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by brigid

Oktober 11, 2026

rückruf

die meisten kennen es:
im alltag funktioniert der rückruf gut,
doch wehe ein hund erscheint in der ferne, ein reh springt über den acker oder ein radfahrer zischt von hinten vorbei.

da kann man oft rufen, wie man will, der hund „hört nicht“.
akustisch hat er natürlich kein problem und hört einen auch,
bloß kommen tut er nicht.
das hat natürlich seine gründe.

bevor wir uns die anschauen, hier schon ein wichtiger hinweis:
was man dagegen tun kann und wie der hund auch und gerade dann kommt, wenn es wirklich wichtig ist,
das schauen wir uns demnächst im neuen (kostenlosen) webinar „prompter rückruf in allen lebenslagen“ an,
für das du dir gleich hier deinen platz reservieren kannst:

1. schwierige bewegungsreize

der rückruf wird beim hund langsam aufgebaut,
erst in ruhiger umgebung und ohne große entfernung,
dann allmählich mit wachsender entfernung und zunehmender ablenkung.

was man allerdings selten gezielt übt:  schnelle bewegungen als ablenkung
(schlicht, weil die schlechter zu organisieren sind).

schnelle bewegungen, noch dazu vom hund weg, sind für ihn aber besonders schwierig auszuhalten.
je aufgeregter der hund sowieso schon ist, desto weniger kann er dabei noch ruhig bleiben.

bewegungsreize triggern beim hund nämlich das hetzverhalten,
so daß er fast im reflex hinterher rennt.
er braucht schon eine gewisse selbstbeherrschung und impulskontrolle,
um sich nicht von einer schnellen bewegung mitreißen zu lassen.

wenn der hund gerade aufgeregt ist – eben wegen hund, hase oder jogger –
oder wenn er sowieso einen chronisch erhöhten stresspegel hat,
dann bringt er diese impulskontroll nicht mehr auf.

und weg ist er.

was also tun?
das wichtigste ist erst mal, keine gelegenheiten dafür zu schaffen oder zuzulassen,
weil der hund mit jedem mal einübt, dass er in bestimmten situationen nicht mehr auf den rückruf hört.

das kann heißen, bestimmte gegenden meiden,
schleppleine dran, wenn der hund einen tag mal aufgeregter ist,
und insgesamt auf einen niedrigen stresspegel achten.

außerdem natürlich: behutsam und moderat den rückruf mit mehr ablenkung,
insbesondere mit ablenkung durch bewegung, trainieren.

2. gelernte erwartungshaltung

meist stößt man in bestimmten gegenden oder an bestimmten stellen auf jene trigger,
wie hasen und rehe, andere hunde oder radfahrer,
die beim hund die ohren auf durchzug schalten.

das führt nicht nur bei einem selber dazu, dass man schon auf der lauer ist,
sich dabei anspannt und nur drauf wartet, dass der hund losstartet –
den man im übrigen durch diese körpersprache eher von sich weg „drückt“.

der hund selber merkt sich diese stellen natürlich auch.
hunde lernen oft als allererstes „geographisch“, also an welchen stellen sie was zu erwarten haben.
die lichtung im wald, wo häufig rehe stehen,
der spazierweg, wo man immer wieder anderen hunden begegnet,
der hund kennt die stellen alle…

und reagiert sofort darauf.
seine aufregung steigt, seine aufmerksamkeit auf die umgebung wächst
und er liegt genauso auf der lauer, auf alles was sich regt, wie sein mensch.

da braucht es dann nur eine kleinigkeit und er startet durch.
eine kleinigkeit, wo er irgendwo anders noch problemlos auf seinen menschen hören würde, doch hier nicht mehr.

was er nämlich auch abgespeichert hat:
der rückruf „gilt“ hier nicht mehr für ihn.
er hat ja mehrfach die erfahrung gemacht, dass er den rückruf hört,
aber trotzdem wegrennt. ergo: „gilt nicht“
womöglich hat er die verzweifelten rufe seines menschen sogar als anfeuern missverstandne.

was also tun?
statt auf der lauer liegen, legt man besser den hund vorsorglich an die leine für diese stellen.
zumindest solange, bis man sie umprogrammiert hat.

zum beispiel darauf, dass der hund an genau diesen stellen besonders oft blickkontakt zum menschen aufnehmen soll
und dafür belohnt wird,  oder dass er da ein stück weit freifolge übt, um an seine kekse zu kommen.
also irgendeine alternative, die ihn auf den menschen fokussiert,
statt erwartungsvoll das gelände nach bewegungsreizen zu durchforsten.

3. tunnelblick

eine starke stressreaktion löst beim hund einen wahren tunnelblick aus.
in der klassischen kampf- oder fluchtreaktion wird die wahrnehmung massiv verändert.
der hund fokussiert auf einen engen ausschnitt der umgebung, der für ihn gerade relevant ist,
alles andere verschwindet in der peripherie und wird im extremen fall tatsächlich nicht mehr bewusst wahrgenommen.

es muss sich auch nicht direkt um kampf oder flucht als reaktion handeln,
eine stark aufgeladene begegenung mit einem sehr aufregenden trigger reicht auch,
vor allem, wenn der hund sowieso schon im stress ist,
bereits einen turbulenten spaziergang hatte oder noch keine funktionierende kommunikation mit dem menschen besteht.

ist der tunnelblick aktiviert, verschwindet der mensch aus der wahrnehmung.
samt rückruf und allem.

manchmal wird dann versucht, den hund mit gleich starken bewegungsreizen nochmal auf andere gedanken zu bringen.
man wirft etwa einen ball in die entgegengesetzte richtung und hofft,
dass der hund dann den ball hetzt.

das mag in dem einen oder anderen fall aufs erste funktionieren,
es macht aber das problem auf dauer größer
und die nächsten begegnungen noch schwieriger.

denn nicht nur steigt mit jedem geworfenen ball der stresspegel beim hund,
was seine neigung zum tunnelblick noch weiter verstärkt,
er übt auch das hetzen immer weiter ein,
statt die nötige impulskontrolle kennen zu lernen und aufzubauen.

was also tun?
der tunnelblick ist eine direkte folge von zu hohem erregungspegel.
daher heißt es: runter mit dem erregungspegel, 
danach selbstbeherrschung und impulskontrolle üben
und bis dahin den hund (zumindest in gefährdeteem terrain) an der schleppleine führen.

fazit

wenn der hund in bestimmten momenten nicht mehr auf den rückruf hört, hat das zwar seine gründe,
darf aber nicht auf die leichte schulter genommen werden, weil es tendenziell schlechter wird
(ganz abgesehen von den möglichen gefahren für alle beteiligten).

im ersten schritt sollte man daher mit management (schleppleine, umgebung,….) sicherstellen,
dass der hund nicht weiter einübt, trotz rufen wegzurennen,
während man parallel die ursachen angeht oder den rückruf besser festigt
(tipps dazu gibt’s bald im oben angesprochenen webinar).

 

über die autorin 

brigid

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.