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by brigid

Oktober 1, 2026

hunde denken

dass hunde nicht nur konditionierte signale ausführen, sondern richtig gut denken können,
hat die wissenschaftliche forschung der letzten jahrzehnte eindeutig bewiesen.

was sie dabei alles drauf haben, ist aber den wenigsten bewusst.
was ein problem für den hund ist.

nicht unbedingt, weil der vierbeiner in deinem wohnzimmer sich in seiner ehre gekränkt fühlt,
wenn du ihm nicht zutraust, was er eigentlich kann,
sondern weil er dadurch zu kurz kommt.

die denkfähigkeiten des hundes sind nach nicht ein hübsches accessoire,
das der hund eben auch so hat und das in seltenen momenten bestaunt wird.
nein, sie sind fixer bestandteil eines jeden hundes
und so, wie der magen regelmäßig futter braucht, damit der hund gedeiht,
braucht der kopf geistige nahrung, damit es dem hund gut geht.

kriegt er die nicht, überlebt er zwar problemlos.
so wirklich gerecht wird man dem hund dabei aber nicht.

bevor wir nun zu einigen beispielen für die denkleistung von hunden kommen, daher eine einladung an alle,
die wissen wollen, wie die auslastung für den eigenen hund am besten (und ohne großen aufwand) hinzukriegen ist.
beim webinar „hundegerechte auslastung“  gehen wir nicht nur auf die fähigkeiten von hunden ein,
sondern schauen uns vor allem an, mit welchen ideen wir dem eigenen hund besser gerecht werden können.
du kannst dir deinen platz im webinar gleich hier reservieren kannst:

eine  bessere vorstellung von dem, was hunde alles auf dem kasten haben, sollen ein paar konkrete beispiele geben:

das unglaubliche gedächtnis

fangen wir klein an.
damit, wie lange hunde sich etwas merken können.

bei der hundeerziehung scheint es manchmal so,
als würde sich der hund schon nach 10 sekunden nicht mehr ans davor gegebene signal erinnern
oder hätte spätestens nach ein paar minuten vergessen, worum es gerade geht.

weit gefehlt! am gedächtnis liegt das jedenfalls nicht.

das stellte ein hund bei einem versuch mit der „do as i do“ methode unter beweis.
dabei geht es darum, dass der hund lernt, auf das signal „mach’s mir nach“ eine handlung nachzuahmen,
die der mensch davor ausgeführt hat.

die erfinderin der methode, die hundeforscherin claudia fugazza, wollte einmal wissen,
wie lang die pause zwischen dem vormachen des menschen und dem nachmachen des hundes dabei sein kann.
wie lang sich der hund also merkt, was er nachmachen soll.

bei 48 stunden haben die forscher aufgegeben.
vielleicht hätte der hund sich auch deutlich später noch daran erinnert, das weiß man nicht.
man muss sich das mal vorstellen:
da sieht ein ganz normaler familienhund am trainingsgelände zu, wie ein mensch eine handlung ausführt.
dann geht der familienhund dort wieder weg,
lebt 48 stunden lang sein ganz normales leben mit allem, was an eindrücken und aufregungen dazu gehört,
dann wird er wieder zum trainingsgelände geführt,
bekommt das signal „mach’s nach“ – und macht ohne zögern nach, was der mensch zwei tage vorher gezeigt hatte.

viele kennen erstaunliche gedächtnisleistungen auch vom eigenen hund und aus anektdoten.
mich eingeschlossen. meine erste labradorhündin trug liebend gern stöcke herum.
bei einem spaziergang nahm ich ihr den stock schließlich ab und legte ihn hoch oben in einen baum, damit sie ihn nicht gleich wieder holt.
auf dem weg gingen wir erst ein dreiviertel jahr später wieder mal.
rennt plötzlich meine hündin los und starrt einen baum hinauf – ganz genau,
es war der, wo ich den stock damals entsorgt hatte (auch wenn er nicht mehr da war).

mehr als 1000 wörter

sich einen ort mit einem tollen stock zu merken, entspricht den fähigkeiten und der motivation des hundes natürlich.
doch menschliche wörter?  die sind nicht von vorneherein so spannend.

was den hund nicht daran hindert, sie zu lernen und sich zu merken.
den (bisherigen) rekord hält die border-collie-hündin chaser aus south carolian,
die sage und schreibe 1022 (!) gegenstände (primär spielsachen und bälle) beim namen kannte.

den menschen finde man mal auf die schnelle,
der die bezeichnung für 1000 ähnliche gegenstände auswendig kennt und sich nicht irrt dabei!

mehr noch: chaser – wie vor ihr auch andere – demonstrierte die fähigkeit zum „fast mapping“,
also zum schlussfolgernden lernen.
wurde ihr ein neues wort gesagt, war sie imstande, aus einer reihe mit bereits bekannten und einem neuen gegenstand den neuen als passend zum neuen wort zu schlussfolgern.

es sind übrigens nicht nur border-collies, die solche lernleistungen erbringen können.
der yorkshire terrier bailey konnte das genauso.
er brachte es zwar nicht auf 1000 wörter, weil er erst im fortgeschrittenen alter damit anfing,
konnte aber problemlos den richtigen aus rund 120 gegenständen bringen.

selbst dann, wenn das signalwort nicht von seinem eigenen menschen gesagt wurde,
sondern von einer unbekannten frau, einem unbekannten mann, in merkwürdiger intonation oder mit einem deutlichen akzent.
kein thema für bailey!

grammatik und kategorien

wörter alleine sind das eine, aber zusammenhänge oder gar satzbau?
schaffen hunde auch das?

ja. selbst dazu gibt es forschungsergebnisse.
sowohl die hündin chaser als auch die brasilianische mischlingshündin sofia sind bekannt dafür,
dass sie auch wortkombinationen und begriffs-kategorien richtig erfassen konnten.

sofia unterschied genau zwischen objekten (ball, frosch, schlüssel….) und handlungen (bringen, anstupsen, hinlegen,…)
und konnte selbst unbekannte kombinationen aus mehreren wörtern (leg den ball neben den schlüssel, bring den frosch zum ball,…..)
richtig ausführen.

sowohl sie als auch die hündin chaser (und andere) hatten dabei auch ein klares verständnis von kategorien.
gab es eine auswahl von 10 gegenständen, davon 3 bälle, 5 hundespielsachen und zwei stofftiere,
die alle ihren jeweils eigenen namen hatten, wussten sie genau, was davon alles „ball“ oder „spielsache“ waren
und brachten das auf aufforderung korrekt.

sprechende hunde

wenn hunde im verständnis von wörtern so gut sind,
können sie die dann auch aktiv gebrauchen?
können sie lernen – mithilfe von buttons – wörter zur kommunikation einzusetzen?

es überrascht inzwischen nicht mehr, dass sie das natürlich können.
sofia war vermutlich eine der ersten und nutzte symbole auf einer tastatur,
um sich mitzuteilen und wasser, spielen, futter, etc. zu fordern.

noch weiter ging die sprachtherapeutin christina hunger in den USA.
sie brachte ihrer hündin stella bei, über das drücken von sprachknöpfen
(also von ihr mit jeweils einem wort besprochenen knöpfen zum runterdrücken) zu kommunizieren.
andere folgten ihrem beispiel und berichten, dass die hunde auch eigenständige wortkombinationen bilden.

übrigens ist auch stella keine „einschlägige“ rasse, also kein border collie,
sondern eine mischung aus blue heeler und catahoula.
letztere sind eigentlich berühmt für ihr talent zur nasenarbeit.

von der nasenarbeit fangen wir hier aber erst gar nicht an!
das ist nochmal eine ganz andere kategorie an fähigkeiten, die wir menschen uns nur schwer vorstellen können,
und ein thema für ein anderes mal.

 

 

 

 

über die autorin 

brigid

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.