für hunde und die rückruf-signale.
und genau deshalb empfiehlt sich für alle hunde,
die in manchen momenten nur schwer zu halten sind,
der aufbau eines zweiten und „besonderen“ signals für den rückruf.

2. der super rückruf

unter dem super-rückruf versteht man ein spezielles rückruf-signal,
das zwei besonderheiten aufweist:

erstens: es wird besonders hochwertig aufgebaut.
noch viel hochwertiger, attraktiver und spannender als der normale rückruf.
hat der normale rückruf die bedeutung von „große freude“,
so soll der super-rückruf die bedeutung von „riesen freude über weihnachten, ostern und geburtstag in einem“ haben.

zweitens:er bleibt etwas ganz besonderes
und unterliegt nicht der signal-ermüdung
(jedenfalls nicht, wenn du richtig damit umgehst).
der super-rückruf bleibt besonderen gelegenheiten vorbehalten
und kommt höchstens alle paar tage mal vor, wenn überhaupt.
das hält ihn frisch und unverbraucht und unvergleichlich spannender als den normalen rückruf.

wenn man einen super-rückruf aufbauen will,
dann muss zuerst ein eindeutiges signal als eine art „schlachtruf“ aufgebaut werden.
irgendein wort, das einem in der hitze des gefechts rasch und leicht über die lippen kommt
und das sich gut und begeistert rufen lässt.
(ich verwende sehr gern ein „bingo“ oder ein „jööööö, schau“ dafür.)

dieses wort heißt für den hund nichts anderes als:
mein mensch hat grad was megatolles (sieh weihnachten, ostern und geburtstag in einem) gefunden 
und ich krieg das jetzt gleich!

mit dieser bedeutung muss das signal natürlich erst durch entsprechende trainingsschritte verknüpft werden.
ganz wichtig: klarerweise so, dass der hund dabei nicht fehlgehen kann.
und mindestens so wichtig: nicht zu oft hintereinander, sonst verliert die sache ihren besonderen reiz.

(wer sicher gehen will, das super-signal korrekt einzuüben und dann wirklich ein verlässliches instrument zu haben, dass auch noch bei hase oder anderem hund funktioniert, kann das mit dem online-kurs „super rückruf“ aufbauen).

zum einsatz kommt der super-rückruf erst dann, wenn die sache wirklich „sitzt“.
dann aber müsste es den hund selbst dann von den füßen und zu dir rumreißen, wenn ein hase aufspringt
oder ein hundekumpel ihm entgegenläuft.

besonders im positiven sinn bleibt der super-rückruf allerdings nur,
wenn er nicht immer nur im ernstfall zur anwendung kommt.
es braucht immer wieder übungsdurchgänge dazwischen, damit er auch verlässlich und ganz besonders bleibt.

der vollständigkeit halber noch eine kurze anmerkung:
der super-rückruf ist dann angesagt, wenn der hund sich mit besonderen auslösern wie jagdbeute, einem anderen hund oder seinem individuellen „angstgegner“ schwertut, sonst aber gelassen und entspannt ist.
wenn er beim rückruf deswegen schlecht hört, weil er insgesamt schnell aufgeregt ist und sich durch alles mögliche gleich ablenken ist, dann muss erst mal der generelle erregungspegel runter und es reicht dann vermutlich der ganz normale rückruf.

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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