gewohnheiten, gehirn und geduld: wie daraus impulskontrolle wird

impulskontrolle haben bedeutet, dass der hund nicht jeder regung gleich nachgibt.
also nicht sofort losstürmt, wenn sich was regt.
nicht gleich zum anderen hund hinrennt oder menschen begeistert anspringt.
nicht alles fressbare runterschlingt oder gleich zuschnappt, wenn ihm was nicht passt.

nein. er soll seine impulse im zaun halten können, auf später verschieben oder es ganz bleiben lassen.
das schafft er nur, wenn ein paar voraussetzungen gegeben sind.

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welcher teil des gehirns ist grade aktiv?

das gehirn besteht aus drei unterschiedlichen teilen:
dem evolutionsgeschichtlich ältesten teil, dem stammhirn, das unsere reflexe steuert.
dem mittelhirn, in dem die schaltzentrale für die verarbeitung von emotionen sitzt.
dem großhirn, dem sitz des denkens und überlegten handelns.

vereinfacht gesagt, übernimmt immer ein teil die steuerung und unterdrückt dabei die anderen beiden.
die frage ist nun: welcher teil ist grade aktiv?

der impulsive, emotionale, der den hund blind reagieren lässt?
oder der überlegte, klar denkende, der gelerntes gut ausführen kann oder sich erst mal einen überblick über die lage verschafft?

je niedriger der erregungspegel ist, je besser dein hund gelernt hat, sich erst mal alles in ruhe anzuschauen, bevor er loslegt, desto mehr wird er grad von seinem großhirn gesteuert. nehmen erregung und emotionen überhand oder gar blinde impulsivität, dann ist es ums erst mal überlegen und damit um die impulskontrolle geschehen.

natürlich spielen da eine ganze reihe faktoren eine rolle.
eine wollen wir uns aber im besonderen ansehen: gewohnheiten

die aufgabe von gewohnheiten

wir haben sie alle: unsere gewohnheiten.
die haben absolut ihren sinn.

wenn wir uns in jedem moment alles neu überlegen, neu entscheiden und neu herausfinden müssten, wie wir das tun, würden wir unendlich energie verbrauchen und nie was weiter kriegen.

es macht also sinn für den organismus, das, was wir mal als passendes verhalten rausgefunden haben, nach einer reihe von wiederholungen auf autopilot zu schalten und damit energie zu sparen.
gewohnheiten sind nichts anderes als automatisierte abläufe, die uns helfen, mit dem alltag besser zurecht zukommen.

im gehirn spiegeln sie alle wahrnehmungen und aktivitäten als nervenverbindungen wieder.
je häufiger und eingeübter sie sind, desto ausgeprägter werden die nervenverbindungen.
ein wenig so, wie das häufige begehen einer strecke einen weg entstehen lassen.
je mehr menschen drüberlaufen, desto breiter und ausgetretener wird der weg.
bis da eines tages eine autobahn ist.

wenn man auf der mal fährt, weiß man aber auch, wie schwer man wieder runterkommt!
wenn also eine gewohnheit zu einer breit ausgefahrenen autobahn geworden ist, auf die der hund gleich einbiegt, wenn ein bestimmter auslöser vorhanden ist, dann kommt er da schwer wieder raus.

leider sind aber nicht alle gewohnheiten automatisch das vernünftigste verhalten
(davon können wir menschen ja ein lied singen!).
gewohnheiten sind nur eine mögliche form, mit etwas umzugehen.
meist einfach die erste variante, die man ausprobiert und für wirksam befunden hat.

zum beispiel “wirkt” das bellen am zaun oder das zerren an der leine – zumindest aus der perspektive des hundes.
dass es auch anders gehen könnte – und zwar leichter oder besser – weiß er ja nicht.

oftmals würde er dazu die aktivierung des großhirns brauchen,
die entdeckung von einer oder mehreren anderen varianten, sich in der selben situation anders zu verhalten.

unser job ist es, ihm dazu die gelegenheit und die chance zu geben!

geduld üben

es ist also auch unsere aufgabe, dem hund die erfahrung zu vermitteln, dass ruhiges nachdenken und geduld auch eine wirkungsvolle strategie sind.
und das dann so oft zu wiederholen, bis die entsprechenden nervenverbindungen stark und tragfähig sind.

der hund muss dazu einerseits aufnahmebereit sein, also in einem zustand, in dem das großhirn aktiv ist und der erregungspegel niedrig.
dann müssen wir ihm zeigen, welche form von verhalten eine alternative sein könnte und dass die viel mehr bringt als das bisherige verhalten.
genau das muss dann eingeübt werden, bis daraus eine neue gewohnheit entstanden ist.

impulskontrolle ist also nichts, was der hund entweder hat oder nicht.
auch nichts, wo man in einer einzigen situation brav übt.
im idealfall ist es eine verhaltensstrategie, die der hund erworben hat und sich zur gewohnheit gemacht hat.

wie das geht?
ein stück weit kannst du das mit dem kurs “impulskontrolle leicht gemacht” aufbauen! da gibt es den richtigen aufbau und übungen, die noch dazu spaß machen!

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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