deine nerven, dein hund und deine wichtigste aufgabe

unter den aufgaben eines hundehalters listet kein hundebuch (so weit ich weiß) “nerven bewahren” extra auf.
dabei würde das thema ein eigenes kapitel verdienen!

da liegt nämlich ein paradoxon begraben:
nichts bringt uns so schnell an den rand unseres nervenkostüms, wie unser hund.

wir sorgen uns um ihn und werden laut, wenn er abhaut oder irgendwas unterwegs frisst, was ja ein giftköder sein könnte.
wir reagieren genervt, wenn er was tut, was wir echt nicht haben können (und was wir ihm schon 100mal gesagt haben)
und wir verlieren die geduld, wenn er grad wieder gar nicht hört und wir’s doch eh schon stressig genug haben.

oder aber wir wissen eh schon, wann es brenzlig wird oder der hund stürmisch reagiert.
wenn dann ein anderer hund kommt oder der mensch, den er wild anspringen würde, oder was im gebüsch raschelt,
spannen wir uns schon vorsorglich an und machen’s dem hund damit noch schwerer, so ruhig zu bleiben, wie wir es ja eigentlich von ihm haben wollen.

alles zutiefst menschlich.  völlig nachvollziehbar.
aber hilfts dem hund?

sehr menschlich, aber nicht hilfreich

ganz und gar nicht, ganz im gegenteil!
(uns selber übrigens auch nicht wirklich).

in all diesen momenten würde der hund aber ganz was anderes von uns brauchen: eine gelassene reaktion,
einen umsichtigen menschen, der souverän reagiert und den hund ganz cool dirigiert.
dazu müssten wir allerdings selber impulskontrolle aufbringen und nerven bewahren.

nicht immer so leicht.

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schließlich reagieren wir ja nicht absichtlich verkehrt.
es sind normale menschliche emotionen und was ich vor kurzem über die gehirnfunktionen der hunde beschrieben habe, gilt für uns selber ganz genauso: auch wir reagieren entweder im reflex (und dann meist nicht so toll) oder überlegt (weil wir uns darin geschult haben).

impuskontrolle ist nichts, was nur hunde üben sollten!
für uns menschen ist das durchaus auch ein thema.
zum glück fällt es uns oft etwas leichter, uns darin zu üben.
es ist sogar verblüffend, welch simpel klingende kleinigkeiten dabei ziemliche wirkung entfachen können.

nehmen wir die anregung von letzter woche: die 10 sekunden, die über deine beziehung zum hund entscheiden.
hast du das vielleicht ausprobiert?

dann wirst du vermutlich eine von zwei erfahrungen gemacht haben:

entweder kamen dir die 10 sekunden endlos lang vor und du wurdest ganz ungeduldig. das wär dann ein sicheres zeichen davon, dass su selber unter zu viel druck und stress stehst. denn ehrlich: sooooo lange sind 10 sekunden wieder auch nicht.

oder aber es hat gut geklappt und du hast nicht nur bemerkt, dass dein hund darauf positiv reagiert, sondern dass es auch angenehme nebenwirkungen für dich gibt. so ein winziges bisschen entschleunigung kann schon helfen, druck rauszunehmen, durchzuschnaufen und selber wieder einen klaren kopf zu kriegen.  vielleicht hast du sogar gemerkt, dass du auch in anderen situationen einen tick gelassener bleiben konntest. und das mit bloß mal 10 sekunden warten!

impulskontrolle für menschen gefragt!

jetzt stell dir mal vor, was erst alles möglich wäre, wenn du tatsächlich gezielt etwas für deine impulskontrolle tust!

  • wenn du jedesmal ausatmest, wenn es irgendwie heikel wird
  • wenn du bei schwierigen begegnungen locker und fröhlich bleibst
  • wenn du statt mir erschrecken und druck souverän und umsichtig reagierst, wenn deinem hund gefahr droht
  • ….

deine wichtigste aufgabe deinem hund gegenüber ist nämlich genau das: nerven bewahren!
(wobei ich jetzt mal davon ausgehe, dass du ihm sowieso futter und wasser gibst und für seine bewegung sorgst, eh klar).

dein hund lebt in einer menschenwelt und ist auf deine umsichtige führung angewiesen, so wie kleine kinder auf ihre eltern.
je souveräner du das ausüben kannst, desto sicherer fühlt sich dein hund und desto mehr kann er sich entfalten.
und genau das wollen wir doch für unsere hunde!

der bloße appell “bleib doch ruhig” hat aber noch niemandem geholfen
(ganz im gegenteil, es gibt nichts nervigeres als diesen spruch, wenn man grad mit den nerven am ende ist!)

drum hab ich – weil das thema nun mal für das wohlergehen unserer hunde so wichtig ist – einen kleinen kurs mit einfachen und sehr wirkungsvollen übungen zusammengestellt: “nerven bewahren” heißt er (nicht sehr originell, ich weiß) und schult die impulskontrolle des menschen.
übrigens nicht nur im zusammenleben mit dem hund, lass dich überraschen, was die übungen für auswirkungen in deinem sonstigen leben haben können!

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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