partnerschaft mit dem hund: kann es die überhaupt geben?

ist es überhaupt möglich, eine partnerschaft mit dem hund zu haben?
wir wünschen uns das vielleicht, wir wollen einen “besten freund” an unserer seite
(und bemühen uns hoffentlich, auch ihm ein bester freund zu sein),
wir pflegen einen freundschaftlichen und fairen umgang mit unserem hund.

aber kann es wirklich eine echte partnerschaft mit dem hund geben?

schauen wir uns mal die definition einer partnerschaft an, dann ist das erst mal recht nüchtern: eine gemeinschaft, die auf dem austausch von ökonomischen, sozialen und/oder emotionalen dienstleistungen beruht.

diese grundvoraussetzung ist für unsere hunde und uns relativ leicht erfüllt.
schließlich haben wir eine aufrechte lebensgemeinschaft,
wir bieten dem hund jedenfalls ökonomische dienstleistungen, nämlich futterversorgung, unterkunft und materielle sicherheit.
wir haben soziale dienstleistungen anzubieten – als bindungsperson und sozialer rückhalt.
und zu einem mehr oder weniger großen teil auch emotionale dienstleistungen: nämlich (hoffentlich!) das gefühl von sicherheit, geborgenheit und freude.

umgekehrt bekommen wir als menschen vom hund zwar nicht gerade ökonomische dienstleistungen (außer dein hund arbeitet auch für dich und ihr verdient damit geld), jedenfalls aber soziale dienstleistungen (also rückhalt, bindung, gemeinschaft) und jede menge emotionale.
zahlreiche studien haben inzwischen nachgewiesen, wie sehr wir emotional alleine von der anwesenheit eines hundes profitieren, erst recht vom zusammenleben mit dem eigenen hund.

macht das alles aber schon eine echte partnerschaft mit dem hund aus?

hmmm….. ich würde ja wirklich gerne “ja” sagen.
zögern lässt mich daran aber vor allem eines:

in einer partnerschaft finden sich zwei wesen freiwillig und gleichberechtigt zusammen.

und genau das ist mit dem hund eher schwierig.

ist der hund freiwillig bei uns?

ja und nein.

in manchen fällen war es vielleicht wirklich so, dass sich der hund seinen (neuen) menschen ausgesucht hat,
in aller regel ist es aber doch meist so, dass wir menschen die entscheidung treffen, welcher hund zu uns kommt.
mitspracherechte hat er da nicht viele.
wieder ausziehen kann er auch nicht so leicht, wenn es ihm bei uns nicht recht gefällt.

der hohen sozialen bindungsfähigkeit (und der verzeihenden art der hunde) ist es zu verdanken,
dass sie – auch ohne uns selber ausgesucht zu haben – trotzdem eine sehr enge beziehung zu uns eingehen
und uns jedenfalls das gefühl geben, ihr traumpartner zu sein :-).
(wir können uns ja auch laufend bemühen, in diese rolle hinein zu wachsen).

ist der hund gleichberechtigt?

noch schwieriger ist es mit dem zweiten kriterium: gleichberechtigt.
es ist schon nicht ganz einfach für zwei menschen, eine wirklich gleichberechtigte partnerschaft zu führen.
mit dem hund wird’s aber wirklich schwierig. eigentlich unmöglich.

schlicht deswegen, weil der hund mit uns in einer menschenwelt lebt und viele entscheidungen gar nicht treffen kann.
weil sie ihn überfordern würden, weil es seine sicherheit erfordert, weil es seinen horizont einfach übersteigen würden.

nun kann man sich zwar auch in einer partnerschaft aufgaben teilen,  und natürlich gibt es auch eine aufgabenteilung in der partnerschaft mit dem hund.  (wir beschaffen das futter, der hund wärmt uns die füße im bett…. oder so).
von einer gleichberechtigten aufteilung kann aber natürlich nicht die rede sein.

schließlich haben wir die verantwortung für den hund, für sein wohlergehen und seine sicherheit.
eben weil er selber nicht dafür sorgen könnte – zumindest nicht, solange er mit uns zusammenlebt.
da sind die regeln des gemeinsamen haushaltes und der menschenwelt einzuhalten.

weil es also doch nicht so ganz treffend ist, von einer echten partnerschaft mit dem hund zu reden,
verwende ich viel lieber den begriff “team”, genauer gesagt “dreamteam”, damit auch klar ist, dass es sich um eine möglichst gute beziehung handelt, um ein optimal zusammengespieltes team.

wie man ein solches dreamteam wird, wie man möglichst partnerschaftlich mit dem hund zusammenlebt, hab ich in der broschüre “in 7 schritten zum dreamteam” ausführlicher beschrieben. du kannst die gleich hier bestellen (kostenlos): 

hier aber kurz das wichtigste zusammengefasst:

partnerschaft mit dem hund

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wer eine partnerschaft mit dem hund anstrebt, muss sich klar sein, dass uns einiges trennt, vieles verbindet und manches zu kultivieren ist.

1. was uns trennt

wir leben in zwei verschiedenen welten, auch wenn wir im selben haushalt leben.
wir nehmen die welt anders wahr als unser hund,
vor allem aber haben die dinge in dieser welt für uns eine völlig andere bedeutung.

es gibt also schon eine ordentliche kulturelle kluft zu überbrücken, und das jeden tag!
nicht nur für uns. für unseren hund mindestens so!

manchmal gelingt es besser, manchmal weniger bemühen sollten wir uns aber immer darum.

wir haben auch sehr unterschiedliche rollen.
unsere als mensch ist am besten zu vergleichen mit der rolle eines umsichtigen elternteils,
der die verantwortung für sein kind trägt und auch wahrnimmt,
dem hund dabei aber so viel freiraum lässt, wie nur möglich, damit der auch hund sein kann.

das sagt sich viel leichter als es ist.
die abwägung, wieviel verantwortung und orientierung der hund braucht und wieviel freiraum und selbständigkeit wir zulassen können, hängt ja nicht nur vom jeweiligen hund ab, sondern ist in jeder situation an jedem tag wieder neu zu treffen.

außerdem tun wir menschen uns oft mit dem thema kontrolle schwer.
wir haben gern viel zu viel davon, wir können zu richtigen kontroll-freaks werden.
die ganze herkömmliche hundeerziehung sagt uns außerdem dauernd vor, dass wir nur ja jederzeit den hund völlig unter kontrolle haben müssen.

da kann es schon mal schwer fallen, sich wieder dran zu erinnern, dass man doch partnerschaftlich  mit dem hund leben wollte und dass dazu gehört, nicht dauernd die kontroll-keule zu schwingen.

 

2.was uns verbindet

zum glück gibt es ganz viele dinge, die uns mit dem hund (und umgekehrt) verbinden,
die unsere inzwischen jahrtausende alte gemeinsame geschichte erst ermöglicht haben
und die uns heute die möglichkeit geben, unsere beziehung zum hund nochmal auf ganz neue beine zu stellen.

als allererstes leben wir beide in ähnlichen sozialen strukturen, nämlich in familienverbänden.
das verbindet und macht das zusammenleben von zwei so unterschiedlichen spezien überhaupt erst möglich.

dann erfüllen hund und mensch immer auch eine wichtige voraussetzung für eine partnerschaft:
das zusammenleben in einer lebensgemeinschaft, die geprägt ist von zuneigung und liebe.
und das auf eine viel unkompliziertere art als es meist zwischen mensch und mensch abläuft!

und schließlich verbinden uns gemeinsame interessen (spazieren gehen, spielen, …) und der spaß an gemeinsamen aktiviäten.
eine beziehung entwickelt sich ja erst aus den dingen, die man miteinander unternimmt und gemeinsam erlebt.
(das ist hoffentlich mehr als nur der tägliche spaziergang und das gemeinsame dach über dem kopf).

wer sich da immer mal wieder was neues für seinen hund und sich einfallen lässt, ist sicher auf einem guten weg.

 

3. was es braucht

spannend wird es, wenn wir uns anschauen, was es für eine gute partnerschaft braucht.
unter menschen werden da häufig genannt: ein gemeinsames lebensziel, liebe und zuneigung, verlässlichkeit, gute kommunikation, anerkennung füreinander, respekt dem anderen gegenüber.

da steckt vieles drin, was man genauso für die partnerschaft mit dem hund übernehmen kann.
(das gemeinsame lebensziel vielleicht ausgenommen, da hat der hund meist andere prioriäten wie der mensch).

auch die beziehung zum hund wird umso besser, je besser die kommunikation läuft.
da muss der hund einiges lernen, um uns menschen gut zu verstehen (insbesondere klarheit zu haben, was wir mit unseren wörtern und gesten nun grade von ihm wollen). und natürlich müssen wir menschen lernen, den hund und seine sprache zu verstehen und auch auf diese hundesprache rücksicht zu nehmen (ich sag nur: körpersprache des menschen und ihre wirkung auf den hund!

für das thema anerkennung als wichtiger grundstein für eine gute partnerschaft gibt es eine schöne definition:
“dass der andere sieht, wie außergewöhnlich und bedeutend wir sind”.
beschreibt das nicht das talent unserer hund am besten?
wer sonst gibt uns ein derartiges gefühl von vollkommen anerkannt und akzeptiert zu sein, so wie wir sind!
wer sonst freut sich so über uns (so wie wir sind) und hält uns für den nabel der welt und etwas ganz besonderes!

meist beruht das auf gegenseitigkeit.
wenn auch verschiedene probleme im alltag oder mit unerwünschtem verhalten des hundes die anerkennung etwas trüben können.
genau deswegen ist es ja auch so wichtig, diese probleme rasch anzugehen und zu verbessern oder zu lösen, damit nämlich die anerkennung füreinander und die beziehung nicht darunter leiden.

unterm strich…

können wir hunde als eigenständige wesen mit ihren eigenen emotionen, bedürfnissen und mit rechten sehen?
unbedingt!

können wir sie als völlig gleichberechtigt und im gleichen maße eigenständig und für sich selbst verantwortlich behandeln wie uns selber, damit es die kriterien einer “partnerschaft” erfüllt?
eher nicht.

können wir uns in allen anderen punkten – respekt füreinander, gemeinschaft leben, gute kommunikation, ….. – darum bemühen, so partnerschaftlich wie möglich mit unserem hund umzugehen?
unbedingt!
sollten wir auch täglich. tipps dazu gibt es übrigens für dreamteams jede woche neu!

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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