warum stress beim hund ganz normal ist (und wann er zum problem wird)

über den stress beim hund wird ja viel diskutiert.
da gibt es die eine seite, die rundheraus behauptet, das wär alles bloß mode und einbildung.
dann gibt es die andere seite, die in jeder kleinen regung des hundes schon stress sieht.
und wie immer liegt die wahrheit irgendwo dazwischen.

stress ist per se nichts negatives.
im gegenteil: er wurde von der natur als mechanismus zur anpassung eingerichtet.
denn immer, wenn ein tier mit neuem oder mit veränderungen
– in der umwelt,
– im sozialgefüge
– oder im eigenen körper konfrontiert ist
muss es was tun.
oder zumindest schauen, ob es was tun muss.

stress als anpassungsreaktion

dazu braucht der körper etwas mehr energie, er muss „aktiviert“ werden.
für diese aktivierung sorgen nun die bekannten stresshormone adrenalin und cortisol.
sie haben eine wichtige funktion:
einerseits für mehr muskelspannung, gesteigerte herz/kreislaufaktivität, gute sauerstoffversorgung und angeregten stoffwechsel zur energiebereitstellung zu sorgen.
andererseits müssen die körperfunktionen, die (für die akute situation) unnötig energie verbrauchen wie verdauung oder immunabwehr gedrosselt werden, schlicht um energie zu sparen.

man spricht bei diesem physiologischen abläufen von der „stressreaktion“.
sie hilft dem hund, sich an die anforderungen des lebens anzupassen.

das können kleine dinge sein, wie das hungergefühl und daraufhin die aktive suche nach nahrung.
das können auch heftige stressreaktionen sein, wie eine flucht- oder kampfreflex beim auftauchen ernster gefahren.

in der natur dauert so eine situation nicht endlos an.
sie wird bewältigt, die aktivierungsphase ist vorbei und es kann die erholungsphase einsetzen.

so weit, so gut.

die probleme entstehen dann, wenn die stressreaktion beim hund so oft getriggert wird,
dass er aus der aktivierungsphase gar nicht mehr herauskommt
und in einer dauererregung bleibt.

fehlende erholungsphase

die erholungsphase kann nicht ausreichend oder gar nicht stattfinden,
der organismus bleibt mit stresshormonen geflutet
und wir haben einen hund mit chronischem stress.
samt den folgeschäden, die sich daraus für die gesundheit und das verhalten ergeben.

ein bisschen stress ist also völlig normal,
ja sogar notwendig, damit der hund stresstoleranz entwickeln kann,
zu viel stress wird aber rasch zum problem.

vor allem deswegen, weil wir menschen den stress beim hund oft erst im späteren stadium erkennen.
wenn er also schon ein chronisches stress-problem hat.

wichtig für ein vernünftiges stressmanagement wäre aber, den stress frühzeitig zu sehen,
um rechtzeitig gegensteuern und alles im normalen rahmen halten zu können.
mehr dazu dann demnächst im neuen (kostenlosen) webinar „stress rechtzeitig erkennen“, für das du dir hier gleich deinen platz reservieren kannst:

 

stress beim hund

wenn wir an stress beim hund denken,
haben wir meistens die großen aufregungen des alltags im sinn:
die hundebegegnung, bei der er ausflippt.
das wütende bellen am zaun oder bei der türklingel.
das panische erschrecken bei jedem traktorgeräusch.

also jene situationen, die auch uns menschen stress machen.
weil wir uns mit aufregen, weil uns die situation nervt oder wir nicht wissen,
wie wir damit umgehen sollen.

verkannte stressursachen

das verstellt uns den blick darauf,  woher der stress beim hund wirklich kommt.
denn natürlich sind die großen brocken auch große stressauslöser.
es gibt aber noch andere, die sich ziemlich auswirken können – vor allem in summe.

1. körperliche stressoren

manche stressfaktoren lauern im inneren des hundes.
einige sind weniger schlimm, wie hunger, durst, hitze oder kälte,
wenn sie nur kurz anhalten und der hund das bald durch trinken, fressen, in den schatten gehen oder sich ins warme zurückziehen beheben kann.

anders sieht es aus mit körperlichem unbehagen oder schmerzen.
wenn dem hund oft übel ist oder er magenschmerzen hat
(wir erinnern uns: in der stressreaktion wird auch die verdauung gedrosselt, das hat seine auswirkungen),
wenn er gelenksprobleme hat und ihm der rücken oder die hüfte wehtut,
wenn er unter organischen beschwerden leidet oder einfach nur kopfweh hat,
dann kann er das nicht selber so schnell in den griff bekommen.

da hunde schmerz oft kaum oder gar nicht zeigen,
ist es gar nicht so leicht für uns menschen, das rechtzeitig mitzubekommen,
bevor sich daraus eine ziemliche stressbelastung ergeben hat.

2. psychische stressoren

noch schwer zu entdecken sind jene inneren stressauslöser,
die emotionaler oder psychischer natur sind
und sich noch nicht in extremem verhalten entladen.

wenn ein hund vor panik flüchtet, kriegen wir das natürlich mit und wissen, dass er stress hat.
wenn er sich aber generell etwas unsicher fühlt
oder bestimmten dingen zwar ängstlich begegnet, dabei aber kein auffälliges verhalten an den tag legt,
dann sieht die sache schon anders aus.

am allerwenigsten fällt uns auf,
wenn der hund unter psychischem druck steht:
unter leistungsdruck, wenn er etwas besonders gut machen will
oder aber die konsequenzen einer schlechten leistung vermeiden will.
(die müssen gar nicht drastisch sein. enttäuschung, frust oder ein leichtes grummeln vom menschen reichen völlig).

er empfindet erwartungsdruck vom menschen als druck auf sich,
oft ohne recht zu wissen, wie er dem begegnen kann.

schließlich zählt zu den wichtigsten psychischen stressoren noch die erwartungsunsicherheit,
also nie recht zu wissen, was einen erwartet,
was bevorsteht oder wie der mensch nun reagieren wird.

dann gibt’s da noch frustration, anspannung, ärger oder angst
als große psychische stressauslöser.
da kommt einiges zusammen, was man gar nicht so deutlich sieht.

3. alltägliche stressoren

auch nicht vergessen dürfen wir die alltäglich auftretenden stressoren.
es sind oft unauffällige, scheinbar harmlose kleine aufreger,
bei denen wir uns nicht viel denken.

hampelt der hund halt rum, wenn wir uns zum spazierengehen fertig machen.
duckt er sich halt weg, wenn wir ihm das brustgeschirr anlegen
oder gähnt er eben ein wenig, weil wir uns zum kopftätscheln über ihn gebeugt haben.
alles nicht so schlimm, oder?

jedes einzelne ding für sich wär auch tatsächlich nicht so schlimm (allerdings völlig unnötig),
in summe macht das im lauf des tages aber einiges aus.

und vor allem: der hund baut ja erwartungshaltungen auf.
er weiß, dass es jetzt gleich aufregend wird oder er gleich bedrängt werden wird,
wenn wir dies oder jenes tun.
er spannt sich schon an, weil gleich eine angespannte situation kommen wird.
das macht die summe der aufregungen noch größer.

unterm strich – haben der hund ein stress-problem
und wir wissen gar nicht so recht, woher es kommt.
oder aber, wie wir es wieder wegkriegen können.

darum ist es so wichtig, den stress gleich zu erkennen und beurteilen zu können: ist das noch ok oder müssen wir was tun?
also gleich anmelden zum webinar:

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brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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