warum click für blick so oft schief geht

in der theorie klingt click für blick super:
der hund schaut einen entgegenkommenden hund ruhig an,
daraufhin wird er von seinem menschen mit einem click (oder anderem markersignal) punktgenau bestätigt
und lernt daraus, dass er bei hundebegegnungen ruhig bleiben soll.

doch nur zu oft läuft es so nicht.
man probiert das click für blick mit dem eigenen hund,
doch wirklich besser werden hundebegegnungen dadurch nicht.

click für blick

click für blick hat nämlich zentrale schwächen, die häufiger zum scheitern als zum erfolg führen.

fixierung auf den blick

allen voran leidet das konzept an der menschlichen perspektive,
unserer fixiertheit auf den blick aufs gegenüber, den hunde aber ganz anders machen als wir.

click für blick sieht zwar vor, dass ruhiges verhalten des hundes beim anblick eines anderen hundes belohnt wird.
allerdings verknüpft es das ruhige verhalten mit dem „ruhigen blick“.

viele hunde vermeiden den direkten blick bei der annäherung aber erst mal,
es wirkt oft sogar so, als hätten sie den anderen noch gar nicht wahrgenommen.
was nicht zutrifft.
natürlich wissen sie längst schon, dass da ein anderer hund ist.

sie versuchen, durch das scheinbare desinteresse
oder aber das gezielte blick abwenden als beschwichtigungsgeste
anspannung aus der begegnung zu nehmen.

genau dieses verhalten müsste bestätigt werden.
geht die situation nämlich weiter und der hund erst mal zum blickkontakt über,
ist es eigentlich schon zu spät.

ein click erst in dem moment führt den hund auf die falsche fährte.
wir wollen ihm ja nicht signalisieren, dass beschwichtigung nicht zählt.
ganz im gegenteil: je früher er von sich aus deesakliert, umso besser!
das letzte, was wir ihm beibringen wollen, ist das bleibenzulassen
und stattdessen den anderen hund direkt anzuschauen.

starren statt schauen

schon gar nicht wollen wir den hund dazu erziehen, andere hunde anzustarren.
genau das passiert aber versehentlich sehr leicht.

wir menschen sehen ja vom hund bei hundebegegnunen in aller regel nur den hinterkopf.
dass er den anderen hund – wie bei click für blick gefordert – überhaupt anschaut,
merken wir meist erst dann, wenn er bereits innehält, den kopf etwas höher nimmt
und eindeutig „schaut“.

wie der hund hier, bei  dem  ein click in diesem moment schon viel zu spät käme.

click für blick

das ist dann nämlich kein ruhiges schauen mehr,
sondern bereits der erste ansatz von starren oder sogar ausgeprägtes fixieren.
beides sind drohgebärden und angespanntes verhalten, das wir eben nicht bestätigen wollen.
auch dann nicht, wenn wir durch den click erreichen,
dass der hund den anderen nicht weiter fixiert und sich stattdessen zu uns umdreht.

die botschaft soll ja nicht sein:
„marschier auf den anderen hund zu und starre ihn zuerst an,
dann wirst du belohnt“.

klar ist das nicht der plan hinter click für blick.
doch wer die körpersprache seines hundes nicht supergenau lesen kann
und auch nur den bruchteil einer sekunde zu spät dran ist,
landet unweigerlich bei der bestätigung fürs starren.

(übrigens: zum thema körpersprache und wie man rechtzeitig erkennt, was los ist, gibt es demnächst mehr im kostenlosen webinar „sprichst du hund?“, zu dem du dich gleich hier anmelden kannst:

 

umorientierung statt blickkontakt

click für blick ist an sich nur als allererster schritt im training gedacht,
doch viele bleiben genau bei diesem ersten schritt hängen
und kommen vom anstarren des anderen hundes nicht weg.

das ziel bei einer hundebegegnung sollte aber sein,
dass der eigene hund sich beim auftauchen eines anderen automatisch seinem menschen zuwendet
und „nachfragt“, wie die situation bewältigt wird.

die umorientierung zum eigenen menschen ist deswegen so zentral,
weil sie einerseits überlegtes und selbstbeherrtsches verhalten beim hund schult
und andererseits dem mensch-hund-team die besten chancen gibt,
die situation gemeinsam gut zu bewältigen.

natürlich kann man das auch aus einem (korrekt aufgebauten) click für blick heraus entwickeln,
leichter ist es in der praxis aber meist,
wenn der hund gleich fürs gewünschte verhalten – nämlich das umorientieren – bestätigt wird,
und nicht zuerst fürs hinschauen geclickt wird und dann lernen soll,  sich zu seinem menschen umzuwenden.

völlig korrekt ist es jedenfalls, gezielt das ruhige verhalten des hundes beim anblick eines anderen hundes zu belohnen.
das ist ja auch die idee hinter click für blick.
es sollte nur breiter definiert und nicht an den blick des hundes gebunden werden,
wie der name etwas irreführend nahelegt.
aber „click für cool bleiben“ geht halt nicht so ins ohr wie click für blick ;-).

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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