fragt dein hund bei dir nach? was es mit der orientierung am menschen auf sich hat

die orientierung am menschen gilt in der hundeerziehung nicht umsonst als eins der erstrebenswertesten ziele.
allerdings handelt es sich dabei nicht um eine simple übung, die man einstudieren kann
wie ein rückruf oder ein leinegehen.

vielmehr zählt die orientierung am menschen so wie gelassenheit oder vertrauen zu jenen dingen,
die sich aus der art des umgangs mit dem hund und vor allem die richtige herangehensweise an die hundeerziehung
(samt der zugehörigen übungen) ergibt.

wie das in der praxis erreicht werden kann, wird ausführlicher in den nächsten tagen im (kostenlosen) workshop „beste basis für hund und mensch“ thema sein, zu dem du dich gleich hier anmelden kannst:

hier wollen wir vorerst klären, was die „orientierung am menschen“ denn eigentlich ist.

gemeint ist damit, dass der hund von sich aus – also ohne signale oder aufforderungen des menschen –
sein verhalten an dem seines menschen ausrichtet.
so wie man einen kompass verwendet (oder eine navi-app), um sich zurechzufinden,
so nimmt der hund seinen menschen als navigationshilfe durchs leben.

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dabei ist zu beachten, dass diese orientierung am menschen (zumindest) aus drei aspekten besteht.

1. aufmerksamkeit

aufmerksamkeit ist ein grundpfeiler in der beziehung zwischen hund und mensch.
natürlich muss der hund nicht dauernd 100% seiner aufmerksamkeit beim menschen haben,
da hätte er ja gar keine zeit mehr zum schnüffeln, erkunden und hund sein.

ein gewisser teil der aufmerksamkeit – sozusagen ein „halbes ohr“ – sollte er aber sehr wohl beim menschen behalten.
denn nur dann bekommt er auch gleich mit, wenn sich da was tut,
nur dann kann er auf seinen menschen überhaupt reagieren.

die rede ist dabei von der unaufgeforderten aufmerksamkeit.
also nicht einem aufmerksamkeitssignal, das alle paar meter gegeben wird und auf das der hund schön reagiert
(auch wenn so ein aufmerksamkeitssignal eine gute sache ist!),
sondern davon, dass der hund von sich aus seinen menschen immer ein wenig im auge behält
und darauf achtet, was der tut.

2. stimmungsübertragung

der zweite aspekt der orientierung am menschen ist eine zweischneidige angelegenheit:
die stimmungsübertragung – also das übernehmen der stimmung des menschen durch den hund –
ist einerseits ein wunderbares mittel,
seinem hund rasch entspannung und sicherheit durch das eigene verhalten
und die eigenen körperlichen reaktionen (wie ausatmen!) zu vermitteln.

leider beschränkt sich die stimmungsübertragung nicht auf die positiven aspekte:
sind wir gestresst, verärgert oder ungeduldig, überträgt sich auch das auf den hund.
und einbahnstrasse ist die stimmungsübertragung auch keine:
ist der hund überdreht, unruhig und heftig in seinen reaktionen,
springt das genauso auf den menschen über
(außer man steuert bewusst dagegen).

die erwünschte orientierung am menschen gibt es aber nur im paket mit der stimmungsübertragung.

man könnte auch so sagen:
je unwichtiger und bedeutungsloser der mensch für den hund ist,
desto weniger kratzt ihn auch seine stimmung.
aber wer möchte schon unwichtig und bedeutungslos für den eigenen hund sein?

3. das „nachfragen“

das dritte element beim thema „orientierung am menschen“ ist schließlich das nachfragen.
das, was wir alle gerne hätten:

dass nämlich der hund immer dann „nachfragt“
wenn er nicht genau weiß, was er tun soll,
wenn er mit einer neuen situation konfrontiert ist und sich nicht ganz auskennt,
oder aber wenn ihn etwas überfordert und er allein nicht mit der sache klar kommt.

in genau jenen momenten wollen wir ja nicht,
dass der hund auf eigene faust irgendwie reagiert –
und das dann heftig, aufgeregt, ängstlich oder gar aggressiv ausfällt.

nein, wir möchten dass der hund sich an uns orientiert.
dass er kurz innehält, sich zu uns umdreht und nachfragt:
„he du, wie machen wir das denn jetzt?“

das gibt uns menschen dann die gelegenheit,
den hund mit einem (vorher eingeübten) signal zu sagen, was denn nun erwünscht wäre
und sein verhalten in eine bahn zu lenken,
die für uns menschen angenehm ist
und mit der er selber die situation am besten bewältigen kann.

dass dieses nachfragen nicht automatisch kommt ist klar.
würde uns menschen nicht anders gehen:

sähen wir uns einer ungemütlichen oder gefährlichen situation gegenüber,
würden wir uns auch nur an jenen gefährtInnen orientieren,
die in der vergangenheit schon gezeigt haben,
dass sie einen klaren kopf bewahren und man sich auf sie verlassen kann.
andernfalls versucht man, die sache irgendwie selber zu regeln.

nun gibt es hunde, die sich bereitwilliger an ihrem menschen orientieren als andere.
das liegt einerseits an ihrem naturell (zum beispiel, wie eigenständig sie sind oder wie unsicher).
noch mehr aber liegt es andererseits an den erfahrungen, die sie im zusammenleben mit ihrem menschen gemacht haben.

genau darum ist eine solide basis in sowohl der beziehung als auch der erziehung des hundes so wichtig.
erst dadurch entsteht die erfahrung (auf beiden seiten!), dass man sich aufeinander verlassen kann.
dann bietet einem der hund auch bereitwillig die orientierung am menschen an.

ps: wie dieses solide basis praktisch aufgebaut wird, dazu dann mehr im live-workshop „beste basis für hund und mensch“ (kostenlos).

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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