hundebegegnungen an der leine: do’s and don’ts – teil 2

es kann einiges schief laufen bei hundebegegnungen an der leine! mit üblen konsequenzen…

oft grade deswegen, weil der mensch falsch reagiert. drum hab ich heute die 5 wichtigsten „don’ts“ für euch zusammengestellt, dinge also, die du besser unterlässt, wenn du deinem hund und anderen das leben nicht (noch) schwieriger machen magst.

(was es richtig zu machen gilt, war ja letzte woche bei den „do’s“ bereits thema, hier zum nachlesen).

die „don’t“s bei hundebegegnungen an der leine:


1.  leine kurz nehmen

die beste methode, deinem hund eine begegnung unangenehm zu machen, ist die kurze, straffe leine. womöglich noch mit leinenruck (und am halsband sowieso ein no-go, wenn du noch kein brustgeschirr verwendest, dann bitte ab morgen gleich!).

dummerweise ist das aber die normalste menschliche reaktion. weil man ja meist schon erfahrungen hat, dass der eigene hund nicht ganz gelassen bleibt. oder weil man sich rechtzeitig die „kontrolle“ über die situation sichern und den hund nah bei sich haben will. (dazu gäbe es bessere wege!)

der mensch produziert also mit seinem reflexhaften versuch, ein problem zu vermeiden, das problem erst!

für den hund ist die botschaft nämlich ganz klar: ein anderer hund taucht auf, mein mensch regt sich auf, ich bekomme ein unangenehmes, beklemmendes gefühl (oder es tut sogar richtig weh am hals) – also muss der andere hund böse sein!

so entsteht leinenaggression!

(sollte es bei euch schon passiert sein, dann gibt es hier für dich den online-kurs „schluss mit der leinenpöbelei“)

es gilt einfach immer: deine anspannung überträgt sich sofort auf den hund!

bei vielen reicht schon ein luftanhalten als signal für aufregung, geschweige denn erst ein muskel anspannen und leinen straff nehmen! das ist wie das drücken des startknopfes für „achtung, anderer hund! jetzt loslegen!“

also schön locker bleiben!

klar darfst du den hund zu dir nehmen, am besten mit einem aufmerksamkeitssignal oder seinem namen.
klar darfst du die leine kürzer nehmen, aber ohne spannung drauf zu bringen oder gar dran zu ziehen. (und dein hund sollte auch nicht dran ziehen! leinenführigkeit ist also voraussetzung).
und klar darfst du und sollst sogar abstand halten.

aber eben alles ohne gezerre!

2. „ablenken“

du willst eben nicht unangenehm mit deinem hund umgehen und ihn wo wegzerren? lieber arbeitest du mit futter als „ablenkung“?

im prinzip ganz richtig.

vorausgesetzt, du erwischt den richtigen moment!

denn wenn du versuchst, den hund, der schon an der leine zerrt oder gar bellt,  mit futter vor der nase nochmal vom anderen abzulenken, dann machst du in wirklichkeit ganz was anderes:

du belohnst ihn fürs zerren und bellen!

klarerweise wird er das dann immer weiter machen und immer öfter. schließlich wurde er dafür ja belohnt!

also unbedingt drauf achten, dass dein hund noch ruhig und halbwegs gelassen ist, wenn du futterbelohung (oder sonst irgendeine belohnung) einsetzt.

heißer tipp: streich am besten das wort „ablenken“ ganz aus deinem (hunde)vokabular. das führt immer in die sackgasse! ersetze es durch „belohnen“ und dir wird ganz schnell klar, wo du das futter womöglich völlig falsch eingesetzt hast, weil dein hund schon bei einem unerwünschten verhalten war…

 

3. laut werden

eine andere form von bestärkung ist es für den hund, wenn du selber laut wirst.

was natürlich gern passiert, wenn der hund schon bellt und unansprechbar ist.

irrigerweise sind wir menschen dann der meinung, wir müssten nur lauter sprechen und das gebelle übertönen, damit der hund wieder auf uns hört.

tut er natürlich nicht!

denn wie das straffnehmen der leine geht auch das lauter werden nicht ohne vermehrte anspannung im menschen ab. und die nimmt der hund ja als bestätigung.

wenn es ganz blöd hergeht, dann denkt der hund sogar, du „bellst“ mit ihm gemeinsam, um den anderen in die flucht zu schlagen. er hat also die kavallerie hinter sich und fühlt sich gleich noch viel stärker und wird noch heftiger.

im schlimmstenfall wirst du so laut und heftig, dass der hund es als eindeutige strafe erlebt – selbst wenn es nur aus deiner überforderung im moment heraus passiert ist. strafe aber ist ein eigentor!

strafe steigert den stress und die aufregung. kannst du gar nicht brauchen.
strafe untergräbt das vertrauen zum menschen. kannst du auch nicht brauchen.
strafe wird verknüpft mit dem auslöser – dem anderen hund, der also noch „böser“ wird. kannst du schon gar nicht brauchen!

also ruhe bewahren!
den hund rechtzeitig und ruhig ansprechen.
oder wenn alles zu spät ist: trotzdem ruhig bleiben und nichts sagen, um es nicht noch schlimmer zu machen.

 

4. ärgern und diskutieren

viele doofe verlaufende hundebegegnungen könnte man sich natürlich sparen, wenn bloss die anderen hundehalterInnen auch nur ein bisschen mitdenken würden!

da weichst du mit deinem eh schon im weiten bogen aus und trotzdem lässt der seinen an der flexi-leine bis auf nasenkontakt an deinen heran. (ein grund mehr, warum ich die flexi nicht mag)…

du hast dem anderen eh schon signalisiert, dass du keinen kontakt zwischen den hunden möchtest, und der kommt mit dem „meiner mag eh nur spielen“ oder dem „die hunde machen das schon“ spruch immer weiter auf euch zu…

du hast deinen mit mehr oder weniger müh und not ruhig neben dir sitzen und der andere baut sich mit seinem an der leine zu euch hinzerrenden hund vor euch auf und bewundert entweder, wie brav deiner ist („noch!“, denkst du dir da vermutlich) oder – noch schlimmer – hält dir einen vortrag, dass du deinen hund doch bitte zu anderen hinlassen sollst….

….und was immer man noch so alles erlebt. da hast du sicher auch deine anekdoten beizusteuern!

superärgerlich!
völlig rücksichtslos!
zum aus der haut fahren!

du hast völlig recht. klar.
aber es ist sinnlos!

lass dich auf keine diskussion ein!
erklär dem andern nicht, was du von seinem (unmöglichen) benehmen hältst!
ärger dich nicht mal!

denn darunter leidet vor allem dein hund!
(deine leber auch, weil in der steckt angeblich der ärger. und deine innere ruhe sowieso)

wenn du pech hast, bezieht der den ganzen ärger und die schimpferei nämlich auch noch auf sich.
das verunsichert, verursacht stress und macht die nächste hundebegegnung noch schwieriger.

also durchatmen, selbstbeherrschung üben, welche entspannungstechnik auch immer einsetzen…. und cool bleiben.

 

5. freilaufenden zum angeleinten lassen

wenn dein hund grad frei läuft oder an der ganz langen leine, dann gilt natürlich:

lass deinen hund nicht zu einem angeleinten hin!

keine diskussion.
keine ausnahmen.
fixe benimmregel.

weil das thema hundebegegnungen an der leine einiges echo ausgelöst hat, wird es dazu demnächst ein (kostenloses) webinar geben. trag dich hier dazu ein und ich schick dir die info darüber.

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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