was kann die NILIG methode? pro & contra

NILIG steht als abkürzung für „nichts im leben ist gratis“
(übersetzt vom englischen „nothing in life is free“)
und wird als positive methode gesehen, dem hund grenzen und geduld beizubringen.

die grundidee ist im titel bereits enthalten: umsonst bekommt der hund gar nichts.
er muss sich alles mit einem gesitteten hinsetzen „verdienen“.

futter, spielsachen, rausgehen, zuwendung vom menschen….
alles bekommt der hund nur dann,
wenn er sich davor brav hinsetzt und wartet.

manche interpretieren das sogar so,
dass sich der hund die ganze futterration häppchenweise im lauf des tages
mit einem braven „sitz“ verdienen muss
und nicht einfach einen vollen futternapf hingestellt bekommt.

der hund soll lernen:
man muss was („richtiges“) tun, wenn man was haben will.

NILIG

zur anwendung kommt die NILIG-methode üblicherweise dann, wenn
1. der hund ungeduldig und schnell frustriert ist
2. der hund ungestüm und hektisch ist
3. der hund fordernd ist und keine grenzen respektiert.

nicht in allen diesen fällen macht das viel sinn.

geduld durch NILIG?

nehmen wir einen hund, der schlicht nie gelernt hat, dass man auch mal warten kann.
und dann stellen wir uns vor,
dieser hund soll nun von heute auf morgen für alles und jedes erst mal höflich per „sitz“ anfragen.
selbst wenn er nur gestreichelt werden möchte
oder wenn er dringend raus und pinkeln muss.
immer erst artig „sitz“.

was ist wohl das ergebnis?
geringer wird der frust des hundes auf keinen fall
und besser umgehen kann er damit schon gar nicht.

(wie man geduld beim hund sehr wohl aufbauen kann, dazu demnächst mehr im kostenlosen webinar „warten bitte! wie der hund (mehr) geduld lernt“.

natürlich spricht nichts dagegen,
dass der hund ruhig sitzt, währen man sein futter zubereitet.
das hat wohl jeder hund von welpenalter an gelernt.

oder dass er ruhig sitzen soll, während man ihn anleint
oder sich selber zum weggehen fertig macht
oder wenn man unterwegs wo warten muss.

das sind aber alles fälle, wo man das dem hund erst beibringt
und wo es nicht darum geht, dass er sich durchs sitzen etwas „verdienen“ muss.

noch weniger sinn macht das NILIG-programm bei der zweiten kategorie von hunden.

gelassenheit durch NILIG?

der typische ungestüme und hektische hund ist vor allem ein gestresster hund,
also ein hund mit zuviel stresshormonen im körper un einem zu hohen erregungspegel.

ihm ist es in vielen situationen schlicht nicht möglich,
entspannt zu reagieren oder gelassen zu bleiben.

nicht, weil er nicht möchte, sondern weil er nicht kann.

von ihm nun plötzlich zu verlangen,
dass er dauernd brav „sitz“ macht, bevor er was kriegt,
ist zum scheitern verurteilt.

will man das trotzdem durchziehen, wird  der mensch meist deutlich nachdrücklicher
oder geht sogar zur strafe über.
mit positiver hundeerziehung hat das dann sowieso nichts zu tun
und der hund reagiert darauf entweder mit einschüchterung
oder er wird noch hektischer.

bei einem gestressten hund hilft nur ein vernünftiges anti-stress-programm,
um ruhe reinzubringen.
dann kann er auch mal ruhig sitzen und warten (wenn man’s mit ihm geübt hat).

grenzen durch NILIG?

das sitzen und sich alles „verdienen“ soll dem hund auch beibringen,
dass er nicht schlicht fordern kann,
sondern dass es regeln gibt, die er einhalten muss.

er soll also lernen, grenzen zu respektieren
und verstehen, dass nicht immer alles nach seinem kopf geht.

hat man einen hund vor sich, der nicht einfach nur gestresst oder ungeduldig ist,
sondern der wirklich forderndes verhalten an den tag legt,
dann macht es sinn, ihm ein paar regeln beizubringen.

entscheidend sind dabei zwei faktoren:

da wäre erstens mal die frage, wie rigide das durchgezogen wird.
einen hund von jetzt auf gleich auf „cold turkey“ zu setzen, endet nur im frust.
wenn er monate- oder jahrelang nie irgendwelche regeln kennengelernt hat,
ist es schlicht unfair, ihm jetzt für jede regung eine harte regel vor den latz zu knallen.

„nein, kriegst du nicht, darfst du nicht, machst du nicht – nicht ohne braves sitzen“,
das kann er nicht plötzlich einsehen.
das verwirrt den hund, lässt seinen frustpegel ansteigen und führt womöglich zu konflikten.

wie das weitergeht, hängt vom zweiten faktor ab:
nämlich der einstellung des menschen.

werden die neuen NILIG-regeln als anfordernis an gehorsamkeit oder gar als strafe gesehen,
dann finger weg.
das geht zu lasten des hundes und der mensch-hund-beziehung.

versteht man darunter ein umsichtiges einführen von ein paar grundregeln
(die vielleicht im lauf der zeit auch ausgeweitet werden),
die man dem hund vermittelt und beibringt, dann ist alles gut.

fazit

klar soll der hund nicht schrankenlos alles dürfen.
selbstverständlich muss er gewisse spielregeln einhalten.
natürlich soll er lieber mit einem sitz höflich um was bitten, statt es mit einem anspringen einzufordern.

doch ein striktes NILIG-regime sollte man sich zweimal überlegen.
wer von uns möchte schon lange bei jemandem zu gast sein,
wo man für jeden schritt vorher um erlaubnis fragen muss und
alles nur für wohlverhalten zugeteilt bekommt.

warum sollte dann ein hund sein ganzes leben so verbringen?
er soll seine regeln kennen und einhalten,
er soll aber genauso seine freiheiten haben.
und schon gar nicht sollen liebe und zuwendung vom wohlverhalten abhängig gemacht werden!

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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